Review

Julie ist Ende 20, wechselt ihre beruflichen Interessen, ist mit dem 15 Jahre älteren Aksel zusammen. Und überdenkt dies, nachdem sie auf einer Party Eivind kennenlernt, der ebenfalls vergeben ist.

Wie jede Beziehung oder jede bedeutsame Begegnung in uns Spuren hinterlässt und Einfluss auf die fortschreitende Formung der eigenen Persönlichkeit nimmt. Und wie man Einflüsse aus der eigenen Vergangenheit in jede Zukunft mitnimmt, einen gewissen Anteil an Fremdmaterial in sich integriert.
Joachim Trier gliedert dies in zwölf Kapitel, eingerahmt in einen Pro- und Epilog, und dabei Julie folgend. Wie sie Entscheidungen trifft in Bezug auf Beruf, Familie und Liebe. Zeitweise kommentiert aus dem Off, als würde man an einer Lesung des Skripts teilnehmen, doppelt sich so mancher Dialog. Und so wirkt der Film sowohl mit einem realistischen Anstrich arbeiten wollend, nah an den Figuren, als auch gleichzeitig darüberstehend.

Renate Reinsve spielt famos und vielschichtig, ebenso wie es ihre Figur emotional ist. Julie stehen so viele Möglichkeiten offen, stellvertretend für eine Generation, dass eine Orientierungslosigkeit entsteht. Manche kommen mal irgendwo an, aber es ist auch ein Zeichen dieser Zeit, dass das nicht so sein muss. Anders Danielsen Lie als Aksel , der einen anderen Ansatz repräsentiert. Seine Figur wirkt zum Ende hin aber vom Drehbuch kalkulierend eingesetzt. Herbert Nordrum komplettiert als Eivind das Haupttrio, das Ensemble spielt durchweg gelungen.

Der Blick auf Zwischenmenschliches wirkt angenehm ungefiltert und ehrlich. Voller Entscheidungen, Fehler und Zweifel, alles der fortschreitenden Zeit unterworfen. Vielleicht auch über das Scheitern an den eigenen Vorstellungen oder fehlender Kompromissbereitschaft. Da lässt sich viel reinlesen, erfasst Trier doch auch die Wahrnehmung der Kunst im Wandel der Zeit.
Hier und da einen Tick zu lang und mit etwas wackeliger Kamera, dafür oft mit dem scharfen Blick auf seine Figuren und die Situationen.

Jedes Kapitel für sich und auch im Gesamtbild ist Triers Film ein Portrait über die Unentschlossenheit in einem Meer von Möglichkeiten. Wobei dann Schwimmen bedeuten kann, dass man über Wasser bleibt oder dass man in die Unsicherheit treibt. Ein angenehm unkitschiger Blick auf das Innenleben von Beziehungen und den Spuren, die sie hinterlassen und wir weitertragen.

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