Review


Inhalt:

Japan, im Mai des Jahres 1630 -nach christlicher Zeitrechnung-. Seit dem Jahre 1603 herrscht der Samurai-Clan der Tokugawa über das Land, an der Spitze der Shogun.
Seitdem herrscht Frieden, das Shogunat regiert mit eiserner Faust, und polizeistaatliche Methoden sichern die Macht der Tokugawa.
Die Samurai übernehmen indes administrative Aufgaben, doch nicht alle finden ein Auskommen.
Diese herrenlosen Samurai, die Ronin, verarmen und verelenden zusehends.

Einer von ihnen ist Motome Chijiiwa (Akira Ishihama). Seine Frau Miho (Shima Iwashita) erkrankte ebenso an einem schweren Fieber, wie der gemeinsame Sohn Kingo, der noch ein Säugling ist. Die Behandlung der beiden kostet viel Geld, und die finanzielle Notlage verschärft sich für Motome enorm.

Motome sucht den Clan der Iyi in deren Residenz auf, das Oberhaupt des Clans ist der Fürst, der Daimyo, in dieser Region vor den Toren der Hauptstadt Edo.
Motome bittet darum, in der Residenz Seppuko, den rituellen Selbstmord der Samurai, ausüben zu dürfen. Motome will nicht wirklich sterben, in der Regel lehnen die Daimyos derlei Bitten ab, sie wollen kein Blutvergießen in ihren Häusern. Sie schicken die Ronin mit etwas Geld fort. Dies ist auch das Ansinnen Motomes.

Doch der Kammerherr des Iyi-Daimyos, Kageyu Saito (Rentaro Mikuni), fordert -insbesondere auf Anraten des Clan-Mitglieds Hikokuro Omodaka (Tetsuro Tanba)- Motome auf, wie ein Samurai, durch Seppuko zu sterben. Man will an Motome ein Exempel statuieren.
Motomes Plan geht also nicht auf, er wird zum Seppuko gezwungen und muss sich dem stellen. Perfider Weise wird Motome auch noch gezwungen, eine Bambus-Klinge zu verwenden. So stirbt denn Motome auf äußerst grausam-qualvolle Weise.

3 Samurai des Clans der Iyi -Omodaka, Yazaki (Ichiro Nakatani) und Kawabe (Yoshiro Aoki)- bringen die Leiche zu Motomes Schwiegervater Hanshiro Tsugumo (Tatsuya Nakadai). Miho und Kingo sterben wenig später am Fieber.
Hanshiro schwört dem Iyi-Clan blutige Rache.

Hanshiro wird nun selbst beim Iyi-Clan vorstellig, mit der selben Bitte wie sein Schwiegersohn.
Er zwingt Saito und die anwesenden Samurai, seine Geschichte um die Umstände seines Ansinnens, anzuhören.
Zudem fordert er, dass die 3 Samurai -Omodaka, Yazaki und Kawabe- ihm beim Seppuko assistieren. Alle 3 sind jedoch krank gemeldet und abwesend.

Doch was geschah wirklich?
Hanshiro forderte einem nach dem anderen dieser 3 zu einem Duell heraus.
Er tötete jedoch seine Gegner nicht, sondern er schnitt ihnen die Zöpfe ab, nachdem er sie besiegte. Für einen Samurai ein Ehrverlust sondergleichen.
Hanshiro wirft die Zöpfe vor Saito und allen Iyi-Samurai auf den Boden!

Damit ist der Ehrenkodex dieser Samurai und des Iyi-Clans, der sein Gesicht somit verloren hat, ad absurdum geführt.
Saito fordert die anwesenden Samurai auf, Hanshiro zu töten.
Es kommt zum dramatischen und überaus blutigen Showdown, zum Kampf auf Leben oder Tod.


Kritik:

Im Jahre 1962 drehte Regisseur Masaki Kobayashi diesen sehr starken, überaus bemerkenswerten Jidai Geki, der in allen Rankings hinsichtlich Jidai Geki/Chanbara im Internet auf Top-Positionen gelistet ist, und als einer der besten Filme des Genres gilt.

In düsteren, beklemmenden Bildern gehalten, die eine ebensolche Atmosphäre erzeugen, nebst behutsam-umsichtig eingesetzten Kamera-Fahrten, erzählt Kobayashi diese gedehnte Geschichte, um die subtile Rache eines Ronin.
Bedächtig, meist fast reserviert-ruhig, mono- und dialogisieren die Darsteller, und bringen diese Story aber damit auch voran.

