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Das Riesending ist eine Höhle unter dem Unterberg, die tiefste Höhle Deutschlands. Sie reicht über 1000 m hinab und ist mehr als 20.000 m lang.

Die fünf Forscher, deren Abstieg wir auf der Suche nach einem Ende der Höhle oder einem Ausgang begleiten, erforschen die Höhle bereits seit 20 Jahren. Sie haben an diversen strategischen Punkten Biwaks mit Vorräten und Equipment eingerichtet. Und das alles neben ihren normalen Alltagsberufen.

Unterwegs vermessen sie einige Stellen der Höhle, sammeln Proben für Laboruntersuchungen und dringen in bisher unbekannte Gänge und Schächte vor.


Rein optisch ist das extrem faszinierend. Die Welt unter Tage, weit entfernt von jeglichem Tageslicht, ist erstaunlich abwechslungsreich. Es geht durch 180 m tiefe Schächte, rittlings rutschend über einen schmalen Grat, vorbei an Wasserfällen und Bächen, per Schlauchboot über einen See und durch Gänge und Höhlen von bemerkenswerter Schönheit. Aber es geht auch kriechend durch Spalten, die ich augenblicklich als Sackgassen bezeichnet hätte, durch Schlamm und Matsch und vorbei an messerscharfen Zacken.

Mit einem großen Augenzwinkern muss man sagen, dass die Höhle oft viel zu gut für die Aufnahmen ausgeleuchtet wurde. So sieht man alles in der ganzen Faszination, aber das Unheimliche, das einer solchen Höhlenexpedition vor allem durch die Dunkelheit anhaftet, geht verloren. Ab und an schimmert diese beängstigende Atmosphäre durch, wenn ein oder zwei Forscher vorgehen und nur ihre mitgeführte Beleuchtung die Schwärze zurückdrängt. Es ist schon ein wenig beklemmend, wie sie mit jedem Schritt kleiner werden und die für uns Menschen naturgemäß furchteinflößende Dunkelheit an Macht gewinnt. Speziell diese Momente oder der rutschende Ritt über den schmalen Reitergrat, an dem es zu beiden Seiten 30-50 m in die Tiefe geht, werden mit einem Score unterlegt, der die unheimliche Stimmung perfekt untermalt. Zudem hat er mich jedes Mal in diesen Suspense-Szenen an die Musik von Carpenter erinnert. Sehr passend, sehr gelungen.

Sehr angenehm ist, dass diese Szenen nicht durch einen unnötig schwatzhaften Kommentar unterbrochen und so die Stimmung kaputt gemacht wird. Das Regie- und Autorenduo Petra Höfer und Freddie Röckenhaus lässt vielmehr die Bilder wirken und liegt damit goldrichtig. Natürlich leidet darunter zwangsläufig ein bisschen die Informationsdichte. Futter für Wissensdurstige gibt es natürlich dennoch, wenn auch nicht übermäßig viel. Quasi keinerlei Informationen gibt es zu den fünf Forschern, abgesehen von ihren Namen, Alter und Berufen. Wirklich schaden tut das nicht, denn die Hauptattraktion ist die Höhle mit ihren vielen Facetten. Etwas mehr Information zu den vergangenen 20 Forschungsjahren wären allerdings dennoch schön gewesen. Das hätte sicher auch narrativ für etwas mehr Spannung gesorgt.


Eine gelungene, entspannte Dokumentation, die die Betrachtung dieses uralten, gewaltigen Gebildes unter dem Unterberg mit dem nötigen Respekt und in passend bedächtigem Tempo angeht. Sehr sehenswert, denn wie soll man diese Welt unter der unseren wohl sonst zu sehen bekommen?




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