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Ein tragischer Schicksalsschlag in Form eines diagnostizierten unheilbaren Krebsleidens reißt die dreiköpfige, glückliche Familie Cooper auseinander: Amanda (Adria Arjona), eine aktive, junge Mutter verliert nämlich nicht nur ihre Haare, sondern schlußendlich auch den Kampf gegen die heimtückische Krankheit, was ihre Teenager-Tochter Rachel (Isabela Merced) und Ehemann Ray (Jason Momoa), die bis zuletzt an ihrem Krankenbett ausgeharrt hatten, in tiefster Trauer zur Kenntnis nehmen müssen. Besonders erbittert ist Ray darüber, daß ein zwischenzeitlich entwickeltes Krebs-Medikament, welches neue Hoffnung für Amanda versprach, dann auf Betreiben eines konkurrierenden Pharma-Unternehmens doch nicht auf den Markt kam - er droht während einer Live-Schalte sogar dessen CEO, daß er ihn jagen werde, wenn seine Frau sterben sollte, doch davon ist nach deren Tod erstmal nicht die Rede, zumal sich Ray auch hoch verschuldet hatte, um die bisherige, teure Behandlung bezahlen zu können.
Monate nach dem traurigen Ereignis meldet sich anonym ein Journalist bei den Coopers, der Korruptionsbeweise gegen jenen CEO zu haben vorgibt und Ray als Pharma-Geschädigten in seine Enthüllungsstory einbauen möchte, doch als sich die beiden konspirativ in einer U-Bahn treffen, wird der Anrufer von einem Auftragskiller erstochen. Auch Ray, der mit dem Killer kämpft, sowie Töchterchen Rachel, die ihrem Papa trotz ausdrücklichem Verbot heimlich gefolg war, tragen Blessuren davon, während der Mordanschlag selbst ungeklärt bleibt. Doch Ray nimmt in der Folge den Kampf gegen den Pharma-Riesen wieder auf, schleicht sich verkleidet auf ein Charity-Event und kriegt den verantwortlichen CEO auch tatsächlich zu fassen, muß dann aber feststellen, daß es nicht genügt, der Heilmittel-Hydra nur einen Kopf abzuschlagen - und die Jagd beginnt...

Ein einzelner Mann im Kampf gegen die milliardenschwere Pharma-Lobby, mit dieser Thematik kann man eigentlich nichts falsch machen, dachte sich wohl auch Regisseur Brian Andrew Mendoza, doch sein Revenge-Thriller Sweet Girl vermag trotz des publikumswirksamen Sujets einfach nicht zu überzeugen. In erster Linie liegt dies an Hauptdarsteller Jason Momoa (Aquaman), denn mit dem vollbärtigen und langhaarigen Kleiderschrank assoziiert man schlichtweg keinen liebenden und trauernden Vater (den er sich durchaus darzustellen bemüht), sondern eher einen fiesen Drogenboss oder Auftragskiller. Daß er gegen Letztere dann selbst bestehen muß, und das auch noch ohne adäquate Waffen, macht seine Rolle zwar zusätzlich sympathisch, ändert aber nichts daran, daß mit dem grinsenden Zottel-Hünen einfach der falsche Darsteller gewählt wurde.

Während ihr Papa sich also auf seinen sechsten Sinn und seine Boxkünste verlassen und dabei oft improvisieren muß (nette Idee: Glockengurt an der Tür) während er in einer rostigen Kiste über Landstraßen flüchtet, redet ihm das ihn begleitende Töchterchen Rachel erstaunlich häufig und manchmal auch unerwartet altklug ins Gewissen: Isabela Merced (die mangels jeglicher optischer Ähnlichkeit allerdings nie und nimmer als Tochter ihrer Filmeltern durchgeht) macht ihre Sache dabei erstaunlich gut, obwohl sie trotz ihres jugendlichen Alters und ihrer zarten Figur ganz ihrem Vater folgt und sich durch hartes Training als talentierte Kickboxerin erweist. Ihr Plüschhase Paloma, ein letztes Geschenk ihrer Mutter, ist trotzdem stets mit dabei. Die weiteren Mitwirkenden bleiben blaß und unscheinbar - vom schmierigen Pharmakonzern-Chef und einer betont mitfühlenden FBI-Agentin einmal abgesehen - und sind daher keiner weiteren Erwähnung wert.

Eine halbe Stunde vor Schluß wartet das Drehbuch dann mit einem Plot Twist auf, der sich - wenn man dem Film bis dahin sehr aufmerksam gefolgt ist, was zugegebenermaßen etwas schwer fällt - bereits mittels einiger Ungereimtheiten angekündigt hatte, doch auch mit dieser Wendung wird der Plot nicht viel besser, denn nach wie vor kämpft ein David gegen den (Pharma-)Goliath, nunmehr aber unter etwas anderen Vorzeichen. Bezüglich der unvermeidlichen Actionszenen wird die Handlung dadurch allerdings noch ein Stückchen weniger glaubwürdig.
Am Ende gewinnt erwartungsgemäß selbstredend das Gute, doch einen bleibenden Eindruck vermag Sweet Girl in keiner Hinsicht zu hinterlassen. Für diese filmische Netflix-Dutzendware sind daher bestenfalls 4 Punkte drin.

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