Anfang der 30er Jahre versetzte James Whale mit seinem "Frankenstein" die Leute in Angst und Schrecken. Allerdings handelt sich dabei keineswegs um die erste "Frankenstein"-Verfilmung die es gibt. Bereits 21 Jahre zuvor kramte J. Searle Dawley die berühmte Geschichte vom durchgeknalltem Dr. Frankenstein und seinem Monster raus und verfilmte sie. Das Ganze ist natürlich komplett stumm und nur mit Musik untermalt.
"Frankenstein" erzählt Mary Shelleys Horrorgeschichte im Schnelldurchlauf in nur knapp einer Viertelstunde. Auf Details usw müssen wir somit verzichten. Regisseur J. Searle Dawley beschränkte sich auf das Wichtigste. "Frankenstein" besteht aus nur einigen, wenigen Szenen. Das ist aber keineswegs negativ, ganz im Gegenteil, denn wäre der Film länger wäre er höchstwahrscheinlich mit ähnlich vielen Längen gespickt wie Friedrich Wilhelm Murnaus hochgelobter Stummfilm "Nosferatu" aus dem Jahre 1922.
Die wenigen Szenen sind natürlich nicht gerade als aufwändig zu bezeichnen, sondern spielen allesamt nur in einem Raum. Das Zimmer wechselt von Szene zu Szene. Bei der Einrichtung hat man sich viel Mühe gegeben und viel Liebe zum Detail bewiesen. Mit den Kostümen ist es das Gleiche, allerdings sieht Frankensteins Monster hier noch nicht im Entferntesten so aus wie wir ihn heute kennen.
Diese "Frankenstein"-Verfilmung ist nur eine von vielen, ist aber die allererste und kam sogar noch vor der von James Whale. Inzwischen hat der Film schon fast 100 Jahre auf dem Buckel (!) und das sieht man natürlich auch. Der Film ist schon reichlich angestaubt und das Bild ist an einigen Stellen beschädigt, wenn auch nur leicht. Die Qualität ist, wenn man das Alter des Films bedenkt und sich vor Augen führt das "Frankenstein" sowohl den ersten als auch den zweiten Weltkrieg überdauert hat, mehr als in Ordnung.
Allerdings ändert das Ganze nichts an der Tatsache das dieses kurze Horrorfilmchen von J. Searle Dawley heutzutage nicht mehr großartig unterhält und nur noch aus nostalgischen Gründen interessant ist. Es ist schon interessant wenn man sich ansieht womit das Phänomen Film begonnen hat. Interessant ist hier auch der sehr kurze Abspann. Früher kam man noch mit wenigen Sekunden aus und es wurden nicht Seiten über Seiten mit irgendwelchen Namen gefüllt, so wie heute. An dieser Verfilmung wirkten natürlich nicht mal annährend so viele Leute mit wie beispielsweise an einem Blockbuster. Die Darsteller kann man beispielsweise an einer Hand abzählen.
Wirklich viel wird ihnen natürlich nicht abverlangt. Sie müssen nicht reden und mit Mimik müssen sie auch nur bedingt arbeiten. Das war in den anderen Filmen aus der Zeit aber auch nicht anders. Damals spielte die Gestik noch eine sehr wichtige Rolle. Heute ist das anders.
"Frankenstein" zählt ohne Frage zu den bedeutensten Horrorfilmen aller Zeiten, denn es war einer der allerersten Horrorfilme die je das Licht der Welt erblickten. Eigentlich sollte jeder echte Horrorfan den Film gesehen haben. Die Realität sieht natürlich ganz anders aus und das ist einbisschen schade, denn "Frankenstein" ist Filmgeschichte. Es handelt sich natürlich um sehr alte Filme, und das ist in diesem Fall noch untertrieben. 100 Jahre sind enorm und man sollte sich darauf einstellen das "Frankenstein" keinen sonderlichen Unterhaltungswert oder Spannungsbogen vorweisen kann. Wer allerdings einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit wagt wird es nicht bereuen.