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Norwegen in den Sommerferien. Die kleine Ida und ihre Familie ziehen in einen Hochhauskomplex. Alles ist fremd und neu, auch für Idas autistische Schwester Anna ist dies eine Herausforderung. Bald lernt Ida auf dem sich vor dem Haus befindlichen Spielplatz auch andere Kinder kennen. Manche von ihnen scheinen übernatürliche Fähigkeiten zu haben.

Der auf diesen Mikrokosmos begrenzte Raum mitsamt ein paar wiederkehrenden Schauplätzen macht das Szenario umso griffiger, trotz der mysteriösen Komponente, die die Geschichte durchdringt. Dass solche Kräfte in Kinderhände gelegt werden, in die von „Unschuldigen“, wie es der Titel suggeriert, schafft schnell eine bedrückende Atmosphäre. Beginnt dies noch spielerisch, spitzt sich die Lage aufgrund der von den Figuren ausgelösten Ereignisse immer weiter zu.
Das ist für Genrekonventionen realistisch gehalten und entwickelt, macht das Ganze aber somit nur umso schlimmer und mündet in ein reduziertes und doch so mitreißendes Finale. Ein Hauch von Stephen King umweht manchen Baustein dieser Geschichte, bei der es interessant zu sehen ist, wer welche Richtung nimmt und wie aus Spiel Ernst wird.

Eskil Vogt, der die Regie übernahm und auch das Drehbuch verfasste, lässt sich dabei Zeit. Vielleicht einen Tick zu viel an mancher Stelle. Trotzdem ist die Entwicklung ansprechend inszeniert, funktioniert zu einem großen Teil auch aufgrund der hervorragenden Leistungen der Kinderdarsteller. Hervorzuheben sind hier Rakel Lenora Fløttum als Ida und Alva Brynsmo Ramstad als Anna. Selten wirkte ein Spiel in dieser Altersklasse so ungekünstelt. Doch auch die Anderen machen ihre Sache sehr gut, erwachsene Darsteller sind da eher Randfiguren.
Auch visuell ist der Film merklich gelungen, Schnitt und Kamera fallen positiv auf, wohingegen die Akustik mit manchem Effekt etwas zu gewollt wirkt.

„The Innocents“ ist ein starker Genrebeitrag, etwas Geduld sollte man aber mitbringen. Ebenso Drama wie Horror, den übernatürlichen Aspekt dabei nie in den Vordergrund konstruierend, sondern ihn auch als Transportmittel nutzend. Nicht ohne Schwächen, aber die Stärken wiegen das auf.
Macht in unreifen Händen.

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