Review

KARATEJÄGER

Neulich haben wir es durchgezogen… einmalig in der Geschichte der Menschheit… kein Rückzug… keine Kapitulation… ein Double Feature mit den McNamara-Zwillingen… zuerst KARATEJÄGER (1986) und direkt im Anschluss DRAGON HUNT (1987)… ohne Gnade…
Die Tatsache, dass wir in etwa wussten, was uns die Kanadier hier kredenzen würden, ist wohl auch Grund dafür, dass wir als Überlebende vom (Üb-)Erlebten berichten können…

1986: In einer Zeit, in der die meisten Männer müde Abziehbilder sind, gibt es eine seltene Spezies, die weiß, was Frauen wünschen und die erkannt hat, was das wahre Leben bedeutet! Nur zwei Exemplare dieser Lebensform existieren: Michael und Martin McNamara… drahtige, schnauzbärtige Karatewichtel, die sich bevorzugt in SuperSloMo bewegen und dem Rest der Welt als die unschlagbaren "Twin Dragons" (=Drachenzwillinge) bekannt sind!

Michael und Martin McNamara sind die stolzen Betreiber der "Twin Dragon Kung Fu Academy" in Los Angeles und nach Feierabend retten sie Frauen davor, vergewaltigt zu werden und Hunde davor, dass ihnen das Flohhalsband um 180° gedreht wird. Ganz schön viel Last auf solch kleinen Schultern und deshalb ist mit den beiden Freundinnen auch ein erholsamer Urlaub auf der hauseigenen "Dracheninsel" geplant. Leider treibt eine Gruppe von "Weekend-Söldnern" - unter der Führung von Rocker Jake und mit dem klangvollen Namen "TPPA" (=The Peoples Private Army) - in der schönen Wildnis ihr Unwesen. Sie trainieren Kung Fu, rauben Ferienwohnungen aus, fahren Boot und legen sich auch gleich mit den Drachenzwillingen an, da deren Freundinnen zwei echt leckere Schnecken sind.

Doch Michael und Martin McNamara keepen es real! Sie ziehen ihren Urlaubsplan knallhart durch, machen Köpper ins kalte Wasser, klettern auf einen Hochsitz, beobachten gefährliche Braunbären und erschrecken ihre Schnecken des Nachts mit Wolfsgeheule am Lagerfeuer. Jake und seine Rohlinge haben da etwas aggressivere Hobbies: Sie entführen die beiden Schnecken und klauen zusätzlich noch das Original-"Twin Dragon"-Poster von der Blockhüttenwand. Jetzt wird es Zeit für "Twin Dragon"-Revenge: Mit Hilfe ihrer zahlreichen - auf der Insel versteckten - "Goodies" (Angriffs-Boot, Attack-Quad, Armbrust und "Twin Dragon"-Survival-Backpack) nehmen die Drachenzwillinge den Kampf auf… eine gnadenlose Rettungsaktion in noch gnadenloserer SuperSloMo nimmt ihren Lauf…

Als Fan von Martial Arts-Filmen sollte man den einen oder anderen Selbstinszenierungs-Trip gewohnt sein und trotzdem muss man dieses Ding namens KARATEJÄGER einmal selbst gesehen haben, um es überhaupt glauben zu können! Was die beiden Karatewichtel Michael und Martin McNamara (ja, die gibt es wirklich… die kommen aus Kanada und spielen sich selbst…) hier abziehen… es ist so peinlich… man kommt aus dem Lachen nicht mehr raus!

Da wäre zuerst einmal das konsequente "Twin Dragon"-Product Placement: Die Wichtel fahren mit ihren Firmenwagen in Urlaub (natürlich mit Original-"Twin Dragon"-Werbung) und haben auf wirklich jedem ihrer Utensilien (Klamotten, Fahrzeuge, Waffen) ihr Logo angebracht. Außerdem kennt die ganze Welt (vom Wildhüter bis zum lieben Gott) den Namen und die Kampfkraft der Zwillinge. Da sie von Mutter Natur mit unglaublicher Schönheit gesegnet sind, laufen sie auffällig oft in Badehosen rum, sägen und stapeln in Zeitlupe Feuerholz und auch bei ihren Kämpfen spielt die Zeitlupe eine große Rolle…

Direkt zu Beginn eines Kampfes setzt die Zeitlupe ein… die Wichtel kicken, flitzen, schlagen, rennen und brüllen und die ganze Nummer wiederholt sich dann solange, bis alle Gegner ohnmächtig am Boden liegen… in diesem Moment endet dann auch die Zeitlupe wieder. Dabei braucht man auf Choreographie, Perspektivenwechsel und ähnlichen Schnick-Schnack nicht zu hoffen! Nein! Jeder Kampf kommt nicht nur in Zeitlupe daher… er wurde meist auch noch in einem einzigen (vermutlich sogar improvisierten) Take aufgenommen.

Für weiteres Gelächter sorgen die unglaublich dämlichen Dialoge, die todernst gemeint sind und natürlich auch genau so rüberkommen: "Wir hätten gerne Kaffee!" - "Bringt den Jungs lieber Milch und Kekse!" - "Genau! Von Milch und Keksen werdet ihr groß und stark!"… ;)
Durch den Film geleitet uns ein immer wiederkehrender Rocksong (irgendwas mit "Right to Fight" und "Fight for Right") von einem gewissen "Billy Butt" und zwischen Happy End und Abspann dürfen wir uns dann an einem Replay aller Kampfszenen des Films erfreuen…

KARATEJÄGER ist mega-peinlich und hat an filmischen Qualitäten wirklich rein gar nichts und noch viel weniger zu bieten! Story? Kampfszenen? Charaktere? Dialoge? Überraschungen? Absolute Fehlanzeige! Dafür ist das Werk aber so unglaublich lustig, dass mir kaum ein anderer Streifen einfällt, mit dem man in geselliger Runde (passender Humor und VIEL Alkohol vorausgesetzt) solch einen Spaß haben kann!

Der direkte (und ungleich härtere) Nachfolger DRAGON HUNT setzt hier übrigens in jeglicher Hinsicht noch einen drauf: Rocker Jake dichtet und singt Liedchen, dass einem die Ohren bluten und zu den "Weekend-Söldnern" gesellen sich ein paar weitere Finsterlinge wie der Großwildjäger "Big Burger", der "Red Skull"-Ninja mit seinen Ninja-Kriegern (welche nicht gerne in der Dunkelheit kämpfen!) und dem Zottelkampfköter "Apache", welcher es sogar in die Darstellerliste der OFDb geschafft hat… ;)

KARATEJÄGER… in Deutschland schweineselten (!), FSK 18 (?) und obendrein indiziert (???)… in der Originalfassung "Twin Dragon Encounter" geschimpft und mit einer (passenderen) PG-Freigabe versehen… bei kaum einem anderen peinlichen Trash-Kung Fu-Klopper werdet Ihr Zeuge von so viel unfreiwilliger Komik! Dafür stehen die "Twin Dragons" mit ihrem Namen!

5/10 Punkten, diBu!

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