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Staffel 1

Auf einer Hochschule bei Tel Aviv ist gerade eine Abschlußzeremonie im Gange, als mehrere maskierte Killer mit gezogenen Waffen um die Ecke kommen und das Feuer eröffnen. Vier Tote sowie einige Verwundete bleiben zurück, doch als die eilends verständigte Polizei das Gelände sperrt und durchsucht, können weder die Tatwaffen noch die Täter ausfindig gemacht werden - Kommissar Rami Davidi (Guri Alfi), früher selbst Absolvent der Schule, steht vor einem Rätsel.
Zwar entdeckt der drahtige Endvierziger mit dem Glasauge auf dem Dach der Schule drei palästinensische Wanderarbeiter, die sich dort versteckt hatten, als die Schießerei begann, und die von Polizeichefin Ruso nur allzu bereitwillig der neugierigen Presse als sogleich gefasste Täter präsentiert werden sollen, doch ist sich Rami sicher, daß diese nichts mit den Toten zu tun haben - sie werden am nächsten Tag freigelassen. Wo aber sind die Killer, die mit weißen Einhornmasken ziemlich zielstrebig ein Blutbad angerichtet hatten, und vor allem: wer sind diese Attentäter, deren Tatwaffen sich in nichts aufgelöst zu haben scheinen? Für Kommissar Rami gibt es nur eine einzige Möglichkeit: die Täter stammen aus den Reihen der Schüler...

Die israelische Krimi-Reihe Black Space thematisiert eine Mordserie auf einem Campus, in der sich ein Kommissar mit Ecken und Kanten in die ihm fremde Gefühlswelt von 18- bis 20-jährigen jungen Erwachsenen hineinversetzen muß. Frei von jeglicher politischer Dogmatik geht es nach dem bekannten whodunit-Prinzip um Macht und Einfluß der Schülercliquen untereinander. Leider jedoch sind sämtliche Schüler durch die Bank entweder narzisstisch, arrogant oder vermeintlich clever und in Wirklichkeit einfach nur dumm, selten war ein kompletter Cast derart unsympathisch wie in Black Space. Auch bei den Erwachsenen erreichen gerade mal die schwangere Lebensgefährtin und die Jugendermittlerin so etwas wie Normalformat (die Polizeichefin wie auch die stupiden Eltern der Schüler, die keine Ahnung vom Treiben ihrer Kinder haben, sind schlichtweg als Brechmittel zu bezeichnen), sodaß man sich gezwungenermaßen mit dem komplett in den Fall vertieften, zu keinen zwischenmenschlichen Beziehungen fähigen einäugigen Kommissar solidarisieren muß, um nicht aus Desinteresse vorzeitg abzudrehen. Immerhin ist es einigermaßen spannend, die erst nach und nach aufgedeckten diversen Vorgeschichten der jungen Kotzbrocken mitzuverfolgen, um die Motivation für die Morde zu begreifen.

Hauptdarsteller Rami, der die Schule vor Jahrzehnten absolviert hatte, plagt ein entzündetes (Glas-)Auge, das bald durch ein neues ersetzt werden muß. Doch Rami macht sich darüber keinen Kopf, auch seine hochschwangere Lebensgefährtin zuhause sieht er meist unverwandt an, überhaupt scheint der bärtige Polizist, der wie ein Einzelgänger auftritt, keine soziale Kompetenz zu besitzen. Umso mehr stört es ihn, daß ihm die Jugendermittlerin Morag (Reut Alush) dienstlich zur Seite gestellt wird, doch nachdem die junge Frau sich von dem bärbeißigen Kommissar nicht vertreiben läßt, kann dieser schon bald auch von ihrer Kompetenz profitieren. Daß dabei im Laufe der 8-teiligen Serie manches stark strapazierte Klischee bemüht wird (Einzelkämpfer-Bulle mit selbstgewählter Mission, der auf Vorschriften scheißt und später auch mal suspendiert wird etc.), muß man eben in Kauf nehmen.

Vermeidbar wäre allerdings eine Reihe von Fehlern gewesen, von denen zwei hier benannt werden sollen: eng mit der Historie des Kommissars verbunden ist dessen Glasauge, das gegen Ende der Staffel dann ersetzt werden muß. Wieso er dann mehr als eine ganze Folge lang deutlich sichtbar die Pupille bewegt (was bei einem Glasauge unmöglich ist), kann nur als Schlamperei bezeichnet werden - der Schauspieler hat nämlich in Wirklichkeit gar kein Glasauge. Einen weiteren Fehler macht das Drehbuch bei einem 3-D-Drucker, der eine wichtige Nebenrolle spielt - wieso dieser nie be- oder wenigstens überwacht wird, obwohl dessen Funktion allen Beteiligten bekannt ist, läßt einen nur den Kopf schütteln. Überhaupt werden die gemeinhin als streng bekannten Sicherheitsmaßnahmen in Israel als ziemlich lax dargestellt.

Sollte Black Space (der Titel bezieht sich auf ein von den meisten der 400 Schüler genutztes anonymes Chat-Portal) über einen reinen Kriminalfall hinaus auch ein kritisches Abbild israelischer Hochschüler darstellen (ein entsprechender Seitenhieb auf deren Direktor ist unübersehbar), möchte man direkt hoffen, daß diese Ansammlung von verlogenen, promiskuitiven und drogendealenden Intriganten nur der Phantasie des Drehbuchschreibers entsprungen ist und keine Entsprechung in der Wirklichkeit hat.

Trotz der genannten Schwächen ist auch diese Serie dank vorhandener Spannung (erst am Ende der vorletzten Episode steht fest, was eigentlich passiert war und wer für die Folgen verantwortlich ist) gut mitzuverfolgen, auch wenn das Finale eher unspektakulär ausfällt und die letzte zu klärende Frage statt einer Antwort eine Option auf eine zweite Staffel erkennen läßt: 5,51 Punkte.

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