2500 Jahre ist es her, als Buddha zwei seiner kraftspendenden Elemente auskamen, die in Form zweier Augen vor ihm davonliefen. Während er das schwarze Auge schnell wieder einfangen und in einen Schrein sperren konnte, gelang es dem roten Auge, sich mehrere Tage lang dem Zugriff zu entziehen, doch mußte es erkennen, daß es 7 Tage lang über 7 Trittsteine wie auf einer Brücke über einen seichten Fluß gegangen war und es im Endeffekt Buddha nie entkommen könne. Also ließ sich auch das rote Auge in einer Sarira genannten Kiste einsperren und beide Gefässe wurden soweit wie möglich voneinander entfernt einmal in einer Wüste im Westen und einmal in einem Gebirge im Osten vergraben. Niemals sollten sie sich wieder vereinigen, sprach Buddha zu seinen Schülern, denn dies würde die Hölle auf Erden bedeuten.
Soweit die Überlieferungen des Religionsstifters, doch im Jahre 2005 entdeckt ein danach suchender Professor bei Sand-Ausgrabungen im indisch-pakistanischen Grenzgebiet ebenjenen kleinen, versiegelten Schrein. Doch die Wissenschaftler im koreanischen Heimatland sind von dem Sensationsfund keineswegs überzeugt, zumal das nach der Radiokarbonmethode untersuchte Fundstück ein wesentlich jüngeres Datum aufweist. Desavouiert und seitdem als Schwindler bezeichnet vollzieht der Professor, der nach wie vor von der Authentizität seines Fundstücks überzeugt ist, 12 Jahre später in einer roten Mondnacht ein Ritual - und tatsächlich hüpft aus dem mit Eigenblut gefüllten Kistchen das rote Auge...
Dies ruft gleichzeitig einen als Wächter vorgesehenen älteren buddhistischen Mönch auf den Plan, der nun 7 Tage Zeit hat, das unheilvolle Zusammentreffen der beiden Augen in der titelgebenden 8. Nacht zu verhindern. Als er jedoch plötzlich stirbt, muß ein junger Adept (Kim Ho-tae) die Aufgabe übernehmen und einen als Ersatzwächter vorgesehenen anderen Mönch (Park Jin-soo) in einem weit entfernten Kloster finden - doch jeden Tag nimmt das rote Auge eine der Stufen/Trittsteine, indem es Menschen befällt und tötet. Den Mönchen ist nur der siebte und letzte Mensch dieser Reihung bekannt, und sie müssen sich beeilen, diese Person, eine jungfräuliche Schamanin (Ae-ran), zu erreichen...
Mit ihren oftmals fast schwarz-weiß anmutenden Bildern gelingt es der südkoreanischen Produktion The 8th Night mit ihrer für ein westliches Publikum eher ungewohnten Thematik recht schnell, eine dramatische Stimmung heraufzubeschwören, wobei die nur sehr spärlich gesetzten Horror-Akzente (ähnlich wie beispielsweise in The Grudge) dafür umso besser zur Geltung kommen. Den ernst und konzentriert agierenden Mönchen steht der junge Adept (Kim Ho-tae) zur Seite, welcher - gerade von seinem Schweigegelübde entbunden - nebenbei nun ziemlich neugierig die moderne Welt kennenlernt, was sich in einigen unerwartet humorigen Kurzeinlagen (Stichwort: Doppel-Hamburger, neue Schuhe etc.) niederschlägt; in einem Nebenstrang der Story lernt man zusätzlich den herrisch und arrogant auftretenden Detective Ho-Tae Kim kennen, der die täglichen Morde aufzuklären hat, was ihm sichtliches Mißvergnügen bereitet, da es sich durchweg um normale Bürger handelt, die noch kurz zuvor lebendig gesehen wurden und nun sämtlichst blutleer und extrem schnell verwest aufgefunden werden.
So jagen also alle Parteien (die einen um die Gefahr wissend, die anderen - die Polizei - die diese Prophezeihungen als Schwachsinn abtut) in Richtung der Stadt Buk-San, wo sich das fernöstliche Armageddon abspielen soll. Doch der Weg dorthin ist mit zahlreichen Hindernissen gesäumt und das rote Auge, das sich einiger der Proponenten bemächtigt, hat auch noch einige fiese Tricks auf Lager.
Der bei Netflix nur im Original bzw. auf englisch zu streamende Titel ist visuell ansprechend umgesetzt (die befallenen Menschen z.B. bekommen Risse in der Haut, bevor die Wange aufreißt und sich das rote Auge zeigt) und obwohl Je8ileui Bam, so der Original-Titel, vom Plot her zwar nicht ganz neu ist, vermag der Film jedoch abwechslungsreich zu unterhalten und ist nicht nur für Horrorfreunde eine Sichtung wert - 7 Punkte.