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"Du kannst Menschen nicht verändern ohne zu zerstören, was sie waren."

In seiner Kindheit leidet Evan Treborn (Logan Lerman / John Patrick Amedori) an plötzlich auftretenden Blackouts. Die Ärzte vermuten dahinter ein traumatisches Erlebnis durch seinen in einer psychiatrischen Anstalt lebenden Vater und raten zum Führen eines Tagebuchs. Auch seine Freunde Kayleigh und Tommy Miller (Cameron Bright) sowie Lenny Kagan haben es nicht leicht. Kayleigh wird von ihrem Vater missbraucht, Tommy gerät mit seiner Aggressivität auf die schiefe Bahn und Lenny, ebenfalls traumatisiert, zieht sich von der Gesellschaft zurück.
Jahre später versucht Evan (Ashton Kutcher) den eingeschlafenen Kontakt zu seiner Jugendliebe Kayleigh (Amy Smart) und Lenny zu erneuern. Beide führen ein unglückliches Dasein und wollen mit Evan nichts zu tun haben, da sie ihn als Auslöser für ihr missratenes Leben machen. Evan kann dies durch seine Blackouts nur bedingt nachvollziehen und nimmt seine einst geführten Tagebücher zu rate. Dadurch reist er in die Vergangenheit und hat plötzlich Einfluss auf die Momente, in denen er weggetreten war. Er verändert nur Kleinigkeiten, die Konsequenzen in der Gegenwart sind allerdings erheblich.

Kleine Ursache, große Auswirkung. Dies besagt die Theorie um den Schmetterlingseffekt. So soll eine empfindliche Abhängigkeit einer Anfangsbedingungen mächtige Folgen haben. Wie beispielsweise der Flügelschlag eines Schmetterlings, der hunderte Kilometer weiter einen Wirbelsturm auslösen könnte.
Basierend auf dieser Theorie verursacht der Protagonist in "Butterfly Effect" kleinste Änderungen im empfindlichen Zeitgefüge und erschafft dadurch eine komplett andere Situation in der Gegenwart. Der Versuch die früheren Probleme und Unsittlichkeiten zu korrigieren, enden jedoch stets in einer Katastrophe.

Der Mystery-Thriller beginnt sehr ruhig mit der Kindheit des Hauptcharakters, in der erst einmal ausführlich auf seine Jugend und die Blackouts eingegangen wird. Dies legt sämtliche Voraussetzungen, sprich die merkwürdigen Umstände, die wichtigsten Charaktere und das gesellschaftliche Umfeld, fest. Auch wird zunächst eine Variation des unveränderten Lebens erzählt, bis der Hauptcharakter seine ungewöhnlichen Fähigkeiten entdeckt.
Bis dahin setzt die Inszenierung auf eine gruselige Stimmung, die auch mit Schreckeffekten nicht geizt. Die erste Veränderung durch die Manipulation eines tragenden Ereignisses führt dann tatsächlich erstmal zu einigen Längen, denn die Auswirkungen scheinen einzig positiv. Dies ändert sich allerdings. Und von da ab gibt es keine erzählerische Pause mehr.

"Butterfly Effect" spielt einfallsreich mit seiner Ausgangssituation. Selbst Belanglosigkeiten werden zu einem wichtigen Element. So bleibt die Spannungskurve überwiegend hoch. Auch die dramatischen Elemente, wie die zerrütteten, teils erschreckenden Familienverhältnisse und ein Gefängnisaufenthalt, funktionieren erstaunlich gut. In diesem Bereich ist der Film unerwartet facettenreich.

Obwohl die Handlung durchaus nachvollziehbar ist, haben sich dennoch einige Logikfehler eingeschlichen. Bei einer so komplexen Konstellation an Abhängigkeiten und der dadurch hohen Spannung, ist dies aber zu verschmerzen.
Der optionale Director's Cut erweitert ein paar Handlungsstränge um die Familie des Protagonisten und macht aus dem massentauglichen Ende ein erheblich ernüchterndes.

Die Darsteller erweisen sich als zweckmäßig. Überraschend ist am ehesten Ashton Kutcher ("Jede Sekunde zählt - The Guardian", "Bobby"), dem man die variantenreiche Schauspielkunst so nicht zugetraut hätte. Auch die Kinder-Darsteller, insbesonders Cameron Bright ("Ultraviolet", "Running Scared") sind gut besetzt.
Amy Smart ("Starship Troopers", "Crank"-Reihe) sowie Elden Henson ("Eine wie keine") schaffen es leider nicht immer emotional aufzuwühlen. Besonders nicht in den wenigen kitschigen Szenen.

"Butterfly Effect" ist ein überaus packender Mystery-Thriller zur Zeitreisethematik. Die Geschichte erweist sich als überaus originell und unterhält Dank einer beklemmenden Atmosphäre und hohen Spannung. Zumindest bis auf ein paar Aussetzer im Mittelteil des Films. Selbst die Logiklöcher und die nur zweckmäßigen Darsteller rütteln nicht an dem gerechtfertigten Ansehen des Films.

9 / 10

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