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Ein Passagierflugzeug landet, erwartet von einem großen Militäraufgebot. Irgendetwas scheint seltsam an Bord des zuvor gekaperten Linienflugs von Deutschland nach New York: ein Kind wird aus der Ladeluke herabgelassen und schnell in den Flughafen eskortiert, aber der einzelne Mann im Cockpit (nicht der Pilot) redet eher wirres Zeug und ist stets im Visier der Scharfschützen. Der achtjährige Elias (Carl Anton Koch) jedoch schweigt beharrlich zu den Fragen der Kinderpsychologen und Ärzte, was denn an Bord vorgegangen und wer da drin sei und so bleibt dem Kommandanten vorerst nur, abzuwarten. Dafür springt der Film einige Zeit zurück und zeigt Elias Mama Nadja (Peri Baumeister) bei den Reisevorbereitungen: die Alleinerzieherin leidet an einer seltenen Krankheit, welche sie in den Staaten behandeln lassen will, wofür sie - mit Perücke und Sonnenbrille getarnt - dezidiert einen Nachtflug wählt. Tatsächlich wurde sie vor Jahren von einem Vampir gebissen und somit selbst zu einem Nachtgeschöpf, das sich bisher allerdings einigermaßen erfolgreich bemüht, seine blutrünstigen Triebe zu unterdrücken. Der Linienflug allerdings wird von einem halben Dutzend Terroristen im Namen einer dschihadistischen Organisation gekapert, und die Hijacker unter der Führung des glatzköpfigen Berg (Dominic Purcell, Prison Break) machen auch gleich klar, daß mit ihnen nicht zu spaßen ist: Neben einem Air-Marshall wird auch Nadja erschossen, doch zur großen Überraschung der Killer ist diese nach kurzer Zeit wieder munter...

In der ersten halben, dreiviertel Stunde gelingt dem bisher eher auf Komödien spezialisierten Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Peter Thorwarth mit seinem Blood Red Sky ein durchaus spannend zu nennender Air-Thriller, dessen Handlung sich mit zunehmender Dauer jedoch immer mehr abnutzt und nicht so recht auf den Punkt kommen will. Immerhin schafft es die auferstandene Vampirin, die mit Kugeln aus den reichlich vorhandenen Waffen an Bord nicht so einfach ausgeschaltet werden kann, die Initiative an sich zu reißen und die Entführer zu dezimieren, doch auch ein gebissener Hijacker entwickelt sich nach kurzer Zeit zu einem Blutsauger, und so entsteht irgendwann ein ziemliches Chaos zwischen den verschiedenen Fronten im Passagierdeck, im Gepäckraum und im Cockpit.

Trotzdem es an den schauspielerischen Leistungen an sich (Peri Baumeister in der Hauptrolle bewußt häßlich als glatzköpfiger fauchender Vampir, immer wieder auch mit sich selbst kämpfend, Alexander Scheer als völlig durchgeknallter Entführer Eightball, der von seinen eigenen Spießgesellen zurückgehalten werden muß oder auch Dominic Purcell als obercooler arabischsprachiger Leader) nichts auszusetzen gibt, will sich einfach kein Sympathieträger herauskristallisieren. Denn trotz der mehrfach eingeschobenen Flashbacks (gewissermaßen Rückblenden in der Rückblende) kann die dem Publikum eindringlich als "die Gute" vorgeführte Vampirmama trotz ihrer tragischen Vorgeschichte nicht wirklich punkten. Auch die politisch korrekte Nebenfigur des arabischen Studenten, der ganz am Anfang in der Wartehalle die Bekanntschaft des kleinen Elias macht, überlebt erwartungsgemäß bis zum Schluß, auch wenn er unterwegs eine Hand verliert, damit es nicht gar so auffällt.

Am Nervigsten jedoch ist der (nicht zum ersten Mal begangene) kapitale Drehbuchfehler, ein Kind in eine maßgebliche Rolle (noch dazu in einem Thriller) einzubinden - mit zunehmender Dauer nervt Elias´ Auftreten nämlich immer mehr, davon abgesehen, daß sein Filmcharakter auch völlig unglaubwürdig rüberkommt, wenn er ein ums andere Mal seiner Mama Ratschläge erteilt und Durchhalteparolen von sich gibt, mit der Pistole schießt oder furchtlos durch Lüftungsschächte kriecht, um den Entführern technische Hilfsmittel zu klauen - dergleichen Unsinn verdirbt einem nachhaltig das Zusehen. Darüber hinaus ist der Film, bei dem am Ende natürlich das Gute gewinnt, mit über 2 Stunden Laufzeit auch einfach zu lang, manche Szene (z.B. jene sinnbefreiten Flashbacks, in denen - ganz neue Erkenntnis! - einfach so behauptet wird, Vampire seien das Böse) hätte man sich getrost sparen können.

Fazit: Trotz kameratechnisch ordentlich inszeniertem Thriller (mit einigen überzeugenden blutigen Szenen wie einem Messer im Auge und Ähnlichem in den stets authentisch räumliche Enge vermittelnden Bildern aus dem Flugzeug) krankt die Netflix-Produktion Blood Red Sky an einem insgesamt schwachen Drehbuch, das sich und seine nur mittelmäßigen bis nervtötenden Filmcharaktäre schlichtweg zu ernst nimmt und auch über keinerlei Plot Twists oder sonstige pfiffige Ideen verfügt. Kein völliger Reinfall, aber nach gutem Beginn immer schwächer werdend sind das am Ende nur 4 Punkte.

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