Schon zu sagen, welchem Genre „Swimming Pool“ zuzuordnen ist, fällt schwer. Was bei vielen Filmen ein Todesurteil sein kann, erzeugt bei „Swimming Pool“ eine große Faszination. Scheinbar belanglos beginnt der Film mit der nüchternen britischen Romanautorin Samantha Morton (Charlotte Rampling), die ihrem Romanhelden überdrüssig ist. Sie ist bekannt für ihre Kriminalromane, fühlt sich aber zu Höherem, oder zumindest Anderem berufen. Daher nimmt sie in der Villa ihres Verlegers in Frankreich eine Auszeit, um in Ruhe an ihrem neuen Buch arbeiten zu können. Dort lernt sie Julie (Ludivine Sagnier), die Tochter des Verlegers kennen, mit der sie sich das Haus teilen muß. Julie lebt ihr Leben mit vollen Zügen und ist das genaue Gegenteil der prüden Samantha. Diese gegenseitige Annäherung, die Neugier, aber auch die anfängliche Abscheu schildert „Swimming Pool“ auf eine faszinierende Art und Weise. Dies einem bestimmten Genre zuzuordnen fällt schwer. Erst gegen Ende des Filmes überwiegen leichte Thriller- und Krimielemente, die für den Film aber nicht charakteristisch sind.
Obwohl der Film an luftigen und sonnigen Locations gedreht wurde, hat er etwas von einem Kammerspiel. Der Focus liegt ganz eindeutig auf den beiden Hauptdarstellerinnen Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier, die beide absolut überzeugen. Ansonsten würde der ganze Film nicht so gut funktionieren, denn er lebt von der Chemie zwischen den Beiden. Gerade Charlotte Rampling spielt ihre Rolle gänzlich uneitel. Sie wirkt gerade am Anfang des Filmes sehr häßlich. Dies erreicht sie neben dem entsprechenden Outfit auch durch ihre starre Mimik und zusammengekniffene Augen. Schön ist zu sehen, wie ihre Figur im Laufe des Filmes auftaut, immer lockerer und auch attraktiver wird. Dies gipfelt in einer Nacktszene, in der La Rampling ihre Brüste entblößt. Dies tut Ludivigne Sagnier in „Swimming Pool“ sehr oft. Dass trotz ihrer unübersehbaren körperlichen Qualitäten auch ihr Schauspiel überzeugen kann, zeigt die Klasse dieser Darstellerin. Auch in den Szenen, in denen sie lang und ganz nackt zu sehen ist, wirkt sie gänzlich unbefangen. In einer amerikanischen Produktion wäre solch ein Umgang mit den Themen Nacktheit und Sexualität kaum denkbar. Auch die weiteren (männlichen) Darsteller können ebenso überzeugen, auch wenn sie nur Randfiguren sind.
Regisseur Francois Ozon wird als neuer Star am Regie-Himmel Frankreichs gefeiert. Diesen Ruf hat er neben „8 Frauen“ vor allem „Swimming Pool“ zu verdanken. Er schafft es hier eine einzigartige Atmosphäre zu erzeugen. Ständig bewegt sich die Kamera. Der Zuschauer wird oft in eine Beobachterrolle gedrängt. Und genau das tut der Zuschauer auch. Er beobachtet, wie die beiden Frauen funktionieren, wie sich die Chemie zwischen ihnen entwickelt. Unterstützt wird dies durch ruhige und elegische Bilder, die nicht hektisch montiert sind, sondern zur Atmosphäre der Location passen. Was man zu Kamera und Schnitt sagen kann, trifft auch auf die Musik zu. Der Score von Philippe Rombi ist ebenfalls unaufdringlich, erschafft aber wunderbare Momente im Zusammenspiel mit den Bildern. Wenn der Film gegen Ende einen leichten Dreh in Richtung Krimi und Thriller macht. Ändert sich auch die Musik merklich. Im gesamten Mikrokosmos des Films stehen Eindrücke und die vermittelte Atmosphäre im Vordergrund. Dass trotzdem die Story nicht zu kurz kommt, ist das Ergebnis des intelligenten und differenzierten Scripts, das Francois Ozon zusammen mit Emanuèlle Bernheim zusammen geschrieben hat.
„Swimming Pool“ ist ganz großes europäisches Kino, das bewegt. Und zwar meist ohne große Gesten. Der Zuschauer ist wie gebannt von dem Schicksal zweier Frauen, deren Lebensläufe sich in einem Haus in Frankreich für eine kurze Zeit verbinden. Dass „Swimming Pool“ so gut funktioniert liegt vor allem an den großartigen schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen und der subtilen Regie des Monsieur Ozon.
Fazit:
8,5 / 10