An ihr packendes Debüt „Inside“ von 2007 konnte das französische Regieduo Alexandre Bustillo und Julien Maury bis dato zwar nicht anknüpfen, doch es folgten immer mal wieder brauchbare Beiträge im Düsterfilmbereich. In diese Kategorie fällt auch „Deep House“, der mit einer außergewöhnlichen Prämisse lockt.
Die Urban Explorer Tina (Camille Rowe) und Ben (James Jagger) hat es in den Südwesten Frankreichs verschlagen, wo sie am Grund eines Sees auf ein Herrenhaus stoßen wollen. Ausgestattet mit moderner Taucherausrüstung und Sauerstoff für eine Stunde erkunden sie das erstaunlich gut erhaltene Anwesen, welches einst der Familie Montégnac gehörte. Doch gerade als alle Räumlichkeiten erkundet scheinen, ist der einzige Ausgang verschlossen…
Spukhäuser bilden ja ein überaus häufig verwendetes Sujet im Horrorbereich, doch ein selbiges komplett unter Wasser zu erleben, bietet eine willkommene Abwechslung.
Nach 20 Minuten, nach einer Stippvisite in einem Geistervorort, geht es bereits zum Tauchgang, bei dem sich rasch eine klaustrophobische Atmosphäre einstellt. Gedreht wurde tatsächlich unter Wasser mit professionellen Tauchern, was der Glaubwürdigkeit ebenso zugute kommt, wie die Details der Ausstattung, welche ein ums andere Mal für kleine Erschreckmomente sorgen.
Leider bleiben die Charakterisierungen des Abenteuerpaares eher dürftig, - sie die Vorsichtige, er der Draufgänger. Damit die Kommunikation ab dem Tauchen nicht gänzlich ausbleibt, sind die beiden akustisch miteinander verbunden, während eine Unterwasserdrohne schwer zugängliche oder vermeintlich gefährliche Ecken erkundet, was die latent beklemmende Grundstimmung noch verstärkt. Ein weiterer Pluspunkt, zumindest für eine geraume Zeit, ist die ruhige Herangehensweise, die sich komplett auf das Setting stützt und nur zaghafte Hinweise auf paranormale Begebenheiten setzt.
Darauf wollten Bustillo und Maury offenbar nicht gänzlich vertrauen, weshalb das letzte Drittel im fast schon ärgerlichen Kontrast zum atmosphärischen Erkunden steht. Als wäre plötzlich ein Schalter umgelegt worden, wird die Situation unübersichtlich, aus unerfindlichen Gründen kommen Farbfilter zum Einsatz und anbei gibt es Unterwasserwirbel, die kaum mehr etwas zuordnen lassen. Die schwache Erklärung für den Spuk wird mit Bildern früherer Begebenheiten an dramaturgisch ungünstiger Stelle eingeschoben und auch der Ausgang stimmt nur bedingt zufrieden.
Den wenigen Mimen (James Jagger ist der Sohn von Mick Jagger) ist bei alledem kein Vorwurf zu machen, handwerklich ist überdies nichts anzukreiden, doch der großartigen Ausgangsposition mangelt es an ordentlich ausgearbeiteten Kniffen, welche der ohnehin schon dünnen Story den notwendigen Pep hätten verpassen können.
Freunde düsterer Unterwasserabenteuer könnten dem Treiben, bei dem nach 76 Minuten bereits der Abspann einsetzt, eventuell etwas abgewinnen können, denn zumindest zündet die Atmosphäre, wogegen in Sachen Spannung deutlich mehr möglich gewesen wäre.
Knapp
6 von 10