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In nicht allzu ferner Zukunft haben in New York und anderenorts auf der Welt menschenähnlich designte Roboter Hausarbeiten und andere nützliche Dienste übernommen, so auch in Georgias (Chloë Grace Moretz) Familie, wo das Weihnachtsfest vor der Tür steht. Das behütete Töchterchen beschäftigen derzeit allerdings andere Dinge, denn sie ist von ihrem Freund Sam (Algee Smith) schwanger und fühlt sich dafür noch gar nicht reif, und ob sie mit ihrem Partner überhaupt zusammenbleiben soll, weiß sie auch noch nicht. Doch diese Entscheidung wird ihr bald abgenommen, denn an diesem Abend drehen sämtliche Androiden vollkommen durch und ermorden ihre Besitzer und Nachbarn.
Mittels dieser offenbar konzertierten Aktion haben die Maschinen mal eben die Weltherrschaft übernommen und ab der nächsten Szene sind Georgia und Sam bereits auf der Flucht durch die Wälder, wo sie in einem Zweimannzelt oder auch in einem verlassenen Haus übernachten und sich Richtung Boston durchschlagen wollen. Dort nämlich soll das Kind der mittlerweile Hochschwangeren zur Welt kommen, da diese Stadt noch von gut bewaffneten Menschen gehalten wird - doch der Weg dorthin führt durch sogenanntes Niemandsland, wo überall in den Wäldern Androiden lauern. Ein zwischenzeitlich gefundenes Motorrad verspricht zwar eine schnelle Transportmöglichkeit, doch lockt es auch die geräuschsensitiven Zombies, äh, Androiden an, die das Paar schon bald verfolgen...

Einem ganz und gar nicht neuem Ansatz KI-kritischer Filme folgt hier Nachwuchsregisseur Mattson Tomlin, der in seiner Mother/Android betitelten Netflix-Produktion gleich mehrere Themen bedienen will (Frauenfilm, Schwangerenfilm, Horrorfilm, political correctness etc.), sich dabei jedoch völlig verzettelt und am Ende kläglich scheitert. Denn das sich in 111 teilweise quälend langen Minuten entfaltende Fluchtdrama um ein junges Pärchen weiß zu keiner Zeit, was es eigentlich sein will und bedient mit fortlaufender Filmdauer neben zunehmend absoluter Gleichgültigkeit gegenüber Handlung und Akteuren nur ein immer stärker werdendes Gefühl der Langeweile.

Und Langeweile ist auch das Stichwort, denn Hauptdarstellerin Chloë Grace Moretz (Kick-Ass, Greta) stöhnt und jammert zwar die ganze Zeit, wie sehr ihr vor allem die Füße (!) wehtun, vermag aber weder damit noch mit ihrer tränenreich dargebotenen, erkennbar gekünstelten Dramaturgie um ihre (Film-)schwangerschaft auch nur die geringste Sympathie zu wecken. Im Gegenteil, die spitznasige Blondine geht einem mit ihrer Ichbezogenheit schon nach kürzester Zeit schwer auf den Wecker. Unter normalen Umständen bedeutet dies gute Karten für ihren Partner, doch dessen Rolle als windelweicher Frauenversteher, der die fortgesetzten, grundlosen Verbalattacken seiner hormongesteuerten Freundin einfach runterschluckt, ist auf die Dauer fast genauso unerträglich. Damit der Afroamerikaner Algee Smith nicht vollends als Warmduscher dasteht, dichtet man ihm zwischendurch zwar einen heldenhaften Faustkampf an (der natürlich nur im Off stattfindet), doch später muß er noch Amputationen über sich ergehen lassen, was er - selbstredend - schicksalsergeben hinnimmt. würg!

Im Off ist das zweite Schlagwort, das diesen Film charakterisiert, denn das Wenige, was von der weltweiten Roboterrevolution bekannt wird, erfährt man ausschließlich in unpräzise-knappen mündlichen Überlieferungen, und tatsächlich sieht man die Androiden nur selten auf dem Bildschirm: dort verhalten sie sich - von leuchtenden blauen Augen und Marathonläuferqualitäten einmal abgesehen - allerdings genauso wie die althergebrachten Zombies. Wer diese KI, die nur mit einem EMP (elektromagnetischer Impuls - boah, wieder was gelernt) gestoppt werden kann, so programmiert hat und mit welcher Zielsetzung in Bezug auf die Menschen, bleibt völlig im Dunklen. Aber hey, dafür stöhnt Chloë Grace Moretz so "herzergreifend", daß man jede Nachfrage vergißt. Das gilt auch für die verheissungsvolle neue Welt, in der alles besser werden soll, denn die stellt sich das Drehbuch in Form von Pelzmützen tragenden Koreanern vor, die in heruntergekommenen US-Häfen zumindest noch Babies auf Containerfrachtern in diese neue Welt verschiffen. wtf?

Nichts in Mother/Android ergibt einen Sinn, weder Überraschungen noch sonstige Einfälle lockern das dröge, jegliche Inspiration vermissen lassende Skript in irgendeiner Weise auf - ein Skript, das schon beim simplen Trittbrettfahren auf der Postapokalypsie-Welle scheitert und in seiner Uneindeutigkeit noch nicht einmal als Warnung vor KI im Allgemeinen mißverstanden werden kann. Konsistent ist da nur die in Punkto Selbstvermarktung äußerst erfolgreiche Chloë Grace Moretz, die sich bis zum Ende durchstöhnt, -heult und -jammert, einem Ende übrigens, das in Schleimscheißerei und Selbstmitleid förmlich absäuft. Glücklich, wer schon vorher abgedreht hat.
Fazit: Von vorn bis hinten ganz ausnahmslos gequirlte Scheisse (und als solche auch ausdrücklich so zu benennen), die aber selbst Hardcore-Fans der Hauptdarstellerin schwer im Magen liegen dürfte. 1 Punkt.

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