Bildungsurlaub in Griechenland - mit diesem Vorsatz ist das US-amerikanische Pärchen April (Alicia Vikander) und Beckett (John David Washington) ins Land der Hellenen gereist und tummelt sich schon bald mit anderen Touristen an geschichtsträchtigen Orten. Dann jedoch muss das verliebte Paar kurzfristig seine Reiseplanung ändern und einen weiter entfernten Ort aufsuchen, als das Unglück geschieht: Beckett schläft am Steuer ein, der Wagen kommt in einer Kurve von der Straße ab, überschlägt sich und landet auf dem Dach in einem offenbar unbewohntem Haus. Der Afroamerikaner Beckett kann noch schemenhaft eine Frau mit Kind erkennen und daß seine Freundin April durch die Windschutzscheibe geflogen ist, dann verliert er die Besinnung. Als er wieder zu sich kommt, liegt er in einem kleinen Spital irgendwo auf dem Land und hat tausend Fragen, die ihm aber weder der Arzt noch der vernehmende Polizist erklären können. Der nur leicht verletzte Unglücksfahrer macht sich bald auf den Weg zur nicht weit entfernten Unglücksstelle, wo er nur noch das Loch in der durchbrochenen Hauswand vorfindet, während sein Auto schon entfernt wurde. Als er sich zu der getrockneten Blutlache, in der seine Freundin starb, herunterbückt, taucht plötzlich eine Frau auf und eröffnet sofort das Feuer auf ihn. Beckett kann gerade noch davonlaufen und im Gebüsch untertauchen, als ein Mann erscheint: es ist der Polizist, mit dem er vor Kurzem auf der Wache gesprochen hatte. Alles sei nur ein Mißverständnis, meint dieser beruhigend, doch als sich der Amerikaner aus seiner Deckung wagt, schießen alle beide auf ihn...
Unerwartet spannend fällt Regisseur Ferdinando Cito Filomarinos Langfilmdebut aus, denn sein titelgebender Held Beckett kann sich ebensowenig wie das Publikum erklären, in was er da hineingeraten ist - Hals über Kopf muß er fliehen in einem Land, dessen Sprache er nicht beherrscht und allein diese Ausgangslage erzeugt schon ein gewisses Mitfiebern mit dem verletzten Touristen. Der kann sich vorerst in einen abgestellten LKW retten, wo er die Nacht verbringt, doch als ihn am nächsten Morgen ein paar Jäger aufspüren und ihn einer von ihnen, mit Händen und Füßen gestikulierend, zuhause verarzten will, nähern sich schon wieder die beiden Schießwütigen und erneut muß Beckett davonlaufen. Irgendwann gelingt es ihm, mittels eines geliehenen Handys die amerikanische Botschaft zu erreichen, doch die hat ihren Sitz im weit entfernten Athen und die Geschichte, die der gehetzte Tourist den Diplomaten erzählt, klingt für diese auch irgendwie komisch. Schlechte Voraussetzungen also, doch Beckett gibt nicht auf: Irgendwie muß er nach Athen kommen...
Es ist dem Tempo dieses Road Movies zu verdanken, daß die atemlose Flucht den Zuschauer über so manches Logikloch hinwegspringen läßt, das einem erst im Nachhinein auffallen mag: So spielt der Tod seiner Lebensgefährtin für den Hauptdarsteller überhaupt keine Rolle mehr, während er trotz Arm-/Schultervetzung einen Abhang herunterspringt und sich dabei wie ein Stuntman an einem Baum festkrallt; als er bei einer Verkehrskontrolle gerade noch rechtzeitig aus dem Wagen springt, scheint sein Verhalten und seine blutige Kleidung seltsamerweise niemandem aufzufallen, und als er sich (mehrfach) verteidigen muß, denkt er nie daran, seine(n) Kontrahenten zu überwältigen und auszufragen, stets rennt er nur davon. Die blödeste Szene gibt es dann ganz zum Schluß, als Beckett vom Oberdeck eines Parkhauses mehrere Stockwerke in die Tiefe springt, um zielgenau und natürlich unverletzt auf einem Wagendach zu landen. Autsch!
Zu diesem Zeitpunkt ist dann auch klar, worum es die ganze Zeit über ging, doch die Auflösung kann nicht wirklich befriedigen, streift sie zwar bedeutungsschwanger an der aktuellen griechischen Politik an, hinterläßt dann aber nichts als ein paar vage Andeutungen. Nicht daß man sich um den erstaunlich konditionsstarken US-Touristen jemals Sorgen machen müßte (dafür garantiert schon sein Name als Filmtitel) hinterläßt Beckett jedoch aufgrund des wenig überzeugenden Finales einen etwas schalen Nachgeschmack - immerhin weiß der Thriller jedoch über weite Strecken inklusive sehenswerter griechischer Berglandschaften ganz leidlich zu unterhalten. 5,6 Punkte.