iHaveCNit: The Innocents (2022) – Eskil Vogt – Capelight Pictures
Deutscher Kinostart: 14.04.2022
gesehen am 14.04.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Parkett - Reihe 4, Sitz 9 – 20:45 Uhr
Oft reichen nur wenige gute Wertungen im Vorfeld dazu, dass mein Interesse an einem Film geweckt wird. Im Fall von Eskil Vogts „The Innocents“ war das so. Und selten war eine Vorfreude auf einen Film so gerechtfertigt gewesen wie bei „The Innocents“, der eines der ganz großen Highlights des Filmjahres 2022 ist.
Ida und ihre große Schwester Anna ziehen mit ihren Eltern in eine Hochhaussiedlung. Da Anna nonverbal autistisch ist und mehr Aufmerksamkeit ihrer Eltern benötigt und Ida dem Umzug nicht so wohlwollend gegenübersteht, geht sie nach draußen auf den Spielplatz und trifft den jungen Ben, der ihr im naheliegenden Waldstück seine feinen übernatürlichen Kräfte präsentiert. Nicht nur Ben scheint übernatürliche Kräfte zu besitzen – die ebenfalls im Wohnblock lebende Aisha scheint eine ganz besondere Verbindung zu Idas Schwester Anna zu haben. Je mehr sie diese Fähigkeiten ausloten, umso mehr entspinnt sich eine grausame Abwärtsspirale.
„The Innocents“ entführt uns mit einer unfassbar empathischen Art in die Welt der Kinder. Mit welchem Feingefühl der Regisseur Eskil Vogt hier sowohl die Regeln dieser Welt, die Gefühle der Kinder und auch die Grenzen von Moral auslotet ist großartig. So manch einer könnte bei der Idee des Films automatisch an Filme wie „Brightburn“ oder auch „Chronicle“ - den ich noch nicht gesehen habe – denken und vielleicht auch ein wenig an X-Men – aber der Film ist der extreme Gegenentwurf zu „X-Men“ und verbindet das Ganze mit einer feinen Milieu- und Sozialstudie. Der gesamte Aufbau des Films schafft eine Spannung und Unbehagen, wie ich es vor allem auch bei den Slowburnern „Hereditary“ und „Midsommar“ von Ari Aster erlebt habe. Die Spannungs- und Gewaltmomente, die ich in diesem Film erlebt habe sind sehr punktuell, kraftvoll und auch grausam und unangenehm. Getragen und unterstützt wird das alles von einem großartigen Quartett aus den Kinderdarstellern Rakel Lenora Flottum, Alva Brynsmo Ramstad, Sam Ashraf und Mina Yasmin Bremseth Asheim. Handwerklich ist der Film sowohl visuell durch die Kameraarbeit von Sturla Brandth Grovlen als auch audiell durch Pessi Levantos sehr unbehaglichen streicherlastigen Soundtrack und das feine Sounddesign auf Perfektion getrimmt. Über „The Innocents“ könnte man noch so viel mehr erzählen und schreiben, ich will es an dieser Stelle aber erst einmal sein lassen, denn der Film ist ein Highlight meines Filmjahres 2022 und für jeden halbwegs daran Interessierten ein Must-See.
„The Innocents“ - My First Look – 10/10 Punkte.