Dass Superstar Harrison Ford seit Jahren nur gut einen Film pro Jahr dreht, ist bei der Maschinerie Hollywood verständlich – und solange er Filme wie „Hollywood Cops“ dreht, ist es ihm sogar hoch anzurechnen, dass man ihn nicht öfters sieht.
Regie bei diesem Fiasko führte Ron Shelton, der in seiner bisherigen Karriere sowieso noch keinen gut fokussierten Film hingelegt hat, „Dark Blue“ war eine ordentliche, aber unaufregende Produktion, „Tin Cup“, „Weiße Jungs bringens nicht“ und „Annies Männer“ zerfaserte Gurken ohne das richtige Timing.
Warum man dann diesen Mann an eine Art Buddy-Comedy heranläßt und zwar schon als Autor (!!!), ist schon mal fraglich (vor allem weil der Film als Drama gedacht war) – wenn dann aber die Rollen auch noch mit Ford und Josh Hartnett besetzt werden, dann ziehen düstere Wolken auf.
Ich will jetzt nicht Erfolge oder schauspielerische Leistungen schmälern, aber in Sachen Comedy sind beide nicht gerade etwas, über das man gern lacht. Zwar ist Ford in seinen Abenteuerfilmen oft ein Meister der Ironie gewesen, aber das war eine dankbare Begleiterscheinung, während Hartnett überhaupt erst in einer guten Komödie („Über kurz oder lang“) einen Rolle hatte – allerdings auch in einer superschlechten („Stand, Land, Kuss“).
Und diese Figuren spielen also jetzt zwei Polizisten in Hollywood, der eine überschuldet die meiste Zeit dabei, Immobiliengeschäfte abzuwickeln, der andere ein (wie originell…) ein Schauspielaspirant, der auf Tantra und Yoga steht.
Wem das noch nicht alle Zähne gezogen hat, der bekommt dann auch noch einen haarsträubenden Fall: eine Gruppe Rapper wurde erschossen! Verdächtig binnen zwei Minuten: ihr ehemaliger Produzent.
Die Pointe: er ist es dann auch.
Tatsächlich hat der Film nicht mehr zu erzählen, häuft aber eine Nebensächlichkeit auf die andere. Fords Schulden, sein Verhältnis zu einer Wahrsagerin, die sich als Exfrau des internen Ermittlers entpuppt, der Ford an die Hacken will, ein Fleiss-ähnlicher Callgirlring, Hausverkaufsversuche und aller möglicher Tralala.
Die ganze Szenerie wirkt genauso unecht wie die Scheinwelt Hollywoods und während einer Verfolgungsjagd entblödet man sich tatsächlich nicht, durch einen Obststand und eine Glasscheibe zu fahren. Ist das dann Ironie?
Wäre es vielleicht, wenn der Film eine Attacke auf das Showbiz reiten würde, aber warum ermittelt man in der größten Filmmetropole dann im Musikgeschäft?
Ehrenpunkte gibt’s nur, weil die Mimen sich nicht komplett zum Affen machen, sondern sorgfältig alles abarbeiten, was das Skript vorgibt und während Hartnett nun mal sehr beherrscht ist, hat Ford die Souveränität, sich durch seine ewigen Handytelefonate zu quälen ohne dabei schlecht auszusehen.
Ein, zwei Szenen sind tatsächlich ganz lustig, etwa wenn die beiden sich beim Verhör nach der eigenen Verhaftung um alles kümmern, nur nicht um die Situation, in der sie sich befinden. Aber das hilft nichts, wenn das Buch nichts hergibt.
Der erste Verdächtige ist auch der Täter und weil sie ihn nicht mit Beweisen überführen können (Stadt der Illusionen, oh ja…), dödeln sie solange in der Gegend rum, bis er und sein Leibwächter endlich das Feuer eröffnen und sich selbst belasten.
Zwischendurch taucht dann, man glaubt es kaum, Gladys Knight, als Mutter eines Verdächtigen auf und fasst mal eben den Fall und die Hintergründe für uns und die Hauptfiguren in einen Off-Rede zusammen, quasi aus der Luft gegriffen.
Schön, dass wenigstens sie den Überblick behalten hat.
Ansonsten viele Gags, die untergehen wie bleierne Enten; konstruierte Verfolgungsjagden, die in allen Gelenken knirschen; bisweilen ein paar Anleihen bei Klassikern und nicht zuletzt natürlich eine Autojagd quer durch den berühmtesten Stadtteil Amerikas, inclusive Graumans Chinese Theatre.
Und so wenig, wie die Figuren der Fall hier anzugehen scheint, so wenig kümmert es uns, was da auf der Leinwand passiert.
Der Film war ein gigantischer Flop (nur 30 von 75 Mio. kamen in den USA wieder herein) und angesichts der pointenarmen Eskapaden kommt einem das wie Geldverbrennung vor.
Kein Wunder also, dass Joe Roths „Revolution Studios“ pleite gegangen ist. (3/10)