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Tomatensaftheimspiel


In Peter Thorwarths rigorosem Horrorfilm und jahrelangem Leidenschaftsprojekt läuft ein Transatlantikflug gehörig schief, als er nicht nur von undurchsichtigen Terroristen gekapert wird, sondern vor allem eine Mutter mit vampirischem Geheimnis die Hölle über den Wolken auslöst…

Peter Thorwarth ist ein gestandener und kultiger deutscher Regisseur, allein seine Unna-Trilogie unterstreicht bis heute diesen Ruf eindrucksvoll. Und wenn dieser Mann dann jahrelang sein Horrorfilmkonzept plant und umsetzen möchte, ihm Netflix dann (anders als deutsche Filmförderungen!) endlich die Mittel und Freiheiten für das blutige Unterfangen einräumt, dann sollte man davor erstmal Respekt haben und sich freuen, das Projekt auch grundsätzlich gucken und unterstützen. Das meint nicht „Blood Red Sky“ gütiger als seine Konkurrenz zu bewerten. Aber es kommt halt nicht jede Woche ein solches Genrekaliber aus deutschen Landen (wenn auch englisch koproduziert). Und wenn dann auch noch ein durchaus solider Vampiractioner zwischen „30 Days of Night“, „Quarantine 2“ und „Train To Busan“ dabei rauskommt, dann kann man doch nur einen Daumen hoch geben. Wieder mit dem Sternchen, dass „Blood Red Sky“ natürlich/leider nicht perfekt ist oder ganz oben in seinem Sujet mitspielt. Gerade wenn man als Zuschauer schon viel gesehen hat. Aber Grundgedanke und Unterhaltungswert stimmen. Und das über (etwas zu lange) zwei Stunden. Muss man auch erstmal schaffen. 

„Blood Red Sky“ sieht klasse aus, vermischt gekonnt Vampirschocker mit Terroristenthriller plus Mutter-Sohn-Geschichte. Das geupdatetete „Nosferatu-Make Up“ ist fantastisch, Bodycount und Goregehalt sind nicht zimperlich, die Action schwungvoll aber nie hektisch inszeniert. Die meisten Darsteller sind über deutschem Niveau. Das letzte Drittel ist schön düster, wild und konsequent. Overacting gibt es, wenn dann auch richtig, was jedoch für meinen Geschmack eher nicht übel heraussticht, sondern zum B-Movie-Entertainment beiträgt. Das ist von A bis Z schon internationales Niveau. Der kleine Junge kann nerven, es wird absolut gut kitschig und mit Sinn, Verstand, Realismus darf man hier natürlich auch sehr schnell nicht mehr kommen. Typische Klischees - von Terroristen über Vampire bis zu deutschen - sind auch kaum zu übersehen. Ob er wirklich zwei Stunden gehen muss (ok, ohne Abspann etwas weniger), sei wie gesagt außerdem arg angezweifelt. Und dennoch ist ein „Blood Red Sky“ nicht viel übler als etwa ein „Army of the Dead“ und bietet sich auch als Doppel mit der snyder'schen Grossproduktion an. 

Fazit: hochwertige, blutige, lobens- wie unterschützenswerte Horrorproduktion aus Deutschland. Sicher nicht ohne Klischees, Leerlauf, Überschlag, Fehl und Ballast - aber insgesamt dennoch mutig und in dieser freidrehenden, ungenierten Genreart viel zu selten gesehen. Hätte auch mit mildem Applaus auf einschlägigen Filmfestivals laufen können - gibt’s nun auf Netflix. 

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