Eine verschachtelte Struktur, mit diversen Rückblenden, verlangt zudem dem Betrachter höchste Konzentration und Aufmerksamkeit ab.
Doch ist der Film absolut fesselnd, baut seine Spannung langsam-subtil auf, und der Zuschauer fokussiert sich richtiggehend eintauchend in diese Geschichte auf die Selbige.
Das ist stark, das ist konzentriert-intensives Jidai Geki- und Chanbara-Kino.

So ist denn "Harakiri" ein absoluter Top-Film dieser Genres, des japanischen Historien- wie des Schwerkampffilms aus Japan. Hochambitioniert, qualitativ glänzend umgesetzt, gedehnt-subtil erzählt und inszeniert, äußerst intensiv gespielte Rollen, und am Ende auch blutige Chanbara-Fightaction.

"Harakiri" ist ein klasse Sushi-Eastern, den jeder Fan des Genres gesehen haben MUSS, um mitreden zu können.
Aber es ist schwer, Worte zu finden, über so einen starken Film, der fast ein Meisterwerk ist.
Bis auf kleine Längen, die wohl unvermeidlich waren, ist denn "Harakiri" fast als ein absolutes Meisterwerk zu betrachten.

Klasse fotographiert, betörende Bilder, ruhig-subtil im Aufbau, dennoch fesselnd und spannend.
Und die intensiven Darstellungen, prägen diesen Film denn natürlich insbesondere auch.

Allen voran Tasuya Nakadai, ein Ausnahme-Darsteller im Chanbara-Sektor.
Nakadai trägt diesen Film denn fast im Alleingang. Eine gebeutelte Figur in diesem Drama, ein Ronin der Schwiegersohn, Tochter und Enkel auf tragische Weise verliert, und seine Rache dafür subtil, fast ruhig-sachlich angeht.

Das ist von Nakadai eindringlich und gekonnt gespielt, eine fast schon enorm zu nennende Leinwand-Präsenz, ganz stark, Nakadai.

Akira Ishihama als Schwiegersohn des Anti-Helden, eine zerbrechlich wirkende, hochsensible Person. Das bringt Ishihama ebenso perfekt rüber, wie Nakadai seine Figur in diesem Film.
Tetsuro Tanba auf Seiten der Villains, stoisch, kalt, wieder ein perfektes Spiel Tanbas.

Getoppt wird Tanba jedoch von Rentaro Mikuni, der den obersten Villain spielt. Noch stoisch-kälter, noch eindringlicher. Allein dieses vom Schweiß glänzende Gesicht, diese zuckenden Mundwinkel, dieses Schlucken das man als Betrachter bei Mikuni bemerkt, wenn er Nakadai zuhört, und wieder etwas erfährt, was ihm das Herz in die Hose rutschen lässt.
Rentaro Mikuni hier mit einer exzellenten Performance.

Und unter den Villains entdeckt der Zuseher denn noch Kei Sato. Deutschen Fans japanischer Action-Filme und -Serien ist dieser Darsteller vor allem als Ober-Bösewicht in der Serie "Die Rebellen vom Liang Shan Po" geläufig.

Die Chanbara-Kenjutsu-Fightaction kommt erst im letzten Fünftel, nach fast 2 Stunden -von epischen 132 Minuten Laufzeit- auf und auf Touren.
Alleine das Duell Tanba vs. Nakadai, glänzend fotographiert, ganz stark eingefangen von der Kamera, in illustrer Wiesen-Landschaft, bei windigem Wetter, stehen sich die Kontrahenten würdevoll gegenüber. An Würdigkeit ist dieses Duell, diese Bilder davon, längst in die Geschichte des japanischen Historienfilms eingegangen.

Und die letzte Viertelstunde rockt die überaus blutige, teils turbulente und dramatische Kenjutsu-Fightaction die Leinwand bzw. den Bildschirm. Gekonnt choreographiert, rasante Action, und: Drama pur, das Blut spritzt an die Wände, aus den Schnittwunden und aufgeschlitzten Körperteilen.
Das Finale ist denn der blutige Höhepunkt des bis dahin subtilen, auf Dia- und Monologe, auf intensive Darsteller-Leistungen aufgebauten Dramas.

Man kann es schwer in Worte kleiden.
"Harakiri" ist fast ein Meisterwerk, nur kleine aber auch wohl unvermeidbare Längen, verhindern die Höchstnote.
Sehenswert!

9/10.

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