iHaveCNit: Monte Verita – Der Rausch der Freiheit (2021) – Stefan Jäger – DCM Film
Deutscher Kinostart: 16.12.2021
gesehen am 20.12.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Studio – Reihe 3, Sitz 1 – 18:15 Uhr
Wieder mal ein Film der Sparte derer, die ich eigentlich nicht auf dem Schirm hatte, aber dann doch durch Trailer und weiteres Promomaterial überzeugt worden bin ist „Monte Verita – Der Rausch der Freiheit“ von Stefan Jäger. Und das war wie immer eine sehr gute Entscheidung, den Film nicht nur auf dem Schirm zu haben, sondern direkt auf der Leinwand zu sehen.
Im Wien Anfang der 1900er ist die junge film- und fotobegeisterte Hanna Leitner in einer stark konservativ geprägten Ehe mit ihrem Mann und den 2 Töchtern gefangen. Als sie infolge einer Asthma-Erkrankung von ihrem aktuellen Therapeuten von dessen Reise zum Monte Verita bei Ascona und dessen scheinbar heilsame Wirkung erfährt, reist sie in einer Nacht- und Nebelaktion zu diesem Berg. Anfangs scheint sie mit dem dort herrschenden alternativen und modernen gelebten Lebensstil nicht viel anfangen zu können, doch je näher sie den Menschen kommt, umso mehr erliegt sie dieser Faszination – bis die Realität sie wieder einholen sollte und sie sich die Frage stellen muss, wie ihr weiterer Lebensweg aussehen soll.
„Monte Verita“ sieht als Film unfassbar gut aus. Die Kameraarbeit und die Landschaftsaufnahmen sind großartig und entwickeln durch die Bilder und die Beleuchtung eine gewisse Faszination und Unterstützung der im Film vorhandenen philosophischen und poetischen Ansätze. Auch die Kostüme und das Setdesign verdichten die Atmosphäre des Films. Der Film liefert mit der Einbindung von tatsächlich historischen Persönlichkeiten wie dem Arzt Otto Gross, dem Schriftsteller Hermann Hesse und der Frauenrechtlerin Ida Hofmann genau die Ansätze für Philosophie, Poesie und auch gesellschaftlichen Fragen, die gerne noch etwas tiefer hätten gehen können. Auch skizziert der Film über das Portrait der film- und fotobegeisterten Hanna Leitner, die wie ich finde mit einer anfänglichen Zurückhaltung und einer zunehmend nuancierten Faszination ihrer Rolle von Maresi Riegner großartig gespielt wird, in welchem eingeengten gesellschaftlichen Korsett Frauen zu dieser Zeit und auch zum Teil heute noch sind und wie schwer die eigene Selbstfindung und das treffen eigener selbstbestimmter Entscheidungen ist. Leider wirkt der Film am Anfang holpriger als er sein müsste, wenn man parallel sowohl die Anfänge von Hanna auf dem Berg als auch ihre Vorgeschichte durch Rückblenden erzählen möchte. So bleibt der Film etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück, ist dennoch ein tolles filmisches Erlebnis auf der Leinwand.
„Monte Verita – Der Rausch der Freiheit “ - My First Look – 8/10 Punkte.