Review

Die Schöne und der Beat


„Belle“ ist der neue Animefilm des „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“-Machers Mamoru Hosoda - und im Grunde eine popkulturelle und musikalische Oper über virtuelle Realitäten und echte Emotionen, berührende Klänge und echten Mut, künstliche Avatare und echte Menschen. Über Biester, Beats und Balladen, über Ruhm, Einsamkeit und Schmerzen, über Hilfe, Humanität und Hologramme. Klingt bunt und konfus, ist es auch. Ein junges Mauerblümchen steigt in der beliebtesten App und VR der Welt zu einem Megapopstar auf - bis ein aggressives Biest ihren Ruhm stört, sie zugleich aber auch reizt und Mitleid erweckt…

„Belle“ sieht wunderschön aus, klingt fantastisch und seine wiedergekäuten Themen und Passagen fallen kaum übel auf. Auf jeden bekannten Abschnitt wird sein eigener Spin gefunden, jeder nicht komplett neuen Idee wird eine weitere Facette zugeordnet. Sehr japanischer Blickwinkel. Manchmal springt der Film mir etwas zu sehr in seinen Genres und seiner Fantasie - von Musical über Coming-of-Age bis Thriller ist alles dabei. Langweile oder Ratlosigkeit kamen bei mir aber zum Glück nirgends auf. Selbst wenn er nie ganz die Höhen seines Machers erreicht bzw. etwa „Paprika“ oder „Perfect Blue“ Konkurrenz machen kann. Etwas zu lang würde ich auch behaupten. Redundante Reizüberflutung trifft Popkulturcollage trifft „Japan sucht den Animestar“ trifft tonale Volltreffer. 

Fazit: sprunghafte und überlange, aber genauso audiovisuell wie emotional wunderschöne Kreuzung aus „Ready Player One“ und „The Beauty & The Beast“. Menschlich, musikalisch, mix-wirr. Kein kommender Klassiker, dennoch ein Tipp für jeden halbwegs Animezugeneigten. 

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