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Forte dei Marmi ist ein kleiner Ort an der ligurischen Küste, herrlich gelegen mit seinem gepflegten Sandstrand, der vor allem bei den Touristen recht beliebt ist. Doch auch einige wohlhabende Italiener haben hier ihr Domizil, und für deren Sicherheit ist der IT-Experte Roberto Santini (Marco D'Amore) zuständig. Der vollbärtige Roberto, Anfang Vierzig, hat im Lauf der Jahre ein ausgeklügeltes Netz von Kameras installiert, die er zusammen mit einer Mitarbeiterin rund um die Uhr überwacht. Seien es öffentliche Straßen und Plätze, die Eingangsbereiche der Villen, ja teilweise sogar deren Innenräume: Stets kann Roberto von seiner Zentrale aus (nach-)verfolgen, was sich gerade wo abspielt.
Eines Nachts klopft ein verwundetes Mädchen an eine verschlossene Türe, deren Bewohner natürlich nicht öffnen, aber Roberto sieht das Video: Es handelt sich um Maria Spezi (Beatrice Grannò), die Tochter des örtlichen Elektrikers Walter. Da sich in dem kleinen Ort fast alle kennen, erinnert sich Roberto auch schnell daran, daß er diesen Walter Spezi vor vielen Jahren einst rausgeschmissen hatte, nachdem dieser sich vor seiner damals 5-jährigen Tochter Angela Santini entblößt hatte. Nun also ist dessen Tochter verletzt im Krankenhaus, will aber zu der Tat keine weiteren Angaben machen. Die Polizei, stets dankbar für Robertos Videoaufzeichnungen, verdächtigt deren alkoholkranken Vater Walter. Doch Roberto, dank seiner vielen Kameras immer perfekt im Bilde, erlaubt sich eine eigene Sichtweise...

Peter Chelsoms mit der Metapher Sicherheit betitelter Streifen ist ein merkwürdiger Zwitter zwischen Charakterstudie und Krimi, mit einer kleinen Prise Sozialdrama gewürzt und so recht in keine Schublade passend: Das verletzte Mädchen wurde zwar übel zusammengeschlagen, trägt aber keine bleibenden Schäden davon, die Polizei ermittelt gemächlich und der Einzige, der Spuren zusammenträgt, ist Privatier Roberto, der Herr der Überwachungskameras. So vergeht eine sehr lange Zeit, in der die einzelnen Proponenten des Films vorgestellt werden, was mitunter so normale und unspektakuläre Aspekte des Zusammenlebens zutage fördert, daß die aufkommende Langeweile schon Gedanken an ein vorzeitiges Abschalten verursacht.

Denn die kleine Gemeinschaft besteht, wie fast überall woanders auch, aus weitgehend normalen oder zumindest nicht ungewöhnlichen Leuten mit ihren kleinen Geheimnissen: ein Alkoholiker, der das Leben nicht mehr packt, ein schwerreicher Rentner, der konservative Politiker stützt und ein Aushilfslehrer mit schriftstellerischen Ambitionen, der mit einer seiner Schülerinnen bumst. Daß dies die 18-jährige Tochter von Roberto ist, findet dieser dann mittels seiner elektronischen Spione schnell heraus, doch hat der Hauptdarsteller selbst etwas zu verbergen, denn seine Frau Claudia (Maya Sansa), die als Lokal-Politikerin an ihrer Karriere bastelt, weiß nicht, daß Roberto weiterhin heimlich mit seiner Ex Elena in die Kiste steigt und dies auch dafür nutzt, herauszubekommen, was Elenas gerade volljähriger und stark gegen seine hilflose Mutter rebellierender Sohn Dario mit der Sache zu tun hat, taucht er doch oft genug auf den Überwachungskameras in jener Nacht auf...

Klingt das irgendwie spannend? Nö. Ist es auch nicht. Zwar gelingt dem bulligen Roberto, der stets mit einer Kappe herumlaufend berufsbedingt ein gewaltiges Schlafdefizit vor sich herschiebt und unter seiner harten Schale einen weichen, nach Gerechtigkeit suchenden Kern besitzt, am Ende zwar ganz genau zu rekonstruieren, was in jener Nacht tatsächlich geschah, doch ist das darauf folgende Ende genau so unspektakulär wie der ganze Film, bei dem es an Kameraführung wie auch an den Darstellern zwar nichts auszusetzen gibt, der aber auch absolut nichts beinhaltet, was man nicht schon woanders gesehen hätte und sich daher merken müßte.

Sicherheit - und das ist das Positivste, was man über den Streifen sagen kann - erinnert trotz des nicht vorhandenen Mordes an den einen oder anderen ARD-Tatort, dessen Drehbuchautoren (selten genug kommt es vor) sich eine weitläufige Charakterstudie erlauben, die am Ende wesentlich eindringlicher bzw. interessanter gerät als der obligatorische, aufzuklärende Mord. Mit viel gutem Willen sind das gerade noch 4 Punkte, wer einen Krimi oder gar Spannung sucht, sollte von diesem Film jedoch Abstand nehmen.

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