Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (14)

JUNGLE RUN

(JUNGLE RUN)

Noah Luke, USA 2021

Kommen wir zu einer weiteren Produktion der kalifornischen Ramschbude „The Asylum“ – und damit auch zu einem weiteren mustergültigen Mockbuster. Vorbild war in diesem Fall Disneys 200-Millionen-Blockbuster Jungle Cruise (mit Emily Blunt und natürlich Dwayne Johnson), den ich persönlich allerdings noch nie konkret wahrgenommen habe. In einer Ära, in der Dwayne Johnson mindestens jedes zweite Filmplakat beherrscht, verliert man hinsichtlich seiner Arbeit allerdings auch zunehmend die Übersicht. Falls mir Bilder oder Trailer von Jungle Cruise über den Weg gelaufen sind, habe ich sie vermutlich Jake Kasdans Jumanji-Neuverfilmung zugeordnet. Auch nicht schlimm – und überhaupt: Hier geht es um Jungle Run von Noah Luke. Leider, möchte ich fast sagen.

In einem kurzen Prolog sehen wir den Archäologen Nicholas (Nachnamen werden uns nicht mitgeteilt), der im südamerikanischen Urwald bei Rodungsarbeiten, die er begleitet, einen wertvollen alten Kunstgegenstand findet – es handelt sich um eine kleine Statue, in die ein riesiger Smaragd eingearbeitet wurde. Der Chef der Baufirma macht Nicholas den Vorschlag, den Fund unter der Hand zu verhökern, aber der spielt bei so etwas natürlich nicht mit. Zu längeren Diskussionen kommt es in dieser Sache dann auch nicht mehr, denn als der Smaragd plötzlich zu leuchten beginnt, fallen riesige Ameisen-Armeen über die Arbeiter her ...

Schnitt zur eigentlichen Handlung: Wir lernen unsere Heldin Amanda kennen, ihres Zeichens Tochter von Nicholas, der nun schon seit einigen Tagen verschwunden ist. Da die brasilianischen Behörden nichts unternehmen, will sich Amanda gemeinsam mit ihrem Bruder Scott auf die Suche nach dem Vater machen. Dazu hat sie das Boot des versoffen und heruntergekommen aussehenden Kapitäns Lebecq gechartert, der sich seine Dienste gut bezahlen lässt – und dies nicht nur von ihr, sondern auch von einer anderen, nicht mehr ganz so jungen Frau: Es ist Vera, die Chefin der Firma, welche die Rodungsarbeiten durchgeführt hat. Auch ihre Leute sind seit Tagen verschwunden. Scott selbst trifft erst im allerletzten Moment ein, womit auch schon ein handfestes Geschwistergezänk ausgelöst ist – Streitereien dieser Art werden uns mit schöner Regelmäßigkeit bis zum Ende des Films auf den Senkel gehen. Jetzt aber wird erst einmal gestartet – per kleiner Motoryacht geht es hinein in den Dschungel, wo natürlich aufregende Abenteuer auf unsere kleine Gruppe, die von drei Helfern Lebecqs komplettiert wird, warten ...

Mit den Abenteuern ist es nun aber so eine Sache: Ja, sie werden pflichtgemäß geliefert, sind aber allesamt ziemlich schnell überstanden (SPOILER bis zum Absatz): Das Boot wird von Piranhas gefressen (wirklich, das Boot!), ein paar Kaimane greifen sehr halbherzig an (eigentlich gehen sie nur spazieren und wollen Scott den Rucksack wegnehmen), unsere Helden geraten in die Hände und um ein Haar in die Kochtöpfe von Kannibalen, haben aber das Glück, dass die Menschenfresser (und nur die!) gerade noch rechtzeitig von mannshohen Spinnen niedergemacht werden, und eingangs gibt es eine gefährliche Begegnung mit Pfeilgiftfröschen. Die hat‘s allerdings in sich: Die ohrenbetäubend laut quakenden und gut krötengroßen CGI-Frösche greifen mit einer ganzen Hundertschaft an, und einer von ihnen beißt Lebecq sogar durch die dicke Hose hindurch ins Bein – ein echter Lacher. Regelrecht abstrus und richtig schön eklig wird es schließlich gegen Ende, als unsere noch verbliebenen Helden in einer Höhle auf einige Riesen-Anakondas treffen, von denen sie allesamt mit einem Happs verschluckt werden. Zum Glück hat Amanda aber ihr kleines Buschmesser dabei, mit dem sie sich augenblicklich aus dem Schlangenbauch herausschneiden und auf diese Weise auch den anderen Verschlungenen helfen kann.

