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Einfach mal alles stehen und liegen lassen und dem Alltag den Mittelfinger zeigen, - nein, nicht in den Urlaub fliegen, sondern wie einst der „Mann in den Bergen“ zurück zum Ursprung. Das muss nicht zwangsläufig ein typisches Männerding sein, ist aber in der vorliegenden rabenschwarzen Komödie des dänischen Regisseurs Thomas Daneskov der Fall.

Der Däne Martin (Rasmus Bjerg) hat sich mit Fell bekleidet in die norwegischen Wälder zurückgezogen und lebt dort als Jäger und Sammler. Jedoch weitgehend erfolglos, weshalb er sich an einer nahe gelegenen Tankstelle „bedient“, da niemand auf seinen Tauschhandel eingehen will. Kurz darauf trifft Martin auf den verletzten Drogendealer Musa (Zaki Youssef), welchen er notdürftig versorgt. Wenig später ist die Dorfpolizei hinter beiden her…

Eine ausgewogene Genremischung erwartet den Betrachter: Krimi, Aussteigerdrama und Selbstfindungstrip, Buddy-Komödie, aber auch einige Ansichten über das Leben im Allgemeinen mit Themen wie Vergänglichkeit und Erwartungsdruck in der Gesellschaft.
Dabei schwingen keine moralischen Keulen, denn die Protagonisten haben sich allesamt nicht mit Ruhm bekleckert, noch werden ihre Handlungsweisen über Gebühr angeprangert. Früh stellt sich heraus, dass die titelgebenden wilden Männer vor allem oft einsam sind.

Eingebettet wird die zuweilen grotesk anmutende Geschichte in eine urige, teils raue Landschaft, bei der die versierte Kamera einige erinnerungswürdige Momentaufnahmen liefert. Dank einiger Schauplatzwechsel ist stets Abwechslung gegeben, während der Fokus auf der Entwicklung der Männerfreundschaft liegt, denn natürlich denkt Martin, dass Musa ebenfalls ein Aussteiger sei. Spätestens als Martin beim Überqueren eines Flusses einen Wikingertrick anwendet, sind herzhafte Lacher garantiert, denn die Situationskomik ist stets auf den Punkt.

Überdies sind die oftmals pfiffigen Dialoge ein weiterer Pluspunkt, denn mit bloßem Geschwafel hält sich der Stoff zu keiner Zeit auf. Das zeigt sich anhand einer beinahe nebensächlich erscheinenden Szene eines Paares, bei dem sie nach Gründen seiner Selbstbefriedigungsmomente sucht. Etwas nachdenklicher geht es hingegen bei einem Polizisten im Rentenalter (Bjørn Sundquist) zu, was dem Verlauf die emotionale Ausgwogenheit verleiht.

Zwar fallen die Parts über die Drogendealer (ursprünglich drei) nicht sonderlich spannend aus, da die Figurenkonstellation recht überschaubar bleibt, doch das gleichen die durchweg gut aufgelegten Mimen locker wieder aus. Zumal die Chemie zwischen Bjerg und Youssef stimmt und weitere Nebenrollen mit Sofie Gråbøl und Rune Temte exzellent besetzt sind.
Am Ende macht es tatsächlich die Mischung und die Tatsache, dass der Streifen einen runden Abschluss findet und ein positives Gefühl hinterlässt. Schon allein deshalb, und weil Polizeihunde augenscheinlich häufig ihren freien Tag haben eine klare Empfehlung.
8 von 10

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