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Genug von JOLT? Hier kommt KATE! Der neueste Cocktail aus der Netflix-Saftbar. Weniger Elektrolyte, weniger Zuckungen im Abgang. Dafür eine Extraportion Toxine für den stylishen Leuchteffekt in Tokioter Nächten. Holt sie euch im limitierten pinken Katzenbecher. Nur solange die Aufmerksamkeitsspanne reicht!

Anders als JOLT enthält KATE zwar keine Kate, aber dafür reichlich Bloody Mary. So kann die Auftragskillerin von Welt mal schön einen Abend lang die Rampensau geben, als gäbe es sowieso nur noch ein allerletztes Morgen unter Japans Sonne. Aber Achtung: Keine Haftung für Hautverfärbungen und Blutausscheidungen. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nach einer Knarre und zielen Sie auf Ihren Arzt oder Apotheker.

Neun von zehn Chemikern bestätigen, dass auch KATE über die bewährte Powerformel verfügt. Diesmal mit noch mehr Powerkristallen. KATE hat einfach alles, was auch JOLT hat. Aber in noch krasserer Konzentration, damit man auch mal richtig was schmeckt. Ihr wollt es doch auch (behauptet der Netflix-Algorithmus): Die Larger-Than-Life-Heldin, die ihre eigenen Marionettenfäden kappt und mit gutem Beispiel vorangeht. Dazu ein alter Vertrauter, der den weichen Kern unter eurer harten Schale kennt. Denn auch harte Frauen mögen's manchmal zart. Genießt das kurze Hello & Goodbye mit Hollywoods sexiest Glatzenträger alive, Woodrow Tracy Harrelson. Wenn ihr sein kurzes Stelldichein bei einem Augenzwinkern verpasst, schaut euch einfach das Poster an oder kauft euch einen unserer limitierten Woody-Bobbleheads für den Rücksitz eures Pink-Vanilla-Trucks. Ja, Ladies, er wird eure Daddy Issues so richtig schön durch den Mixer drehen. Versprochen! Gönnt euch außerdem eine anstrengende Sidekick-Göre, die euch anhimmelt und gleichzeitig permanent ans Bein pinkelt, bis ihr das Gefühl bekommt, die nächste Popstar-Sensation zu sein. Als 37-jährige Berufskillerin mit heftigem Hautausschlag und nur noch einem verbliebenen Tag auf der Lebensuhr bei der Zielgruppe der 14- bis 16-Jährigen noch so abzuräumen... wenn das mal nicht Respekt verdient, Mary-Liz!

Was ihr aber eigentlich wollt, ist diese alles überstrahlende Ohnmacht, die euer Denken und Handeln komplett in Beschlag nimmt. Ihr wollt... blinde, saftige, kompromisslose Rache! Und ihr sollt sie bekommen. Rache an denen, die euer Handeln lenken, die euer Schicksal bestimmen, die Entscheidungen für euch treffen und die Regeln aufstellen. Ihr wollt Chaos, Anarchie, Entmachtung, die neue Ordnung. Darüber kann es nie genug Fantasien geben.

Wenn es um Rache geht, braucht ihr aber die nötige Ausrüstung. Ihr seid sicher die kurzen, unkontrollierten Spasmen leid, die JOLT in euch auslöst. Wie soll man bei dem ständigen Stop-and-Go auch ein vernünftiges Gemetzel zustande bringen. Gar kein Problem: Die Wirkung von KATE beginnt mit brummendem Bass im Magen und bäumt sich in den folgenden Stunden zu einer Pirouette auf, die euch Pistolenkugeln schlucken und Messerklingen absorbieren lässt, als würdet ihr aus Zuckerwatte bestehen. Der drohende körperliche Zerfall wird zum invertierten Countdown, den ihr in pure Energie umwandelt. Wahnsinnige Überschläge in hochgezüchteten Reisschüsseln lassen euch höchstens milde lächeln. Während die Neon-Unterbodenbeleuchtung eure lädierten Gesichtszüge umschmeicheln, winkt ihr Vin Diesel recht freundlich mit dem Mittelfinger, so dass er vor Neid sein letztes Haar verliert. Und was wäre so ein Amoklauf durch die japanische Hauptstadt schon ohne fiese Untergrundgestalten. Die könnt ihr mit Grummeln im Bauch nach allen Regeln der John-Wickeskunst filetieren, bis die Katana-Spitzen aus dem Nasenrücken ragen und gespaltene Schädeldecken und zarte Bluttröpfchen das Feng Shui in den eigenen vier Shoji aufwerten. Ein Tänzchen mit vier oder fünf mittelschwer bewaffneten Japanern lässt euch doch höchstens locker mit der Hüfte kreisen. Zu Eissäulen erstarrte Zeugen eurer Aufräumaktionen fordert ihr mit einem schelmischen Zwinkern zum Abgang und sie spuren auf der Stelle. Fun, fun, fun! Ihr gewöhnt euch so sehr an eure Rolle, dass ihr kurz das Schwarz am Ende des Tunnels vergesst und Spaß habt an dem, was ihr macht. Am Ende müsst ihr nicht einmal mehr selbst Hand anlegen. Wie Neo aus der Matrix setzt ihr euch einfach eine Sonnenbrille auf und geht lässig in Zeitlupe den marmorierten Catwalk einer Lobby entlang, während die Crazy 88 für euch die Kugeln fliegen lassen, denen auszuweichen völlig überflüssig wäre.

Ja, das ist KATE, unsere heißeste Cocktail-Kreation. Nur diese Woche in den Top Ten unserer meistgefragten Bestellungen. Mit Liebe und Kalkül von unserem Barkeeper aus angebrochenen Flaschen zusammengestellt. Probier-Aktion: Eine Boom Boom Lemon als Absacker inklusive. Nicht erschrecken, wenn ihr auf halbem Weg auf einmal kurz die ein oder andere ungewöhnliche Note ertastet. Solltet ihr glauben, auf Abwege zu geraten: Don't worry, 心配しないで, Unsere Grundformel bleibt selbstverständlich unangetastet und unsere Twists sollen den Gaumen nur kitzeln, nicht gleich den Rachen spalten. Also keine Sorge. Und wenn ihr im Nachgang doch einen bittersüßen Geschmack spürt, ein ungewöhnlich befriedigendes Aroma, eines, das beim Anblick der völlig fertigen Mary Elizabeth Winstead Assoziationen mit der jungen Sigourney Weaver zu Ripley-Zeiten erzeugt, zum Beispiel … dann haben wir vielleicht sogar eure Mom und euren Dad am Haken. Lasst sie doch mal probieren!

Ach ja, nicht vergessen: Schaut nächste Woche wieder vorbei, dann haben wir BLIZZ, FUZZ und SLURP im Programm!

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