Im Marseille der Gegenwart regiert das Verbrechen: ganze Stadtviertel sind unter der Kontrolle von Drogengangs, die hier nicht nur auf den Straßen das Sagen haben, sondern auch einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stoff herstellen, dessen Verkauf sie unerbittlich gegen konkurrierende andere Dealer verteidigen. Ein heißes Pflaster also für die französische Polizei, die hier keinen Zutritt hat und wenn sie doch einmal erscheint, stets von eilig zusammengetrommelten Vermummten mit Müllbeuteln und Autoreifen beworfen wird. In solch einem Problemviertel im Norden Marseilles ermittelt die titelgebende BAC Nord, deren 3 Mitglieder Greg (Gilles Lellouche), Antoine (François Civil) und Yass (Karim Leklou) ein eingeschworenes Team bilden, das sich nach Kräften bemüht, Erfolge zu erzielen. Der zermürbende Alltag besteht aus der Verfolgung von Mopeddieben oder aber, wenn gar nichts anderes geht, aus der Festnahme von Schildkrötenhändlern auf einem arabischen Markt - denn nur solche kleinen Erfolge zählen bei Jérôme (Cyril Lecomte), dem Chef der BAC Nord, der selbst unter dem Druck seiner Vorgesetzten steht und statt solcher Bagatellen viel lieber überführte Drogenhändler präsentieren würde.
Antoine, der Frauentyp des Trios, hat sich mit der jungen Ghetto-Bewohnerin Amel (Kenza Fortas) angefreundet, die ihm dann und wann einen kleinen Tip zukommen läßt, wo im Viertel gerade ein Dealer aktiv ist - im Tausch für etwas Stoff, den Antoine verbotenerweise von beschlagnahmter Ware abzweigt. Ein ungesetzliches, aber nicht unübliches Vorgehen, um wenigstens an ein paar Infos aus dem ansonsten hermetisch abgeriegelten Ghetto zu kommen. Doch ein mühsam geschnappter Dealer ist auf Dauer natürlich zuwenig, und Antoine, der wie alle anderen Kollegen unter Ermittlungsdruck steht, versucht nun herauszubekommen, in welchem Wohnblock sich eine der Giftküchen bzw. das Hauptlager befindet. Amel, die kiffende Kleindealerin, geht ein hohes Risiko ein, diese Informationen zu beschaffen und verlangt dafür 5 Kilo Stoff - eine Größenordnung, die auch von dem engagierten Trio kaum beschafft werden kann und die BAC-Chef Jérôme sowieso rundweg ablehnt. Dennoch versuchen Greg, Antoine und Yass das Unmögliche möglich zu machen...
Eine erfundene Geschichte nach wahren Begebenheiten (als Vorlage diente ein realer Polizeiskandal 2012) untertitelt Regisseur Cédric Jimenez seinen Polizei-Thriller BAC Nord, der eine gute Stunde lang ordentlich Action bietet, dann aber zum Drama wird, an dem die 3 Hauptakteure zu zerbrechen drohen. So unterschiedliche Persönlichkeiten Letztere auch sind, an ihrer Redlichkeit und ihrem gegenseitigen füreinander einstehen besteht von der ersten Sekunde an kein Zweifel, was dem Zuschauer ein erfreulich authentisches Bild der eingeschworenen Truppe vermittelt. Herausragend hier die Leistung von Gilles Lellouche, der als schweigsamer, dafür umso fokussierterer Ermittler buchstäblich alles gibt, die Drogendealer festzunageln. Der kurzhaarige, private Einzelgänger mit den markanten Gesichtszügen geht in seiner Rolle förmlich auf und treibt das Geschehen unermüdlich voran, unterstützt von Yass (der gerade Vater geworden ist und auf seine Frau Rücksicht nehmen muss) und dem stets fröhlich wirkenden Jüngsten der Gruppe, Antoine, der gerne selbst mal einen Ofen durchzieht und dessen dringend benötigte street credibility sich in flotten Sprüchen, kurzen Hosen und einem Real-Madrid-Trikot manifestiert.
Die Actionszenen inklusive oftmals mit wackeliger Handkamera gedrehten Verfolgungsjagden wirken authentisch, die Bedrohungsszenarien mit steineschmeissenden Jugendlichen und demolierten Polizeifahrzeugen können ebenfalls überzeugen und BAC Nord wirkt lange Zeit wie ein typischer Vertreter seines Genres, dann jedoch dreht der Film in eine andere, eher nicht erwartete Richtung und gewährt einen Einblick in ein anderes Geschehen, das den Zuschauer wohl auch zum Nachdenken bewegen sollen. Wenn dann zum Schluß der nur allzugut bekannte Song House of the rising sun (in der bekannten Version von den Animals) die letzten Einstellungen begleitet, mag sich der als Actioner gestartete BAC Nord wohl auch als eine filmische Anklage verstanden wissen.
Fazit: Ein durchaus sehenswerter französischer Drogenthriller, dessen erste zwei Drittel Laufzeit dank flottem Erzähltempo und ebenso abwechslungsreicher wie ambivalenter Besetzung auch gut als einzelne Episode einer ganzen Staffel denkbar gewesen wären - so aber bleibt BAC Nord ein in sich abgeschlossenes Filmkapitel, das sich solide 7 Punkte verdient hat.