Review

Unschuldig sind Kinder allenfalls im Märchen oder im klassischen Heimatfilm, denn spätestens 1960 wurde mit „Dorf der Verdammten“ offenbart, dass zuweilen eine niederträchtige Brut ihr Unwesen treibt. Der norwegische Autor und Regisseur Eskil Vogt versetzt sich in die Welt junger Heranwachsender, die beim Austesten von Grenzen selbige rasch überschreiten.

Die neunjährige Ida (Rakel Lenora Fløttum) ist nicht gerade erfreut über den Umzug ihrer Familie in eine Hochhaussiedlung, zumal sich ihre Eltern vermehrt um die unter Autismus leidende Schwester Anna (Alva Brynsmo Ramstad) kümmern. Während Ida den etwa gleichaltrigen Ben (Sam Ashraf) kennen lernt, der per Gedankenkraft kleine Gegenstände bewegen kann, freundet sich Aisha (Mina Yasmin Bremseth Asheim) mit Anna an, mit der sie auf telepathischem Wege kommunizieren kann. Mit dem Erweitern der Kräfte wachsen allerdings auch Gefahren destruktiven Einsatzes…

Vogt lässt sich Zeit, das Umfeld der Grundschulkinder zu durchleuchten und verlässt dabei nur selten die Sicht der Protagonisten. Die Fähigkeiten von Telekinese und Telepathie werden zu keiner Zeit hinterfragt, noch werden sie genauer erklärt, weshalb sie möglicherweise an den Ort gebunden sind oder als gegeben hingenommen werden müssen. Denn über derartige Dinge kommunizieren die vier mit den Eltern nicht, - man würde ihnen ohnehin nicht glauben.

Insofern gestaltet sich die Erzählweise als eine recht nüchterne, was beim Anschlagen radikalerer Töne umso mehr ins Mark geht. Noch bevor die paranormalen Fähigkeiten weiter ausgetestet werden, sind bereits Verhaltensauffälligkeiten auszumachen und schon bald kristallisieren sich zwei Sympathieträger ebenso deutlich heraus, wie jemand, der vermehrt gegen den Strom schwimmt. Früh wird eine beklemmende Stimmung etabliert, während düstere Vorahnungen konkrete Formen annehmen.

Allzu viele Spezialeffekte setzt Vogt nicht ein, doch die wenigen sehen durchweg stark gestaltet aus, während das Sounddesign ebenfalls überzeugt. Den größten Pluspunkt bilden allerdings die vier jungen Darsteller, allen voran Alva Brynsmo Ramstad, die als Autistin in Sachen Gestik und Motorik besser nicht hätte performen können.

Mitunter gestaltet sich der Genremix regelrecht boshaft und an manchen Stellen fühlt man sich gar an die Reihe „Final Destination“ erinnert, wenn das Böse zwar mit Ankündigung zu Werke geht, dabei aber erst noch genüsslich um den potenziellen Tatort geistert.
Minimale Längen sind innerhalb der 117 Minuten zwar auszumachen, Action oder ein flottes Tempo sollte man nicht erwarten, wohl aber einen fiesen kleinen Film, der mit seiner vermeintlichen Bodenständigkeit zu punkten vermag.
7,5 von 10

Details
Ähnliche Filme