Review

Das Regiedebüt von Eli Roth wurde schon lange vor seinem Kinostart in den USA und den vorangehenden Terminen auf einschlägigen Festivals mit Vorschußlorbeeren überhäuft, weshalb auch ich sehr gespannt auf das Ergebnis war – doch leider konnte er die hohen Erwartungen nicht so recht erfüllen ... versteht mich nicht falsch, „Cabin Fever“ ist ein wirklich guter und unterhaltsamer Film, jedoch nicht unbedingt ein neues Genre-Juwel oder etwas Revolutionierendes.

Die gesamte Grundkonzeption des Films mutet wie „old-school“-Horror der 80er Jahre an: Einige Teenies, die nur Sex, Partys und Spaß im Sinn haben, mieten sich eine einsame Hütte in den Wäldern. Schon bald taucht ein Mann auf, der mit Ekel erregenden Wundmalen übersät ist – vor lauter Panik töten ihn die Kids im Effekt (...er wird angeschossen, geschlagen und schließlich in Brand gesetzt...), doch sein Körper fällt dabei ins Trinkwasserreservoir (auch von der Hütte), worauf fortan jeder, der das Leitungswasser trinkt, ebenfalls von dem Virus befallen wird (wie gut, dass einer der Jugendlichen eine Wette eingegangen ist, während der gesamten Zeit nur Bier zu trinken – trotzdem bekommt jeder sein Fett wett) und langsam einem qualvollen Tod entgegensteuert...

Nein, es ist kein Virus, der die Menschen zu Bestien macht (a la „28 Days later“), sondern ihr Fleisch befällt und dieses aufzulösen beginnt. Die Kids beginnen sich natürlich vor lauter Panik misstrauisch zu werden und wenden sich schließlich teilweise auch gegeneinander.
Doch das ist nicht der Gipfel allen Übels: Zusätzlich streunt der ebenfalls befallene und blutrünstige Hund eines Campers in der Gegend herum, und die Dorf-Hillbillies sind nicht gerade zimperlich wenn es darum geht, dass jemand eine ansteckende Krankheit in ihrem Gebiet trägt – fortan machen sie auch in guter „Deliverance“-Manier Jagd auf die Kids...

Der Film bietet viele blutige Szenen, doch alles ist mit einem bizarren und absurden Humor gepaart – und genau diese Kombination macht „Cabin Fever“ zu einem Treffer:
Die Witze sind extrem flach, doch im Kontext der Klischee-Teenies machen sie Spaß! Die Jugendlichen werden als Stereotypen dargestellt, und der Film nutzt das bis ins Extrem („Wenn wir schon sterben, sollten wir vorher noch Sex haben...“ zum Beispiel). Witze und Szenen unterhalb der Gürtellinie erinnern an die „Camping“-Filme der 80er („American Icecrem“ oder so), und insgesamt wirkt der Film auch irgendwie retro, denn mit seinem verwaschenen Bildmaterial sieht er älter aus, als er ist. Die Zeit scheint bei den Hillbillies ebenfalls stehen geblieben zu sein („Für was ist dieses Mittelchen?“ fragt einer den alten Ladenbesitzer ... „Für Füchse“ ... „Und das Gewehr da an der Wand?“ ... „Für Nigger!“), und es gibt keine (computeranimierte) Special Effects, sondern nur gutes, blutiges Make-up.

Man kommt aus dem Lachen einfach nicht mehr heraus – von der ersten Minute an kann man den Film nicht ernst nehmen, und das ist gut so! Manche Szenen sind völlig sinnlos und bizarr (ein kleiner Junge an der Tankstelle zieht beispielsweise eine Kung-Fu-Show (in Zeitlupe) ab, die total überflüssig ist, aber doch ins Gesamtbild passt), andere völlig überzogen. Trotz des Humors gibt es natürlich sehr viel Blut und Ekel, nur man muß die Kombination mögen, um etwas mit „Cabin Fever“ anfangen zu können.

Erwähnenswert ist auch noch, dass Regisseur Eli Roth früher bei David Lynch (der den Film auch mitproduzierte, seinen Namen jedoch nach einer Testvorführung zurückzog) gelernt hat – davon sieht man allerdings nichts in seinem Werk, doch ist er vermutlich über diese Connection an (Instrumental-) Altmeister Angelo Badalamenti („Twin Peaks“) herangekommen, der hier Teile des musikalischen Scores übernahm.

Rückwirkend betrachtet ist der Film an sich ziemlich dumm, doch er macht Laune – ich kann mir aber vorstellen, dass er nur im englischen Original erträglich ist, denn allein den Slang der Dorfbewohner und etliche der Wortwitze zu übersetzen wird meines Erachtens auf keinen Fall funktionieren (wie auch schon bei „the Convent“)...

Dank des Comic-Relief-Humors sticht der Film aus dem sonstigen Blut-Einheitsbrei heraus, und außerdem kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf, was in letzter Zeit selten geworden ist. Der perfekte Film für einen feucht-fröhlichen Video-/Kinoabend mit Freunden – Spaß und Unterhaltung sind garantiert!
„Gory, scary, smart and funny“, schrieb „Filmthreat“ abschließend – bis auf den „smart“-Teil kann ich mich dem anschließen, daher 8 von 10.

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