Review

Bei einer Kritik zu „the Butterfly Effect“ ist es wichtig, welche Fassung man als Grundlage betrachtet – die Kinofassung lässt sich leichter in den Mainstream einordnen, denn sie ist weniger düster und endet Hollywood-gerecht mit einem Happyend, während der „Director´s Cut“ (welchen ich hauptsächlich als Basis der Bewertung (einige Spoiler enthalten!) gewählt habe) wesentlich ungemütlicher daherkommt:

Der Titel bezieht sich natürlich auf die Chaostheorie (dass ein Schmetterling mit einem Flügelschlag unter bestimmten Umständen auf der anderen Erdseite einen Sturm auslösen kann), hier im Kontext von Veränderungen in der Vergangenheit und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart.
Der Film ist kein typisches Hollywood-Mainstream-Kino, denn es werden dafür untypische Themen wie Pädophilie, Kinderpornos, Vergewaltigung, wie auch Gewalt gegen Tiere und unter Kindern angegangen. Das Resultat ist ein sehr ungemütlicher Film – bis hin zum extrem depressiven Ende (auf das die Kinofassung verzichtet).
Nur auf den ersten Blick sind leichte Parallelen zu „Donnie Darko“ vorhanden, doch ein Vergleich verbietet sich schon allein durch die unterschiedlichen Betrachtungs- und Herangehensweisen der Macher.

Der Film beginnt mit einem Rückblick: Vor 13 Jahren lebt der 8-jährige Evan bei seiner Mutter und hat mit Blackouts zu kämpfen, von denen er zeitweise heimgesucht wird – als Therapie empfiehlt ihm ein Arzt das Führen von Journalen, in denen Evan fortan alles notiert. In diesem Alter werden er und seine Freundin Kayleigh von dessen Vater (Eric Stoltz) das erste Mal missbraucht und dabei gefilmt – zwar verdrängt er das Erlebte, doch es beginnt das Leben aller Beteiligten zu verändern…
6 Jahre später: Unter der Führung von Kayleighs aggressiven Bruder Tommy will die Clique (zu denen auch der Übergewichtige Lenny gehört) mit einem Sprengkörper einen Briefkasten zerstören, doch just zu der Zeit öffnet diesen der Besitzer, worauf eine junge Frau und ihr Baby von der Wucht der Explosion getötet werden… Lenny erleidet einen psychischen Zusammenbruch und kommt nie darüber hinweg. Als Evan dann auch noch Kayleigh küsst, rastet Tommy vollkommen aus, schlägt beide nieder und verbrennt Evans Hund…

7 Jahre später: Nach jenem Vorfall hatte Evan die Stadt verlassen und litt nie wieder Blackouts – nun ist er an der Uni (wird von Ashton Kutcher verkörpert) und ist glücklich, doch als er einer Freundin aus seinen Journalen vorliest, findet er sich plötzlich real in jener Zeit wieder. Auf diese Art und Weise kann er jene Situationen erleben, die er damals verdrängte – und er stellt fest, dass er die Geschehnisse sogar verändern kann…
Um sich der Vergangenheit zu stellen, sucht er Kayleigh (Amy Smart) auf und konfrontiert sie mit dem Missbrauch ihres Vaters, den er nun durch die „Rückreise“ zum ersten Mal bewusst erfahren hat – doch Kayleigh hatte es nie überwunden, worauf sie sich nach dem Gespräch das Leben nimmt…
Nun nutzt Even seine Gabe, um eine richtige Veränderung herbeizuführen: Er geht „zurück“ und wendet den Missbrauch ab – als er erwacht, sind er und Kayleigh ein Paar, und sein Leben hat sich komplett anders entwickelt. Ihr Vater hatte sie zwar nicht missbraucht, dafür aber Tommy umso härter aufgezogen – frisch aus der Therapie entlassen sucht dieser nun die beiden auf und bedroht sie, worauf ihn Evan im Effekt erschlägt und ins Gefängnis muss…
Nach einer Vergewaltigung und Messerstecherei im Knast will er alles ändern, doch dieses Mal macht er es noch schlimmer – zwar ist er frei, dafür befindet sich Lenny in der Psychiatrie und Kayleigh ist entstellt, auf Drogen und zur Prostitution gezwungen…

Es stellt sich heraus, dass Evans Vater auch diese Gabe besaß und damit nicht umgehen konnte, und als Evan nach einem erneuten Versuch schwer verstümmelt (ohne Arme) erwacht, wird ihm bewusst, dass es mit ihm enden muss – er beschließt, bis in den Mutterleib zurück zu gehen und dort Selbstmord zu begehen…

Gerade der Director´s Cut ist schwere Kost. Es gibt so gut wie keine glücklichen Momente, bis auf die kurze Zeit zwischen Evan und Kayleigh. Die Grundstimmung ist düster und depressiv. Das Leid der Charaktere wird glaubhaft dargestellt – vor allem die Kinderdarsteller im ersten Teil des Films (der mich stark an „Stand by me“ von der Stimmung her erinnerte) sind hervorragend auf ihre späteren Rollen gecastet worden. Die initiatorischen Darstellungen (z.B. die Gewalt) werden ziemlich direkt präsentiert – wie auch die unbequemen thematischen Elemente.

Man sollte neutral an diesen Film herangehen – vor allem in Bezug auf Hauptdarsteller Ashton Kutcher, den man hauptsächlich aus „Punk´d“ oder „Hey Dude, where´s my car?“ als Komödianten kennt, hier aber eine richtige Charakterrolle zu meistern hat. Das gelingt ihm jedoch überraschend gut, denn er spielt äußerst zurückhaltend und schafft es, die Veränderungen seines Charakters glaubhaft aufzuzeigen.
Alle Darsteller sind absolut treffend ausgewählt worden – als einer der wenigen Glücksmomente bleibt einem vor allem das Lächeln der großartigen Amy Smart („Road Trip“ / „Blind Horizon“) in Erinnerung.

Die Zeitreise-Thematik ist nicht neu, doch die beiden Regisseure Eric Bress und J.Mackye Gruber (von denen man hoffentlich noch viel hören wird) präsentieren sie auf eine Art und Weise, die den Vorgang für den Zuschauer neuartig erscheinen lässt.

Wer die „Schwere“ der Thematik etwas abmildern möchte, der sollte sich eher die Kinofassung ansehen (mit einem Happy End und ohne viele der „düsteren“ Szenen). Freunde „etwas anderer Filme“ sollten jedoch auf den Director´s Cut zurückgreifen – allein schon wegen des ungewöhnlichen Endes.
Man kann über den Film (trotz einiger Logikschwächen) auch noch länger nachdenken, denn es stellt sich beispielsweise heraus, dass Evans Mutter insgesamt drei Fehlgeburten hatte – was vielleicht auf weitere Kinder mit dieser Fähigkeit und demselben Auswegsgedanken schließen lässt…?

Fazit: „the Butterfly Effect“ ist ein ungewöhnlicher Film, der die Auswirkungen von Veränderungen auf alle folgenden Ereignisse (wie auch auf die Psychen der Beteiligten) beleuchtet – düster, unbequem, interessant, intelligent und gut gespielt … 8 von 10.

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