Review

Inhalt:

In einer Stadt in China..., in den Jahren nach dem Sturz der manchurischen Qing-Dynastie. In seiner KungFu-Schule bildet der rechtschaffende Meister Li Chun-Hai (Fang Mien) seine Schüler aus..., Männer wie Cheung Da Lung (Cheng Lui), Suen Tung (Wang Kwang Yu)... und Lei Ming (Wang Yu).
Lei Ming ist sein bester Schüler..., und zudem der Verlobte seiner Tochter Li Siao (Wang Ping).

Eines Tages erhält die Schule ungebetenen Besuch. Der einst verstoßene Schüler Diao-Erh (Chiu Hung), ein streitsüchtiger Typ, der etliche Judo-Skills beherrscht, will sich für die erlittene Schmach rächen..., und verprügelt einige Schüler. Erst als Meister Li eingreift, kann Diao-Erh in die Schranken gewiesen werden..., doch er kündigt an, mit 3 japanischen Meistern des Karate innerhalb eines Monats wieder zu kommen...!

Und so geschieht es tatsächlich. Mit Tanaka (Wang Chung), Ishihara (Chen Hsing) und dem sehr leicht reizbaren und eitlen Kita (Lo Lieh) taucht Diao-Erh wieder in der KungFu-Schule Li´s auf!
In einem blutigen Kampf fallen Li und fast alle seine Schüler..., die Schule wird in einem gnadenlosen Kampf vernichtet!

Einer jedoch..., hat überlebt, schwer verletzt..., Lei Ming! Und er wird durch Li Siao gesund gepflegt. Und Lei Ming erinnert die Worte seines Meisters, wonach das japanische Karate am wirkungsvollsten durch die "Iron Palm"- und die "Light Leaping Technique"-Technik gekämpft werden kann. Lei Ming nimmt ein eisenhartes Training in diesen Techniken, die vor allem die Hände stählen, in Angriff...!

Diao-Erh und seine japanischen Schergen haben derweil ein Casino an Stelle der Schule eingerichtet..., Männer die dort gewinnen werden zusammengeschlagen..., Frauen missbraucht. Diao-Erh und seine Komplizen führen sich in verbrecherischer Manier auf...!
Doch Lei Ming ist alsbald soweit, seine Rache anzugehen...

Mit Handschuhen..., das Gesicht maskiert, tötet er in einigen Kämpfen die Schläger seiner Gegner. Diese wiederum engagieren noch 2 japanische Samurai zu ihrem Schutz... Kume (Wang Ching) und Lumura (Tung Li). Als auch diese beiden von Lei Ming getötet werden, ist das Maß für Diao-Erh und die 3 Karatekas voll...

Ein blutiger und brutaler Show-Down ist nunmehr unausweichlich geworden.....

Fazit:

Das Genre des japanischen Chanbara, des Schwertkampffilms, inspirierte 2 neue Genres in der Kino-Welt. Zum einen den Italo-Western..., zum anderen die blutigen Schwert-Epen der Shaw Brothers Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und Wang Yu..., er führte -erstmals waffenlos- diese beiden Genres für Shaw in einem Film zusammen..., in diesem hier: "The chinese boxer".
Hier entstand in den Studios der Shaw Brothers erstmals ein rein waffenloser Martial Arts-Streifen..., wurde erstmals die waffenlose Kunst des KungFu in reiner, wenn auch hier noch etwas grober, Form in einem Action-Film dieses Studios zelebriert! Somit ist dieser Streifen so etwas wie eine Pionier-Arbeit..., ein Erstling für sein Studio. Und diese Streifen, die eine neue Ära einleiteten, sie waren selten schon perfekt..., hatten selten schon jenen Drive, der spätere Werke, die sich auf sie beriefen, prägte. Und so geht es eben auch "The chinese boxer".

Gleichwohl ist hier ein spannender, harter KungFu-Actioner unter der Regie seines Hauptdarstellers entstanden. Ein Film der die klassische Struktur ("Du hast meinen Meister getötet! - Stirb!") eines Eastern jener Jahre, als dieses Feld erst angefangen wurde, beackert zu werden, beinhaltet. Ein Pionier hinsichtlich reiner Martial Arts..., und ein Film, der den italienischen Western jener Zeit und einige seiner Elemente in das China der KungFu-Ära transportiert.

Die Handlung dieses Films ist einfach..., nichts kann hier den Betrachter überfordern, doch gelingt es Wang Yu, den Spannungsbogen seines Streifens nach oben zu führen, obgleich Wang Yu von der danach klassisch gewordenen Handlungs-Struktur seines Streifens kaum abweicht. Das ist das, was der Fan des Genres sehen will...!

