Ashton Kutscher spielt einen Studenten, der beim Lesen seiner Tagebücher die Chance bekommt seine Kindheit, in der er mehrere Blackouts hatte und überaus verhaltensauffällig war zu verändern. Doch als er eingreift, verändert sich die gesamte Gegenwart. Für seine Freunde und seine Mutter wird hat sein Eingreifen verheerende Folgen, sodass er erneut in das Raum-Zeit-Gefüge eingreift. Mit jeder Änderung der Vergangenheit, wird die Gegenwart zunehmend schlechter und Kutscher wird vor eine überaus schwierige Entscheidung gestellt.
Wie setzt man die Chaostheorie und den Schmetterlingseffekt einigermaßen sinnstiftend und verständlich in einen Film um? Ich bin immer noch der Auffassung, dass es nicht möglich ist, auch wenn einige Dramen wie "21 Gramm" oder "Babel" die Auswirkungen eines kleineren Ereignisses gut darstellen und auch andere Zeitreise-Thriller wie "12 monkeys" ambitionierte Versuche gestartet haben. Der "Butterfly Effect" kommt dem, was er darstellen will jedoch näher, als viele Filme zuvor, auch wenn er sich bei der Darstellung des Schmetterlingseffekts lediglich auf die Hauptfigur und deren Bekanntenkreis konzentriert, statt größere, am besten die globalen Folgen des Eingreifens in das Raum-Zeit-Gefüge darzustellen. Damit verdeutlicht der "Butterfly Effect" lediglich einen simplen Domino-Effekt und kommt dem eigentlichen Thema nicht sonderlich nahe. Des Weiteren stören ein paar kleinere logische Lücken, die das Vehikel zur Darstellung des Schmetterlingseffekts endgültig scheitern lassen, auch wenn es ein relativ beachtlicher und von der Grundidee her, ein guter Versuch war. Aber, obwohl der Film auf der philosophischen Ebene versagt, funktioniert er als Thriller sehr gut. Die Charakterkonstruktion ist zwar relativ dürftig, aber bei dieser Vielzahl von Wendungen, neuen Ausgangssituationen und Zeitreisen ist dies eigentlich nebensächlich. Die Handlung ist nämlich klasse. Der Film entzieht sich jeder Stereotype, zumal es nicht sonderlich viele gelungene Zeitreise-Thriller gibt. Die Wendungen können zum Großteil zünden und überraschen darüber hinaus. Neben Spannung kann auch Dramatik aufgebaut werden, da Kutscher sich bei seinem Eingriff in die Zeit mehr und mehr zwischen dem Wohl seiner Freunde und seiner Mutter und seinen eigenen Interessen entscheiden muss. Alles in allem ist die Story innovativ und einzigartig und der Film damit auf jeden Fall empfehlenswert.
Diese ereignis- und wendungsreiche Story wird von Eric Bress und J. Mackye Gruber sehr gut umgesetzt. Das Erzähltempo halten die beiden Regisseure, die außer dem "Butterfly Effect" bisher keine weiteren Filme inszenierten, hoch und können somit kontinuierlich Spannung aufbauen. Zum Ende hin wird das Tempo der Zeitreisen zunehmend erhöht, womit der Film zunehmend schneller und damit spannender wird. Der Versuch das Ende emotional zu gestalten gelingt zumindest teilweise, wobei die letzte Szene, in der Kutscher seiner Freundin einen letzten Blick zuwirft überaus vielsagend und geschickt gemacht ist. Die Atmosphäre ist zumindest anfangs, als Kutschers von Blackouts und Gewalt geprägt Kindheit schnell und mysteriös abgespult wird, überaus düster und gespannt, wird in der zweiten Hälfte des Films jedoch zunehmend blasser, da das Tempo keine atmosphärische Umsetzung mehr zulässt. Die Musik ist nicht sonderlich gut inszeniert, da sie weder die Spannung, noch das Mysteriöse am Film geschickt zur Geltung bringen kann. Alles in allem ist der "Butterfly Effect" somit ein spannender und mysteriöser Sci-fi-Thriller, dem ich wirklich gern 10 Punkte gegeben hätte...
Doch dafür sind die Darsteller einfach zu schlecht. Ashton Kutscher, der sich nach dutzenden schlechten und niveaulosen Teenie-Filmen wie "Ey Mann, wo is mein Auto" und "Voll verheiratet" wohl mal höheren Aufgaben widmen wollte, spielt höchstens mittelmäßig. Der Sunnyboy und Frauenschwarm passt einfach nicht in diesen düsteren Film und wirkt in der Rolle des zeitreisenden Studenten einfach nur blass und überfordert. In "The Guardian" bewies er mit seiner höchstens durchschnittlichen Leistung erneut, dass er besser bei seinen Teenie-Filmen bleiben und sein mäßiges Talent nicht immer in ambitionierteren Filmen zur Schau stellen sollte. Amy Smart hätte durchaus die Chance gehabt, um in ihrer Rolle glänzen zu können, zumal sie nach jeder von Kutschers Zeitreisen in einer komplett neuen Rolle fungieren muss, sie hätte also in verschiedenen Rollen, unter Anderem als verwöhnte Studenten, oder als Prostituierte glänzen können, aber auch sie versinkt im Mittelmaß, zumal sie nicht einmal einen Ansatz von Charisma hat. Der einzige Darsteller, der sich gewohnt stark präsentiert und den Cast damit nicht zum Totalausfall werden lässt ist Eric Stolz in der Rolle eines sadistischen Vaters. Nach beinahe 30 Jahren im Geschäft lässt er all seine Routine spielen und liefert das perfekte Feindbild und zeigt nach "Pulp Fiction" und "Rob Roy" erneut, dass er ein überaus begabter Darsteller ist, auch wenn er den großen Durchbruch wohl nicht mehr schaffen wird.
Fazit:
Auch wenn die Chaos-Theorie und der Schmetterlingseffekt nur angeschnitten werden und der "Butterfly Effect" somit auf der philosophischen Ebene versagt, ist er mit seiner wendungsreichen, unvorhersehbaren und innovativen Handlung dennoch ein überaus gelungener Zeitreise-Thriller. Aufgrund der schlechten Darsteller, insbesonders aufgrund des schwachen Kutschers, gebe ich dem Film die 10 Punkte nicht, obwohl ich ein großer Fan solcher Sci-fi-, Mystery- und Psycho-Thriller bin. Diesen Film sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.
92%