Costas Mandylor, der Horrorfreunden durch die Reihe um „Saw“ ein Begriff sein dürfte, wirkte bereits in zahlreichen Düsterfilmen mit und konnte sich nie in die erste Liga hoch kämpfen. Sein hiesiger Auftritt bildet jedoch den Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere, denn er spielt als lüsterner Arzt in einer Seifenoper mit, die via Röhrenfernseher ausgestrahlt wird. Also beim Film im Film, der auf die eigentliche Handlung keinerlei Auswirkung hat.
Via App können die Freunde um Musikproduzent Calvin und Bloggerin Alexa ausmachen, wo gerade ein verlorener Laptop aufzufinden ist. Sie landen bei den Cunninghams, wo der Herr des Hauses, Dr. Gene im Keller der plastischen Chirurgie frönt. Da kommt ihm die Gruppe jugendlicher Gesichter für seine Experimente gerade recht…
Es hätte einige bissige Seitenhiebe in Richtung Schönheitswahn in Medien und sozialen Plattformen geben können, die sich aufgrund des Themas geradezu aufdrängen. Doch wenn sich Bloggerin Alexa anfangs an einen Schönheitschirurgen wendet (und im letzten Moment abspringt), ist es mit der Glaubwürdigkeit dahin, da die Dame so aussieht, als hätte sie bereits einige Zeit auf dem OP-Tisch verbracht.
Überhaupt nimmt sich der Stoff erschreckend ernst und führt eine Gruppe junger Menschen ein, von denen niemand auch nur ansatzweise als Sympathieträger taugt. Arrogant, oberflächlich, medikamentenabhängig, dem Hochprozentigen zugetan und kollektiv auf Äußerlichkeiten bedacht wäre ein hoher Bodycount ein hinnehmbarer Kollateralschaden.
Schließlich muss der fiese Gesichtsklempner in Übung bleiben.
Und der agiert nicht allein, sondern ist von einigen klischeehaften, jedoch durchaus markanten Erscheinungen umgeben. Es gibt noch eine scheinbar nette Omi, einen hünenhaften, auffallend dünnen Gehilfen und einen teuflisch grinsenden Jungen, dessen wahre Absichten sich nie so recht erschließen. Ohnehin stehen am Ende einige Fragezeichen im Raum, denn wie gelangte der Computer ins Haus der Cunninghams und warum alarmiert man nach dem Verschwinden eines Freundes und dem Fund seines Autos vorm Haus nicht einfach die Cops? Dass die potenziellen Opfer in entscheidenden Momenten irrational handeln, erscheint hingegen fast schon obligatorisch.
Was die dünne Story noch so einigermaßen beisammen hält, sind die treffend besetzten Fieslinge in ordentlicher Spiellaune und die operativen Eingriffe des verrückten Schnipplers. Einige Male hält die Kamera voll drauf, wenn etwa ein Augenlid und eine Unterlippe dem Skalpell zum Opfer fallen und die Folgen einer doppelten Amputation von Unterschenkeln ist ebenfalls nicht schön anzusehen. Die Effekte sind durchweg handgemacht und verfehlen ihre Wirkung nicht.
Dagegen kommt das weitgehend ideenlose Drehbuch leider nicht an, denn spannende Einlagen sind zwar auszumachen, doch vieles bleibt vorhersehbar, während manche Punkte bis zum Ende kaum bis gar nicht geklärt werden. So könnten Splatterfans einen vorsichtigen Blick riskieren, doch mehr als durchschnittliche Kost erhält der Genrefreund letztlich nicht.
4,5 von 10