Erstmals, ich erwähnte es bereits, wird hier in einem Eastern der Shaw Brothers fast ohne Waffen (der Schwert-Einsatz von Wang Ching und Tung Li, die 2 Samurai darstellen, ist marginalster Natur) gefightet..., und es geht natürlich um KungFu, die höchste aller Kampf-Formen. Die Fights sind hart, reell, blutig..., noch etwas grob wirkend..., für damals aber visuell recht ansprechend, mir gefiel dies soweit, man muss das Baujahr (1970) des Films mit in Betracht ziehen.
Ein paar Flugeinlagen störten..., aber das ist zum Glück hier selten. Wang Yu..., sein Stil wirkt leicht autodidaktisch..., aber das war schon reelles KungFu. Lo Lieh und Chen Hsing haben da aber schon eher einen MA-Background, das sah man. Die KungFu-Fights, wie können sie hier schon den Drive späterer Jahre haben? Das ging eben wohl noch nicht. Und die von Wang Yu hier noch eingestreuten Splatter-Elemente, wie rausgerissene Augen etc., sie sind hier eher nebensächlich.
Höhepunkt ist natürlich der Show-Down, der Endkampf..., und dieser ist beinahe exakt nach italienischem Western-Muster konzipiert!

Und nicht nur der. Auch die Darstellungen der Schauspieler haben diesen Touch. Wang Yu..., er ist hier der Hauptdarsteller, er agiert in der Titel-Rolle. Zwar hat er nicht diese uneigennützige Art der italienischen Western-Helden, doch geht er seine Sache subtil an..., verbreitet unter den villains erst mal Panik, legt einige ihrer Schergen trocken um! Wang Yu..., er spielt und fightet grundsolide..., er ist aber eigentlich nicht der darstellerische Höhepunkt dieser Produktion...

Denn diesen besetzen die villains. Wang Chung, Chen Hsing, Wang Ching und Tung Li..., so wortkarg wie brutal, so nihilistisch wie unzugänglich. Sie sind um IHN herumgebaut..., um IHN, der der eigentliche Star dieses Streifens für mich ist: Lo Lieh.
Das war eine Performance der Extra-Klasse! Wir wissen alle, was er fighttechnisch drauf hat..., wir kennen sein kraftvolles KungFu, ER, der eisenharte Fighter! Aber er ist hier darstellerisch mehr als das. Er spielt hier einen eitlen, sehr leicht reizbaren und nur oberflächlich cool wirkenden, nihilistischen Character mit einer dissozialen Persönlichkeits-Störung. Und das überzeugend, und mich als Betrachter irgendwie faszinierend, das muss man erstmal so drauf haben. Lo Lieh ist ein Darsteller, der das kann!
In einem sehr kurzen Auftritt sieht man übrigens noch den späteren MegaStar der Shaw Brothers, Chen Kuan Tai!

1970..., das Herstellungs-Jahr dieses Streifens..., eine Zäsur im Hongkong-Kino..., und auch dafür steht natürlich dieser erste reine MA-Streifen der Shaw Brothers.

Chang Cheh griff bereits erstmals die Konzepte des Chanbaras und der italienischen Western auf, in seinen "Heroic bloodshed"-Streifen, wie der "One armed swordsman"-Reihe oder "Have sword, will travel", ein Jahr zuvor mit Ti Lung und David Chiang entstanden. Wang Yu greift dies auch auf, verlegt sich aber weg von den Schwertern hin zum reinen Martial Arts..., nimmt aber im Show-Down klare Anleihen aus Streifen wie Kurosawa´s "Yojimbo" oder den Italo-Western Leone´s.
Eine raue Natur..., vertrocknetes hellbraunes Gras..., eine dünne Schnee-Decke kan dies nur marginal verbergen, man spürt die Kälte..., die Landschaft ist hügelig. Der Held..., er postiert sich mittig..., die villains erscheinen..., umstellen ihn... Wang Yu! Die Spannung erreicht hier natürlich einen Kulminations-Punkt, Leone hätte Freude daran gehabt...

Optisch ist dieser Eastern passend in zweckmäßigen Kulissen angesiedelt..., Wang Yu geht für den Show-Down hinaus, wie oben beschrieben, was diesem Finale Character verleiht. Zuvor ist vieles, was "draußen" ist, im Studio nachgebaut..., und verleiht unter künstlich blauem Himmel ein wenig Shaw-Atmosphäre. Am besten gefiel hierbei -neben dem Show-Down draußen- ein Kampf in einem verschneiten Schilf-Feld gegen die Samurai, untermalt von künstlichem Schnee-Gestöber.

So kann denn "The chinese boxer", trotz einer gewissen Unvollkommenheit in seiner Action (verglichen mit späteren Werken des Genres, was aber vielleicht auch etwas unfair gegenüber diesem Film ist) gefallen. Ein Pionier-Streifen für Shaw hinsichtlich Martial Arts..., noch nicht perfekt, aber letztendlich Maßstäbe setzend. Ein Film der daher in keiner Shaw-Sammlung fehlen sollte.

"The chines boxer" erhält von mir excelente 8/10 Punkte!  

Details
Ähnliche Filme