Seit Sylvester Stallone mit „Expendables“ einstige Action-Ikonen um sich sammelte, hat sich daraus ein kleiner Trend im Genre entwickelt: Alte Männer, die sich zusammentun, um in Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte zu schwelgen. Dolph Lundgren und Scott Adkins trafen bereits bei fünf Filmen aufeinander und es ist die erste Regiearbeit des Schweden nach rund zehn Jahren, als er mit „Icarus“ nur bedingt überzeugen konnte.
Aufgrund von Schulterproblemen muss der MMA-Kämpfer Mike (Scott Adkins) seine Karriere beenden und arbeitet nun als Hilfsarbeiter bei einer Abrisstruppe, denn das ehemalige Krankenhaus Castle Hights steht unmittelbar vor der Sprengung. Als er kurz vor der endgültigen Räumung drei Taschen voller Geld findet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn auch Gefängnisdirektor Ericson (Dolph Lundgren) benötigt den Zaster für die teure Krebsbehandlung seiner Tochter. Und noch weitere bewaffnete Männer betreten ungesehen das Gebäude…
Den Vorlauf hätte der gute Dolph ein wenig kürzer halten können oder den Actionteil im Hospital ein wenig ausgiebiger zelebrieren dürfen. Obgleich der Stoff mit einem kurzen MMA-Kampf einsteigt, ist im ersten Drittel wenig Action vorzufinden. Die deutliche Kritik am US-amerikanischen Gesundheitssystem schimmert zwar deutlich durch, doch einige Abläufe im Knast und bei den Räumungsarbeiten hätte man sich sparen können. Dennoch ist nicht zu verachten, was innerhalb von nur 17 Tagen Drehzeit auf die Beine gestellt wurde.
Obgleich sich die Räumlichkeiten des abbruchreifen Gebäudes (12 Stockwerke, über 100 Zimmer) auf Dauer ähneln, schüren sie eine gewisse Atmosphäre. Wenn nicht außerhalb dessen ein Bürgermeister die nahende Sprengung mit einem Team feierlich entgegenfiebern würde, hätte das Setting definitiv ein Lost-Place-Siegel erhalten. Hinzu gesellt sich eine angenehm ruhige Kamera, die bei der Action ordentlich positioniert ist, während das Editing nicht im Schnittgewitter mündet.
Allen voran darf natürlich Adkins austeilen, was angesichts eher schwacher Gegner erahnbar, aber nie einfältig abläuft. Lundgren mischt zwar auch ein wenig mit, doch der hat immerhin zwanzig Lenze mehr auf dem Buckel und zieht sich insgesamt noch ganz ordentlich aus der Affäre. Den Fights schwingt eine gesunde Härte mit, während lediglich Schusswaffentreffer per CGI nicht allzu überzeugend umgesetzt wurden.
Storytechnisch sind indes keine Überraschungen zu erwarten, vielmehr hat man es am Rande mit einigen Stereotypen und Klischees zu tun, die jedoch bei einem Actioner der alten Schule schon beinahe Pflicht sind, wie eine Gangsterbraut mit auffälliger Narbe oder einer fairen Geste zum Ende der Verwicklungen. Lundgren und Adkins performen derweil zweckdienlich und mit etwas mehr Tempo zu Beginn und kleinen Ecken und Kanten im Verlauf wäre womöglich deutlich mehr drin gewesen, als ein simpler Actioner, der eben was für alte Männer ist.
6 von 10