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Der Schlag eines Schmetterlingsflügels kann auf der anderen Seite der Welt einen Orkan auslösen

Die Chaos-Theorie fand bereits in Steven Spielbergs „Jurassic Park“ Beachtung, jedoch eher am Rande. Mit „The Butterfly Effect“ haben wir nun einen Film vorliegen, der sich gänzlich der Chaos-Theorie – speziell dem „Butterfly Effect“ – verschrieben hat. Getreu dem Motto

Kleine Ursache – Große Wirkung

erschaffen die beiden Filmemacher Eric Bress und J. Mackye Gruber mit dem eher kleinen Budget von gerade einmal 13 Millionen Dollar einen der großartigsten Filme der vergangenen Jahre.

Evan Treborn (Ashton Kutcher) litt in seiner Kindheit unter Blackouts, die meist im Zusammenhang mit schrecklichen Ereignissen standen. Auf Anraten eines Psychiaters beginnt der damals 7-jährige damit, Tagebuch zu führen. Doch nun, als Student, entdeckt er, dass er mit Hilfe seiner Tagebücher in die Vergangenheit reisen und die Ereignisse der damaligen Zeit beeinflussen kann. Doch jedes schreckliche Ereignis, das er zu verhindern weiss, hat ungeahnte Auswirkungen auf seine Gegenwart…

Schmeisst die Logik von Bord!

Denn nur so kann sich „The Butterfly Effect“ zu einem nachhaltigen Filmerlebnis entwickeln. Sicherlich hat der Streifen einige Logiklöcher zu verzeichnen und auch die Frage nach dem „Warum?“ (Warum hat Evan diese Gabe?) wird nur unzulänglich beantwortet. Aber im Vordergrund steht bei diesem Film einfach und allein die Faszination, die von der Grundidee ausgeht und natürlich das beachtliche Gesamterscheinungsbild dieses Thrillers. Also: nicht zu sehr über die Logik der einen oder anderen Sequenz sinnieren, sondern genießen!

Der Schmetterling beginnt zu flattern…

Nachdem im ersten Drittel des Filmes die Kindheit und Jugend Evans thematisiert wird, drehen Bress und Gruber die Spannungsschraube gehörig an und fesseln den Zuschauer mit Beginn der ersten „Zeitreise“ in einem Universum von offenen Fragen, tragischen Schicksalswendungen und verzweifelten Versuchen, das Geschehene rückgängig zu machen.

… und der Orkan beginnt zu wüten.

Der Film wird mit jeder weiteren Zeitreise temporeicher und spannender, verliert sich nie in unnötigen Längen und unterhält so von der ersten bis zur letzten Minute. Das Publikum ist in diesen Orkan eingesogen und kann sich nich so ohne weiteres aus ihm befreien.

Was wäre, wenn…

… sich Bress und Gruber für einen anderen Hauptdarsteller entschieden hätten? Der Film hätte sicherlich nichtsdestotrotz seine Wirkung erzielt, hätte vielleicht durch die Besetzung eines im ernsten Fach eher gestandeneren Schauspielers noch intensiver werden können. Aber vorzuwerfen haben sich die beiden mit der Wahl „Ashton Kutcher“ absolut gar nichts. Im Gegenteil, der junge Akteur, der zuvor eigentlich nur durch Comedy-Klamotten wie „Ey Mann, wo ist mein Auto?“ und seine MTV-Show „Punk’d“ von sich reden machte, überrascht auf der ganzen Linie: Er stellt hier eindrucksvoll unter Beweis, dass er auch ohne Weiteres aus dem komischen ins ernste Fach ausbrechen kann und hat sich so für eventuelle weitere Rollen jenseits des Klamauks empfohlen.

Zitronenfalter oder Motte?

Optisch erscheint „Butterfly Effect“ in Anbetracht des schmalen Budgets überaus ordentlich. Bress und J. Mackye Gruber verzichten darauf, kostenintensive Effekthascherei zu betreiben und konzentrieren sich bei der visuellen Darstellung ihrer Interpretation der Chaos-Theorie vollkommen auf das Wesentliche, was dem Film durchaus gut tut; denn so konzentriert sich auch der Zuschauer stärker auf das, was geschieht, wird nicht zu sehr durch aufgeplusterte Effekte abgelenkt. Die beiden Regisseure haben ihr Handwerk in diesem Fall hervorragend ausgeführt.

Die Ruhe nach dem Orkan…

… nutzt der Schmetterling, um auf ein Neues mit seinen Flügeln zu schlagen. Und ich nutze diese Ruhe, in der sich das Gesehene bei mir gesetzt hat, um mein finales Urteil zu fällen: „The Butterfly Effect“ ist herausragendes Thriller-Kino, zu dem zunächst das Reichen von Popcorn und später das Führen von Diskussionen über das Gesehene empfohlen wird. Mainstream-Kino mal abseits der Mainstream-Pfade, erfrischend jung, erfrischend nachdenklich. 9 von 10 Punkten!

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