Halb Mensch, halb Lamm – voll verstörend.
Story-Zusammenfassung
Ein kinderloses Ehepaar – Maria (Noomi Rapace) und Ingvar – lebt abgeschieden irgendwo im ländlichen Island. Umgeben von endlosen Feldern, Nebel, Schafen und Stille, führen sie ein karges, ruhiges Leben. Doch dann passiert etwas Unfassbares: Eines Tages bringt ein Schaf ein merkwürdiges Wesen zur Welt – halb Tier, halb Mensch.
Ohne viel zu hinterfragen, nehmen die beiden das Wesen wie ein eigenes Kind auf, taufen es Ada und ziehen es groß, als wäre es das Natürlichste der Welt. Zwischen befremdlicher Normalität, Trauerbewältigung und emotionaler Leere entwickelt sich ein stilles, aber durchweg verstörendes Familiendrama.
Spätestens als Ingvars Bruder auftaucht und die „Tochter“ sieht, kippt die Stimmung endgültig in eine Mischung aus skurriler Akzeptanz und unterschwelliger Bedrohung. Und während das Muttertier (das Schaf, dem Ada weggenommen wurde) immer wieder auftaucht, meckert, schreit und irritiert wirkt, schleicht sich ein Gefühl ein: Das hier kann kein gutes Ende nehmen.
Und das tut es auch nicht: Am Ende taucht ein riesiger Ziegen-Mensch auf – halb Gottheit, halb Albtraum – holt sein Kind zurück und erschießt Ingvar. Die Mutter bleibt allein zurück. Ende. Keine Auflösung. Nur Fragen. Nur Leere.
Meinung
Lamb ist kein klassischer Horrorfilm. Er ist ein verstörendes Drama mit leichten Genre-Elementen, irgendwo zwischen Märchen, Psychodrama und abgründiger Metapher. Die Atmosphäre ist konstant unangenehm. Alles ist grau, trist, unterkühlt – es gibt kaum Farben, kaum Musik, kaum Dialog. Dafür umso mehr beklemmendes Schweigen und irre Blicke.
Diese surreale Grundstimmung wird durch die ruhige Inszenierung noch verstärkt. Der Film lässt sich Zeit. Viel Zeit. Und trotzdem bleibt man irgendwie dran – weil das alles so seltsam, so schräg und gleichzeitig so traurig wirkt. Und eben auch verdammt unangenehm.
Das Konzept eines Mensch-Schaf-Babys klingt erstmal lächerlich, aber der Film nimmt es todernst. Und genau das macht es so unheimlich. Man weiß nie, ob man lachen, weinen oder sich einfach nur unwohl fühlen soll.
Und ja – das Ende ist krass. Der Ziegenmann kommt, erschießt Ingvar, nimmt sein Kind mit – und lässt Maria zurück in absoluter Fassungslosigkeit. Keine Erklärung, kein Trost. Nur Kälte und Verlust.
Fazit
Lamb ist kein Film für jedermann. Wer schnelle Handlung, Erklärungen oder klassischen Grusel erwartet, wird enttäuscht. Wer aber auf symbolhafte, unangenehme, langsame und tief verstörende Filme steht – so wie Hereditary oder Cobweb, nur noch reduzierter – der bekommt hier eine besondere Erfahrung.
Filmisch stark, aber sehr speziell. Nichts zum Weggucken – aber auch nichts, was man einfach so wegsteckt. Ein Film, der hängen bleibt. Irgendwie.