Während all dessen hockt Nicholas in einem Wohnwagen mitten im Dschungel und lässt sich von dem Smaragd, den er anfangs gefunden und offensichtlich aus der Statue entfernt hat, langsam in den Wahnsinn treiben – hinter dem ganzen Geschehen steckt nämlich noch eine fette Portion Urwald-Mystik rund um die dämonische Gottheit „Curupira“, die als Beschützer des Waldes fungiert und auch unserem Geschwisterpärchen samt Begleitern langsam die Sinne vernebelt. Die Frage ist nun weniger, ob die Helden Nicholas finden oder nicht, sondern eher, wie es am Ende um die Sinne beziehungsweise die Psyche des Zuschauers bestellt ist ...

Wenn ich oben verschiedene Abenteuer angesprochen habe, dann klingt das möglicherweise nach flotter Unterhaltung, aber wie schon gesagt: Die entsprechenden Sequenzen sind sehr kurz (und auch noch vollkommen unspannend in Szene gesetzt). Gefühlt fünfundneunzig Prozent der Laufzeit bleiben somit Dialogen vorbehalten, und die sind selbst für Asylum-Verhältnisse unterirdisch – es wird am laufenden Band gestritten, aneinander vorbeigeredet oder komplett sinnloses Zeug dahergeschwatzt. Zudem ist das gesamte Personal schon grundsätzlich reichlich unangenehm und wird von Darstellern verkörpert, die entweder nicht schauspielern können oder, so scheint es bisweilen, nicht wollen. Ohnehin hat hier (mit einer Ausnahme) niemand Lust auf ordentliche Arbeit gehabt – das belegt neben misslaunigen Mimen und der allzu eilig heruntergespulten Action auch Marc Gottliebs schlampiges, holpriges und selbst im Kontext seiner Preis- und Leistungsklasse überdurchschnittlich unglaubwürdiges Skript. Und so wurstelt sich der Film mehr schlecht als recht irgendwie über die Runden und verabschiedet sich fast folgerichtig mit einem uninspirierten und halbgaren Ende. Hauptsache Schluss – man meint förmlich zu hören, wie die Verantwortlichen erleichtert aufgeatmet haben, als ihr Tinnef endlich im Kasten war und sie nach Hause fahren konnten.

Optisch hinterlässt Jungle Run hingegen einen ausgesprochen guten Eindruck – Noah Lukes mystisch verbrämter Abenteuerhorror präsentiert sich wie auch andere aktuelle Asylum-Produktionen im Breitwandformat und protzt mit zahlreichen eindrucksvollen Totalen des „Amazonas-Dschungels“, der vermutlich nie der Amazonas-Dschungel ist, weil hier selbstredend auf Stock Footage und preiswerter nutzbare Drehorte zurückgegriffen wurde. So gibt es im Regenwald am Mittellauf des echten Amazonas (Manaus wird kurz erwähnt) ganz gewiss keine hohen Berge, und wenn die Flussfahrt illustriert wird, ist in der Totale ein kaum dreißig Meter breiter Wasserlauf zu sehen, der sich in zahlreichen Windungen durch die grüne Wildnis schlängelt, während man in den Szenen, die auf dem Boot selbst gefilmt wurden, in beiden Richtungen nicht einmal das andere Ufer erkennen kann (ergo sehen wir den Pazifik oder das Karibische Meer). Immerhin fällt das offenkundig eingesetzte Fremdmaterial qualitätsmäßig nicht ab. Der Dschungel selbst will obendrein auch nicht so recht überzeugen – mitunter könnte man meinen, dass hier ein lichter Laubwald mit ein paar tropischen Pflanzen „aufgerüstet“ wurde.

Die Trickeffekte kommen erwartungsgemäß ausnahmslos aus dem Rechner und bewegen sich unter dem Strich auf dem gewohnten (sprich gewohnt miesen) Asylum-Niveau. Immerhin sehen die erwähnten Kaimane sehr ordentlich aus (sind aber auch nur ein paar Sekunden lang im Bild), während Piranhas, Ameisen, Riesenspinnen, munter durch die Gegend hüpfende Pfeilgiftfrösche sowie ein gegen Ende aufkreuzendes Curupira-Monster (mit brennendem Kopf – warum?) durchweg mangelhaft und die Riesen-Anakondas sogar ganz erbärmlich umgesetzt wurden – Schlangen konnte man schon in der Pionierzeit der Computertechnik überzeugender animieren.

