Review

iHaveCNit: Red Rocket (2022) – Sean Baker – Universal
Deutscher Kinostart: 14.04.2022
gesehen am 15.04.2022 in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 20:30 Uhr

Der neue Film von Sean Baker nach seinem großartigen „The Florida Project“ mit dem Titel „Red Rocket“ ist natürlich auch ein Film, der seinen Platz in meiner Liste gefunden hat. Vor allem, als dieser Film in Vorbereitung zu Ninja Thybergs „Pleasure“ aus dem Januar dieses Jahres auf meinem Radar erschienen ist. Gerade weil er thematisch eine passende Ergänzung und für sich selbst genommen eine tolle filmische Erfahrung ist.

Mikey Saber war einst ein gefeierter Pornostar, der komplett mittellos von Los Angeles in seine texanische Heimat zurückkehrt. Nur widerwillig und nur gegen Gegenleistung darf er im Haus seiner Ehefrau und seiner Schwiegermutter wohnen. Die Suche nach Jobs in der Region ist vor allem aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit nahezu unmöglich, so dass er nach jedem Strohhalm greift um das notwendige Geld zu beschaffen. Dass er seine Vergangenheit in der Pornoindustrie noch nicht vergessen hat, das wird ihm klar, als der die 17-jährige Bedienung „Strawberry“ im Laden „Donut Hole“ kennen lernt und die für ihn eine Möglichkeit scheint, wieder in der Pornoindustrie Fuß zu fassen.

„Red Rocket“ ist ein interessantes und ambivalentes Charakterporträt eines naiven, extrovertierten, einnehmenden Opportunisten, der seinen besten Zeiten nachtrauert und mit jeder Entscheidung, die er aus guten Motiven heraus trifft wieder dort Fuß zu fassen sich eigentlich immer weiter davon entfernt. Dabei ist die Besetzung von Simon Rex ein absolut authentischer Glücksfall, denn seine Karriere gleicht der von Mikey Saber in Ansätzen und er trägt den Film mit ebendieser naiven, extrovertierten, energiegeladenen und einnehmenden Art und so schafft er es auch damit den Zuschauer selbst ein wenig zu manipulieren und mitzureißen. „Red Rocket“ ist aber auch ein interessantes Porträt eines Milieus in den ländlichen Regionen von Texas, in der die Hoffnung auf die Erfüllung des amerikanischen Traums eben nur eine Hoffnung bleibt und sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit einstellt. Inmitten der Zeit des Wahlkampfes 2016 zwischen Trump und Clinton und einer damit verbundenen Aufbruchsstimmung für die Region ist ein Typ wie Mikey Saber genau dieser Funken Hoffnung in den Augen derer, die noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben und einen Teil dieser Naivität für sich bewahren können wie die von Suzanna Son mit einer ebenso einnehmenden Naivität gespielte „Strawberry“. Aber die Auswahl des N´Sync-Klassikers „Bye Bye Bye“, der im Film an einigen Stellen intoniert und integriert wird kommt nicht von ungefähr, da der Text durchaus ein wenig symbolisch auch auf den Film anwendbar ist. Der Film selbst ist aber nur die sehr empathische und authentische Sicht auf den Status Quo der Charaktere und der Region ohne eine wirkliche Entwicklung zu bieten.

„Red Rocket“ - My First Look – 9/10 Punkte.

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