Manon: "You ever been in the bayou country before?"
Joyce: "It's so wild, so primitive."
Manon: "Yeah, and deadly. You know how long you'd last if you got a 100 yards off of this road? Maybe 10 minutes-- If the quicksand didn't get you... the moccasins would. And then... then there's always the gators. Dirty, nasty, slimy gators!"
Kurt Neumanns The Fly (Die Fliege) entwickelte sich für die Produktionsfirma Twentieth Century Fox im Jahre 1958 zu einem Überraschungserfolg, weshalb man sich rasch entschloß, mit Return of the Fly (Die Rückkehr der Fliege) ein von Edward Bernds inszeniertes Sequel nachzuschieben. In den 1950er-Jahren war es allerdings Usus, solcherart Genrefilme als Doppelprogramm in die Kinos zu bringen. Man benötigte also auf die Schnelle ein weiteres niedrig budgetiertes Monster-Movie. Die Produktion dieses Streifens wurde an den unabhängigen Produzenten Jack Leewood (Thunder Island) ausgelagert, und das fertige Produkt, The Alligator People (Im Sumpf des Grauens), anschließend gekauft. In Anbetracht dessen, daß The Alligator People eigentlich nur das Licht der Kinosäle beziehungsweise der Drive-In-Theater erblickt hat, um die untere Hälfte einer Double Bill aufzufüllen, ist der Film sehr ansehnlich geraten und sollte das Herz eines jeden (trashaffinen) Fans von Monster Flicks dieser Epoche höherschlagen lassen.
Im Zentrum der abenteuerlichen Geschichte steht die hübsche Krankenschwester Joyce (Beverly Garland, It Conquered the World), die im siebten Himmel schwebt, hat sie doch eben ihre große Liebe Paul Webster (Richard Crane, Rocky Jones, Space Ranger) geheiratet. Als Paul während der Fahrt in die Flitterwochen ein dringendes Telegramm erhält, verläßt er bei einem kurzen Zwischenstopp den Zug, um zu telefonieren... und kehrt nicht wieder. Die verzweifelte Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann führt Joyce in die Sümpfe Louisianas, zu einem großen Anwesen, genannt The Cypresses, welches Paul zu Schulzeiten als seine Adresse angegeben hatte. Der Empfang durch die Besitzerin, Mrs. Lavinia Hawthorne (Frieda Inescort, The She-Creature), ist schroff und ablehnend, doch Joyce läßt sich davon nicht abschrecken. Intuitiv spürt sie, daß man sie belügt, und ihr Gefühl trügt sie nicht. Paul lebt tatsächlich hier, in diesem Haus. Und doch ist es nicht mehr der Paul, den sie kennt, wie sie zu ihrem Entsetzen feststellen muß.
The Alligator People ist eine qualitativ recht hochwertige Produktion, der man ihr niedriges Budget nur in einigen wenigen Passagen ansieht. Die oft klischeebehafteten Figuren sind passabel charakterisiert, die Schauspieler liefern ordentliche Leistungen ab (die denkwürdigste Performance stammt zweifellos von Lon Chaney Jr. (The Wolf Man), der als rabiater, schmieriger, haßerfüllter Säufer mit Stahlklaue alle Register zieht), die musikalische Untermalung ist routiniert wenn auch wenig bemerkenswert, und auch an der Struktur des Filmes gibt es wenig auszusetzen. Die in kontrastreichem Schwarzweiß gehaltenen CinemaScope-Bilder fangen die tollen, oft atemberaubenden Schauplätze gekonnt ein und verleihen dem Streifen eine düstere, melancholische Atmosphäre, die beim Betrachter für ein leichtes Unbehagen sorgt. Die mit heiligem Ernst und ohne einen Funken (beabsichtigtem) Humor dargebotene Geschichte entfaltet sich langsam aber stetig, wobei die Autoren auf einen dramaturgischen Kniff zurückgriffen: Die gute, alte, klassische Rückblende.
Joyce schildert ihre grauenvollen Erlebnisse, während sie unter Hypnose steht; ansonsten kann sie sich nämlich an gar nichts mehr erinnern. Zu schrecklich war der Horror, mit dem sie in den Bayous konfrontiert wurde, sodaß ihr Gehirn die Geschehnisse komplett verdrängt hat. Und was sich in den Sümpfen ereignet hat, ist klassischer Mad-Scientist-Stoff. Dr. Sinclairs (George Macready) Absichten sind zwar gut - er möchte mit dem von ihm entwickelten Serum, hergestellt aus Hormonen von Alligatoren, Schwerverletzte heilen -, aber die Nebenwirkungen, die erst etwa ein Jahr später auftreten, machen den Patienten das Leben zur Hölle. Kein Wunder, verleiht ihnen ihre schuppige Haut doch etwas unangenehm reptilienhaftes. Die Masken stammen von Ben Nye (Fantastic Voyage) und dem legendären Dick Smith (The Exorcist) und sind weitgehend okay. Pauls neuer Look ist häßlich, keine Frage; gleichzeitig haftet ihm jedoch auch etwas sehr Trauriges an. Es ist jedenfalls nachvollziehbar, daß er in die Abgeschiedenheit geflüchtet ist.
Bis zum großen Finale funktioniert The Alligator People erstaunlich gut. Das Szenario - eine Variation der The Fly-Thematik - ist zwar nicht wirklich realistisch, wird aber stimmig und probat genug präsentiert, daß man es zumindest, mit viel gutem Willen, glauben kann. Erst in den letzten Minuten mutiert der Film dermaßen zum trashigen Schlockfest, daß die berühmte "Suspension of Disbelief" einfach nicht mehr möglich ist. Innerhalb weniger Momente wird die düster-tragische Stimmung zerstört, und es regiert fortan der Kokolores. Grund dafür ist das unfaßbar drollige Masken-Design des "Alligatormannes", welches auch noch stolz in all seinen (unfreiwillig komischen) Facetten gezeigt wird. Als Zuschauer fällt man da entweder in eine durch ungläubiges Staunen ausgelöste Schockstarre, oder man prustet laut los und rutscht hilflos zappelnd mit einem Lachkrampf von der Couch. Dieser skurrile Showdown führt das tragische Flair des Geschehens nicht nur ad absurdum, er kehrt es quasi ins Gegenteil und gibt es der Lächerlichkeit preis.
Was bleibt ist einerseits Spott und Häme für eine verzweifelte Kreatur, der das Leben übel mitgespielt hat, und andererseits ein schönes, unterhaltsames Monster-Movie, das ob seines fürchterlich verhunzten Finales in der Trashfilmecke sein Dasein fristen muß. Ein tragisches Schicksal, das The Alligator People nicht verdient hat.