Bei den Darstellern, ich hatte es bereits angedeutet, zeigt sich ein ebenso beschämendes Bild. Das Elend beginnt schon mit dem zuvorderst creditierten Richard Grieco, der in der etwas größeren Nebenrolle des „Archäologen“ Nicholas einen überaus armseligen Auftritt hat – als Säufer mag er mit seinen zotteligen Haaren gerade noch durchgehen, als Wissenschaftler aber in tausend Jahren nicht. Ungeachtet dessen hat Grieco jedoch schon Großes für die Produzenten geleistet: Im High-End-Trash Allmighty Thor ist er als Loki zu sehen. Jack Pearson wirkt derweil als Amandas Bruder Scott nicht nur ziemlich unsympathisch, sondern auch noch besonders lustlos, und Lebecq-Darsteller Wade Hunt Williams hat, sorry, die gleiche heruntergekommene Ausstrahlung wie seine Figur.

Etwas besser sieht es bei den weiblichen Mitwirkenden aus – oder sagen wir lieber, mit ihnen hatte ich deutlich weniger Sorgen, denn objektiv betrachtet sieht es bei ihnen keineswegs besser aus. So zeigt sich Jamie Petitto als Vera derartig talentlos und unbeholfen, dass es fast schon wieder fröhlich ist (irgendwann mochte ich sie tatsächlich), und Alyson Gorske bildet jene oben angesprochene Ausnahme in Sachen Engagement für die vorliegende Produktion. Ich kenne sie aus dem ebenfalls von The Asylum verbrochenen Star Wars-Verschnitt Battle Star Wars, und dort war sie in ausgeprägt bauchfreier Montur neben einer anderen Kollegin der einzige kleine Lichtblick – wenn auch wirklich nur optisch. In Jungle Run fällt ihr nun die Hauptrolle der ebenso selbstbewussten wie energischen Nicholas-Tochter und Scott-Schwester Amanda zu, und sie kniet sich fürwahr mit Inbrunst in ihre Aufgabe hinein. Leider nervt ihre Figur von Minute zu Minute mehr, während sie selbst langsam, aber sicher die Kontrolle über ihr Spiel verliert und sich in der Schlussphase nur noch mit verstörend krass entgleister Mimik durch ihre Szenen schreit. Ich habe sie immer noch lieber gesehen als ihre männlichen Mitstreiter, aber ... meine Güte.

Für den Score trägt zu guter Letzt Mikel Shane Prather einmal nicht als Partner von Chris Ridenhour oder Chris Cano, sondern im Alleingang die Verantwortung – er macht seine Sache vergleichsweise ordentlich und bemüht sich um eine angemessene, eher ruhige und bisweilen auch düstere Begleitung des Geschehens. Viel Wirkung erzielt er damit nicht, aber in der Regel ist seine Musik ansprechender als dieses Geschehen selbst. Damit hätten wir also doch noch jemanden aufgetrieben, der sich im Rahmen dieser Produktion ein wenig Mühe gegeben hat.

Dabei bleibt‘s dann aber auch, womit kurz und schmerzlos konstatiert werden darf, dass Jungle Run selbst unter Berücksichtigung seiner zweifelhaften Herkunft und der ansprechenden Optik ein wirklich schlechter Film ist – langatmig, spannungsfrei, arm an Höhepunkten und vor allem ohne Liebe dahingeschludert. Man muss schon eine überaus herzliche Beziehung zum niederklassigen Genre-Kino (oder besser gesagt Genre-Film) haben, um Arbeiten wie diese ohne Groll anschauen zu können. Ich für meinen Teil habe sie und bin dementsprechend mit heiler Haut, sprich weitgehend entspannt aus der hiesigen Veranstaltung herausgekommen. Im Nachhinein bin ich sogar noch etwas entspannter – wenn ich jetzt an die Szene denke, in der einer von Lebecqs Leuten beim Laufen über eine Wiese mit der Machete auf das kaum kniehohe Gras vor seinen Füßen einschlägt oder mir die Sequenz vor Augen halte, in der Alyson Gorske grimassiert und gestikuliert, als ginge es um ihr Leben, während rings um sie alle anderen am Einschlafen sind, hat Jungle Run wohl doch zumindest einen beträchtlichen Trash-Wert. Vielleicht habe ich diesen Film tatsächlich unterschätzt ...

(12/21)

Objektiv bleibt’s freilich bei 3 von 10 Punkten.




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