Wenn der Hintergrund einiger Verschwörungstheoretiker nicht so traurig oder beängstigend wäre, könnte man über die eine oder andere abstruse These fast schmunzeln und damit ist noch nicht einmal gemeint, dass Elvis (immer noch) lebt oder Bill Gates Blut von Kindern abzapfen lässt, um Aliens zu füttern (oder umgekehrt). Das Werk von Regisseurin April Mullen erscheint auf den ersten Blick etwas bodenständiger, entpuppt sich jedoch als interessantes Konstrukt zwischen Wahrheit und Paranoia.
Nachdem der ehemalige Polizist Arthur (Aaron Eckhart) vor zwei Jahren seine Tochter durch einen Unfall verlor, arbeitet er als Privatermittler und verbreitet mit seinem Kumpel Jimmy (Tommy Lee Jones) krude Verschwörungstheorien. Als sich die Mutter einer jüngst Verstorbenen an ihn wendet, führt ihn der Fall in das Wüstenkaff Wander in New Mexico, wo sich Arthur sogleich von einigen Einheimischen observiert fühlt. Einige Begebenheiten erinnern ihn an die nie vollständig aufgeklärten Umstände vor zwei Jahren…
Die Traumatisierung der Hauptfigur ist beinahe notwendig, um ein Konglomerat zwischen Wahnvorstellungen, Realität und Wahrheitsfindung zu erstellen, denn schließlich soll der geneigte Betrachter ebenso im Dunkeln fischen wie der Protagonist, der zur Untermauerung seines labilen Zustandes regelmäßig Pillen einwirft und Unterstützung von seiner Ärztin (Heather Graham) erhält. Dazu passt auch, dass Arthur mitten im Nirgendwo mit seinem Wohnwagen haust und alles und jeden auf Wanzen abtastet.
Dass in Wander dennoch ein paar Dinge schief laufen, unterstreicht die Eröffnungssequenz, als sich eine junge Frau auf einer baufälligen Straße von einem Unfallwagen entfernt und kurz darauf tot zusammenbricht, während sich im Brustbereich eine blutige Wunde auftut, die nicht von einem Schuss herrührt. Da die Gegebenheiten rund um den Tatort nebst wenigen Zeugen überschaubar bleiben, konzentriert sich die Erzählung überwiegend auf die Wahrnehmung Arthurs und weniger auf dezidierte Spurensuche, wodurch etwaige Erkenntnisse manchmal ein wenig konstruiert daherkommen.
Zudem hantiert die Kamera zuweilen etwas zu nervös, was zwar die Psyche der Hauptfigur wiedergibt, jedoch im Zusammenhang mit zu deutlich akzentuierter Akustik zu dick aufgetragen wird. Demgegenüber performt Eckhart recht souverän den leicht heruntergekommen Ermittler, wobei der eigentlich leicht hinkende Mann bei kurzen Fluchtmomenten scheinbar weniger gehandicapt ist. Tommy Lee Jones ist wie immer verlässlich und auch die Nebendarsteller um Graham erledigen solide Jobs.
Innerhalb zahlreicher Thriller rund um kleine und größere Verschwörungstheorien sticht „Wander“ nicht übermäßig heraus, doch das Verwirrspiel um die merkwürdigen Vorkommnisse in einem verschlafenen Wüstenkaff bereiten bis zuletzt Laune, zumal das letzte Wort auch wirklich ganz zuletzt gesprochen wird.
6 von 10