Hochgelobter Independent-Horror aus den Staaten, mit einer Story, die neugierig macht:
Fünf Freunde wollen den College-Abschluss in einer Hütte im Wald, fernab jeder Zivilisation, feiern. Dort angekommen geht es auch direkt zur Sache: Sex und Alkohol dienen als Anheizer. Als ein Einsiedler im Geschehen auftaucht, wendet sich das Blatt, denn dieser hat eine geheimnisvolle Krankheit, die langsam seine Haut zerfrisst. Nachdem der Eremit filmgerecht in die Wüste geschickt wurde, beginnt die Krankheit auch unter den Kids zu wüten. Panik, Ekel und Egoismus machen sich breit.
Klingt eigentlich ganz nett, und auch der Trailer versprach einen düsteren, bluttriefenden Schocker. Jedoch sollte man sich davon nicht blenden lassen. Denn genau das ist Cabin Fever überhaupt nicht. Regisseur Eli Roth (der auch einen Cameo als Kiffer hat) hat das ganze etwas zu selbstironisch gesehen. Da tauchen zu viele Gags auf, die die Ernsthaftigkeit der Ausgangsidee gnadenlos zunichte machen.
Ein bis zwei Mal baut sich Atmosphäre und Spannung auf, doch Roth tut alles, was er kann, um es nicht dazu kommen zu lassen. Erstes Mittel dafür ist das Verhalten seiner Charaktere. Dass es alles Klischeefiguren sind, neureiche Kids mit einer "Nach mir die Sintflut"-Attitüde, ist noch das kleinste Übel. Jedoch agieren die Jungs und Mädels blöder als blöd. Allen voran James DeBellos Figur scheint die Vernunft und den IQ eines Fünfjährigen zu besitzen. Des Weiteren zeigt sich eine aggressive Haltung der Figuren untereinander, auch schon bevor die Krankheit ausbricht. Das vermittelt den Eindruck als sieht man Rivalen und nicht Freunden zu.
An Nebenfiguren bekommen wir einige überflüssige Charaktere vorgestellt. Guiseppe Andrews als Deputy macht eine lausige Figur und treibt die Geschichte kein bisschen voran. Und die Hinterwäldler sind gegen Ende, wenn sie Jagd auf die Kranken machen, zu stark in die Handlung eingebunden. Es hätte gereicht, sie für die Anfangs- und Schlussszene zu verwenden, anstatt ihnen noch mehr Screentime zu geben.
Hütte + Wald + Krankheit = ausweglose Situation. Im Idealfall schon. Doch eine Ausweglosigkeit will sich nicht wirklich einstellen, rennen die Kids doch die ganze Zeit durch den hell erleuchteten Wald und klopfen bei anderen einsamen Villen an Fenster bzw. beobachten die nackten Villenbesitzer. Hier hätte man eher ein beklemmendes Kammerspiel inszenieren können, die Grundidee gibt das her. Aber die Chance wird vertan.
Man will ja nicht alles schlecht reden. Der Blutgehalt hätte zwar höher sein können, doch es gibt schon die eine oder andere schmackhafte Szene zu sehen. Auch kommt der Überlebens-Egoismus gut rüber, als die Kids Karen, die als erste an der Seuche erkrankt, in einen kleinen Schuppen sperren, um sich nicht anzustecken.
Und die Schluss-Pointe ist der Hammer!!!
Fazit:
Cabin Fever ist ein zu Unrecht umjubelter Film mit nervenden Figuren, auf den sich der Zuschauer nicht wirklich einlassen kann, da er viel zu unausgeglichen zwischen Horror und Komödie pendelt. Die fehlende Ernsthaftigkeit bekommt ihm überhaupt nicht gut, sondern fällt ihm geradewegs auf die Füße. Hätte man den Humor weggelassen, die Bilder und Sets düsterer gestaltet, den Schauplatz eingeengt und den Blutgehalt erhöht, so hätte der Streifen ein spannendes und beklemmendes kleines Horrorwerk werden können
7 von 15 Punkten