Bei der St. Petersburger Polizei ist mal wieder der Teufel los: Während Polizeidirektor Prokopenko in Gegenwart einiger Honoratioren mit salbungsvollen Worten eine Statue einweiht, jagt einige Straßen weiter sein bester Mann, Igor Grom (Tikhon Zhiznevskiy) einen gekidnapten Geldtransporter, indem er diesen mit einem Müllwagen rammt - die halsbrecherische Aktion endet mit der Zerstörung des Denkmals und bringt Grom mal wieder dienstliche Schwierigkeiten ein. Doch als er kurz darauf ins Büro des Direktors zitiert wird (während seine feixenden Kollegen draußen schon fleißig wetten, daß er diesmal rausgeschmissen wird) bleibt es - wie so oft - bei einer Rüge. Denn Prokopenko, der väterliche Freund, weiß zu genau, was er an Grom hat: Der genauso unkonventionell wie unerbittlich gegen Gangster vorgehende Major bringt auch die gefährlichsten Bösewichte zur Strecke. Dabei sieht man dies dem unauffälligen schlanken Bartträger, der stets in zivil auftritt und dessen unverwechselbarstes Merkmal seine heiß geliebte Schiebermütze ist, äußerlich gar nicht an, lebt er doch recht bescheiden in einer schmutzigen Dachwohnung und ist seiner zurückhaltenden Art entsprechend eher ein Anti-Held.
Doch schon bald wartet eine neue Herausforderung auf ihn: Als ein verwöhntes Milliardärs-Söhnchen, das mit seinem Sportwagen ein Kind totgefahren hat, vor Gericht freigesprochen wird, taucht ein unbekannter Rächer auf: Mit einer mittelalterlichen Pestmaske und Flammenwerfern an den Handgelenken ausgestattet, zieht dieser Batman-Verschnitt das Bürschchen nachts aus seinem Luxusapartment und fackelt kurzerhand beides ab. Die Tat erregt großes Aufsehen in den sozialen Medien Russlands, die breite Masse empfindet Genugtuung über den Flammentod des Schnösels, dem man - stellvertretend für die privilegierte Oberschicht - alles durchgehen ließ, weil die grassierende Korruption auch vor der Gerichtsbarkeit nicht Halt macht. Als ein weiterer derartiger Mord geschieht (diesmal ein lokaler Abfallentsorgungs-Tycoon) solidarisieren sich immer mehr Menschen mit dem Pestdoktor, maskieren sich wie er und huldigen ihrem neuen Idol. Nur Grom kann dabei nicht ruhig zusehen: Derlei Feme-Morde sind nicht nach seinem Geschmack, und fortan ermittelt er mit seinem zugeteilten neuen Kollegen, wer hinter der Maske des Pestdoktors steckt...
Auf den ersten Blick wirkt die russische Comic-Adaption Major Grom: Der Pestdoktor ziemlich ähnlich gestrickt wie ihre diversen US-amerikanischen Vorbilder: Eine rasante Verfolgungsjagd gleich zu Beginn, ein wortkarger Held, der bei allen Kollegen aneckt und reichlich dämliche Sprüche - und schließlich ein neu aufgetauchter Rächer, der die Herzen des Volks im Sturm erobert, dabei aber in scharfem Gegensatz zur klassischen Polizeiarbeit handelt. Denn trotzdem er die verhassten Superreichen bestraft, beansprucht die Miliz und mit ihr Anti-Held Grom das alleinige Gewaltmonopol. Es bedarf nicht viel Phantasie, zu erahnen, daß Hauptdarsteller Grom am Ende den Pestdoktor zur Strecke bringt. Der Weg dorthin jedoch ist mit zahlreichen Kleinkämpfen gegen neue Vorgesetzte, den wie einen Klotz am Bein hängenden neuen Kollegen und ganz allgemein die widrigen Umstände vor Ort geprägt.
Während der Plot also nichts Neues bietet, mag das Setting in der russischen Millionenmetropole immerhin für Kurzweil sorgen, auch die Actionszenen sind einigermaßen glaubwürdig choreographiert und an den computergetricksten Explosionen gibt es auch nichts auszusetzen. Grom macht bei seinen Ermittlungen (die er im Verborgenen führen muß, da ihm ein fies grinsender neuer Vorgesetzter aus Moskau den Fall entzieht) die Bekanntschaft der bekannten Bloggerin Yulia Pchelkina (Lyubov Aksyonova), die wie alle jungen Leute die von Technik-Nerd Sergey Razumovskiy (Sergei Goroshko) soeben aus der Taufe gehobene neue Social-Media-Platform Vmeste für ihre ebenfalls recht unkonventionellen Recherche-Methoden über den Pestdoktor nutzt, was schließlich in ein Zweckbündnis mündet, und selbst der neue Kollege, ein naseweiser Brillenträger vom Typ Streber, der zum Schein in einem offiziell neu zugeteilten, sehr aufregenden Kriminalfall (gestohlene Kühlschränke) ermitteln muß, erweist sich später als große Hilfe. So geht es mit mal mehr, mal weniger lustigen Dialogen und Situationskomik drunter und drüber, bis am Ende der Bösewicht unschädlich gemacht wird.
Was in der - oberflächlich betracht - unpolitischen (Anti-)Superhelden-Komödie etwas untergeht, ist der Umstand, daß am Ende wieder der Status Quo hergestellt ist: Die Superreichen können sichs richten (auch wenn ein paar von ihnen flambiert worden sind), die Miliz sperrt nur ein und fragt nicht weiter nach den Hintergründen und die Gerichte urteilen wie bisher nach Größe des Geldbeutels. Der vermeintliche Philanthrop Pestdoktor, dem zu Beginn seiner Taten so viele nach Gerechtigkeit dürstende Leute nachliefen, hat sich als gefährlicher Psychopath herausgestellt und ist gottseidank von Major Grom gestellt worden. Das also ist die Botschaft? Das Volk möge sich nicht von vermeintlichen Rettern, die es "denen da oben" mal so richtig zeigen, blenden lassen, da sie in Wirklichkeit immer Böses im Schilde führen? Obgleich mir die Comic-Vorlage nicht bekannt ist, scheint dies die unterschwellige Message des Streifens zu sein. Und es ist auch absolut kein Wunder, daß die abgefeierte neue Social-Media-Platform einer Mischung aus Twitter und Facebook gleicht - genau wie die geradezu frappierende Ähnlichkeit der im Film gehypten Pestdoktor-Maske (aus dem Internet ausdruckbar, als T-shirt, Fahne, Plastik-Maske etc. um wenige Rubel allüberall erhältlich) mit der bei uns im Westen real verbreiteten Guy-Fawkes-Maske. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - es wäre allerdings auch weltfremd zu glauben, daß eine aktuelle Filmproduktion aus Wladimir Putins Sowjetunion 2.0 ohne dergleichen verkappte Propaganda auskommt...
Betrachtet man Major Grom: Der Pestdoktor im Vergleich zu seinen Marvel et al.-Pendants, so muß man zumindest die handwerklich saubere Machart rund um den Anti-Helden Grom (der er übrigens bis zum Schluß bleibt) zuerkennen; im Gedächtnis bleibt freilich nicht allzuviel haften, erwähnenswert scheint mir der Running-Gag "Denk nach!", mit welchem eine für Grom brenzlige Actionszene noch einmal von vorne mit allerdings anderem Ausgang abläuft, was öfters und auch mehrfach hintereinander passiert.
Somit leidlich unterhaltsam trotz vorhersehbarem Plot und nicht nur für Freunde von Comic-Adaptionen einen Blick wert: 6 Punkte.