Im fernöstlichen Osaka bzw. Tokyo ist die Auftragskillerin Kate (Mary Elizabeth Winstead) zugange - eigentlich eine Spezialistin auf ihrem Gebiet, versemmelt sie jedoch einen Auftrag, bei dem sie ein zwölfjähriges Kind erschießen soll. Da dies gegen einen bestimmten Kodex verstößt, verzögert sie die tödlichen Schüsse absichtlich und erledigt stattdessen nur den Vater der Kleinen. Ein paar Monate später steht der nächste Auftrag an, doch auch hier versagt sie, was ihren Boss und Mentor Varrick (Woody Harrelson) ein wenig stirnrunzeln läßt. Zusätzlich wird bei ihr eine Strahlenvergiftung mit Polonium 204 festgestellt, was ihr nur noch ein schmales Zeitfenster von 24 Stunden läßt, um ein bißchen in der Gegend herumzuballern und herauszufinden, wer sie da solchermaßen verarscht hat.
Der Film dreht sich hauptsächlich um diesen ihren letzten Tag, an dem gar wundersame Dinge geschehen: so trifft sie nicht nur die kleine Ani (Miku Patricia Martineau) wieder, einen verwöhnten Rotzlöffel mit Zöpfen und Spange, sondern auch ein paar sehr gefährliche Yakuzi-Gangster, die alle bewaffnet sind und ihr auch noch nach dem Leben trachten. Aber wie man schon erahnen kann, putzt Kate sie alle mit links weg, ja mehr noch, Ani, zuerst als ihre Geisel fungierend, wurde, wie sich herausstellt, auch verarscht, und jetzt treten die beiden als ungleiches Frauen-Power-Duo in Aktion und lassen die bösen Yakuzis so richtig für ihre Schandtaten büßen! Bling-Bling-Peng-Bumm-Bling! Weil der Film aber in Japan spielt und nicht nur 10- bis 13-Jährige, sondern auch Erwachsene ansprechen soll, werden flugs ein paar gute Yakuzis eingeführt, die die zunehmend schwächer werdende Auftragskillerin dann noch unterstützen. Weil: wirklich schuld an dem ganzen Dilemma ist ja ein (Zitat) arroganter Westler, der zu gierig wurde. Aber dieser westliche Fiesling kriegt jetzt voll eins auf die Nuss, dafür sorgen die (wenigstens nicht gierige) Auftragskillerin aus dem Westen und die ehrenwerten Yakuzis schon noch, versprochen!
Während des äußerst faden Beigeschmacks, den die Action-Komödie Kate hinterläßt (ich benötigte mindestens 3 Anläufe, um diesen handlungstechnisch weit unterdurchschnittlichen Schwachsinn bis zum Ende durchzustehen), drängt sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr die Frage auf, wer einen derartig vorhersehbaren, vor Klischees nur so triefenden Streifen mit solch bemerkenswert flachen Dialogen produziert und ob das anvisierte fernöstliche Publikum tatsächlich auf so einen billig-anbiedernden Müll hereinfällt.
Neben der unauffälligen Kate (kurze dunkle Haare, bemüht cool auftretend und immer zielsicher, außer sie will nicht treffen, siehe oben) und dem eher schweigsamen Woody Harrelson (grauer Dreitagebart, mit seiner Rolle klar unterfordert) entpuppt sich die junge Ani dann als "Star" des Films, vor allem wenn sie tränentreibend Kleinkindergedanken von sich gibt, während sie sich nicht entscheiden kann, ob sie die sterbenskranke Heldin mehr cool findet (während sie Selfies mit dieser macht) oder ob sie (im nächsten Gedankengang) doch mehr enttäuscht sein soll von ihrer Familie, die sie angeblich im Stich gelassen hat. Großes Kino... für schlichte Gemüter!
Kate wirkt im Großen und Ganzen dann auch wie eine mißglückte Comic-Adaption, bedient sich hier und da einiger Versatzstücke erfolgreicher Action-Vorbilder wie John Wick oder Crank, erreicht jedoch weder als Plagiat und schon gar nicht als eigenständiger Film auch nur irgendein Niveau. Die Badass-Attitüde nimmt man Hauptdarstellerin Winstead, die grundsätzlich nie von wild herumballernden Bösewichtern getroffen wird und darüber hinaus mit dem Sex-Appeal eines Ziegelsteins agiert, nur zögerlich ab, die "Handlung" ist jederzeit voraussehbar und die schlafwandelnden Kanonenfutter-Yakuzis, ja selbst deren Anführer wirken ähnlich inspirierend wie der Score aus japanischem Kirmes-Technopop. Mit einer kitschig rosafarbenen Neonreklame endet der Film dann so unspektakulär wie er begann, bevor der 12-minütige Abspann rollt.
Wofür kann man dieser Einschlafhilfe Punkte geben? Für die Lasergewehre, mit denen am Ende herumfuhrwerkt wird, weil deren Neonfarben so schön im Dunklen leuchten? Für einige blutige Effekte, die sauber ausgeführt wenigstens nicht ausgeblendet werden, schnell im Dutzend serviert jedoch auch keinerlei Wirkung entfalten? Dem Auftritt der verwöhnten Spangenträgerin, deren Vokabular sich hauptsächlich in "verpiss dich", "voll cool" und "scheisse" erschöpft? Oder dem ach so lustigen Running Gag um eine fiktive 12-Cent-Limonade namens Bang Bang Lemon?
Die höchst generische, ideenlose Netflix-Produktion Kate ist wohl nur etwas für die-hard Fans eines bestimmten Action-Subgenres, alle anderen Zuseher sollten vorsichtshalber einen großen Bogen darum schlagen - 1,51 Punkte.