CHARADE ohne den Romantikfaktor, das trifft am besten als Umschreibung für den amerikanischen TV Film TÖDLICHES GOLD zu, der von einer ganz ähnlichen Ausgangskonstellation ausgeht und auch ansonsten nicht allzu viele Abschweifungen darbringt; aufgrund einer anderen, wesentlich unlockeren Erzählweise natürlich insgesamt anders ausfällt.
Auch hierbei sind mehrere Parteien hinter einem McGuffin her, diesmal geht es um die verschwunden Beute aus einem längst geschehenen Überfall, immerhin 5,5 Millionen Deutsche Mark. Der letzte Wissende des möglichen Aufenthaltsortes kommt bei einem Autounfall ums Leben; seine Tochter Cathy [ Lesley Ann Warren ] wird von 3 ehemaligen Komplizen unter Druck gesetzt. Der Amerikaner Jake Webster [ Roy Scheider ], der jetzt ein Restaurant mit Bar betreibt, soll sich im Auftrag von Major Barney Caldwell [Richard Basehart ] um sie kümmern und die Beute aufstöbern. Als nacheinander die ersten Leichen immer in Webster's Nähe auftauchen, nimmt ihn die Polizei in Haft.
Purer Krimi mit einigen Thrillereinschüben, der über ein relativ festen dramaturgischen Aufbau, aber gar keine wirkliche Aufregung oder gar Suspense verfügt; die Spannung aber trotzdem in gediegenem Tempo halten kann. Actionmässig geht es bis auf einige Handgreiflichkeiten und eine kurze Autoverfolgungsjagd durch die bayrische Hauptstadt gar nicht zur Sache, obwohl die Atmosphäre mehrmals fast danach schreit, da versagt das Budget wohl auch.
München selber schaut übrigens sehr heruntergekommen aus, mag an dem leicht betagten Herstellungsjahr oder dem kalten Herbstwetter gelegen haben, Postkartenidylle ist das jedenfalls nicht. Trotzdem hat die gelblich verblasst wirkende Location etwas, kommt als Setting dem Film durchaus zugute.
Als Identifikationsfigur muss trotz der durchaus unhehren Absichten Jake Webster selber dienen, der zwar sehr gerne die Kohle selber will, aber trotzdem immer noch ein schützendes Auge über die junge Frau hat, ihr auch mehrmals aus der Patsche hilft. Scheider verkörpert die Figur routiniert und gewohnt sicher, dient gut als Fixpunkt der Geschichte. Der Rest der Besetzung fällt auch nicht wirklich heraus, Lesley Ann Warren spielt sich zumindest nicht um Kopf und Kragen, wie schon einige Male geschehen.
Irgendwo auf dem Weg von USA nach Deutschland hat der Film auch 27min Laufzeit verloren, in Unkenntnis des Materials scheint der Schwund allerdings ganz positiv zu sein, viel länger hätte der als Pilotfilm ins Rennen geschickte ASSIGNMENT: MUNICH nicht gehen dürfen. Für Fans von Scheider oder einem etwas gediegenen „Spionage“Krimi allerdings ist das durchaus gut ansehbar.