Review

The Last Mercenary (Netflix Marke Eigenbau 6)


Selbstironie ist eine Kunst, die nicht viele Stars beherrschen, vielleicht auch gar nicht beherrschen wollen. Denn um über eigene Unzulänglichkeiten lachen zu können, müsste man sich diese erst einmal eingestehen. Witziger- oder besser ironischerweise ist sie ausgerechnet im Testosteron-Kino erstaunlich weit verbreitet. Erstaunlich, weil bei Helden, die regelmäßig alles und jeden bezwingen, das Feiern der eigenen Großartigkeit ja geradezu programmatisch ist. Andererseits bewegt man sich auch ständig auf dem schmalen Grad zwischen Unfehlbar- und Lächerlichkeit. Vor allem, wenn das Alter die körperlichen Großtaten ins Fantasy-Reich verlegt, wird die Absturzgefahr virulent.

Neben Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger hat dies längst auch Jean-Claude Van Damme bemerkt. Zu erwarten war das nicht gewesen, denn im Unterschied zu den beiden Genre-Ikonen hatte der belgische Handkanten-Virtuose nie die Komödienkarte gespielt und war jeden seiner Auftritte mit einer bierernsten Haltung angegangen. Als er dann anno 2008 mit der selbstreflexiven Autobiographie JCVD aus der Versenkung des tristen DTV-Sumpf auftauchte, staunte einstige Fans fast noch mehr als einstige Kritiker. Noch mal 8 jähre später setzte er seiner selbstironischen Neuausrichtung mit der Webserie JEAN CLAUDE VAN JOHNSON die Krone auf und kickte eine Meta-Hommage an das Actionkino der 80er und 90er Jahre, vor allem aber an die eigene Filmographie, ins begeisterte Fan-Rund. 

Exakt dieselbe DNA kennzeichnet nun auch die französische Netflix-Produktiuon THE LAST MERCENARY. Wieder spielt VanDamme einen alternden Ex-Superhelden (hier Geheimagenten), der noch einmal aus dem Ruhestand zurückkehrt, um der Nachfolgegeneration zu zeigen, wie ein ordentlicher Spagat aussieht. Der Ton ist heiter bis klamaukig, die Action immer wieder ironisch gebrochen und die Story mit allerlei B-Motiven gespickt. Van Damme selbst beweist ordentlich Mut zur Hässlichkeit und Komik (Stichwort Verkleidungen, Bärte und Perücken), wirkt in den Kampfszenen aber nach wie vor noch kompetent und viril. Längst muss er auch nicht mehr der alles dominierende Star sein und fügt sich problemlos in ein Team hadlunsgrelevanter Sidekicks, die alle ihren persönlichen Auftritt bekommen. Das klingt nach einer kongenialen Weiterführung der erwähnten Streaming-Serie.

Dass am Ende aber „nur“ ein netter Zeitvertreib für den JCVD-Fan herausgekommen ist, liegt an dem zu harmlosen Skript und einer akzentlosen Regie. David Charhon hatte bereits mit der harmlosen Krimi-Komödie EIN MORDSTEAM bewiesen, dass er selbst Vollblutkomödianten wie Omar Sy  auf TV-Comedian-Niveau zurecht stutzen kann. Man hätte also gewarnt sein können. Schade drum.
Die Grundidee um einen Ex-Agenten, der seinen fälschlicherweise für einen Waffenhändler gehaltenen Sohn aus dem Kreuzfeuer zwischen Geheimdienst, Polizei und Gangstern zu retten versucht, hätte jedenfalls eine Menge Comedy- und Actionpotential. Aber während die Komik zu wenig pointiert und zu sehr auf billige Kalauer setzend daher kommt, sind die Kampfsport- und Verfolgungs-Einlagen zu kurz und zu spärlich um den plätschernden Grundton zumindest hin und wieder zum reißerischen Strom zu machen.

Schade auch, weil der französische Edel-Cast mit Miou-Miou, Patrick Timsit und Valérie Kaprisky ebenso erfrischend aufspielt wie die alternden Muscles from Brussels. Aber wenn nur jeder dritte Spruch sitzt und jeder zweite mögliche Handkantenschlag ausbleibt, wird aus krachig schnell schnarchig und aus „fett“ schnell „nett“. Ein wirklich witziger SCARFACE-Running Gag und zwei Jean Claudsche Karate-Tänzchen sind als einzig memorable Szenen dann doch zu wenig, um eine zweite Webserie in Auftrag zu geben.
Dennoch wäre der Ärgernis-Stempel ein unerlaubter Tiefschlag, zumindest ein unfaires Tackling. Denn THE LAST MERCENARY bleibt trotz all seiner Harmlosig- und Beliebigkeit immer sympathisch, zumal Jean Claude Van Damme zum wiederholten Mal seine selbstironische Haltung zur Schau stellt und nicht gewillt ist, auf Paycheck-Autopilot zu schalten. Nur diesmal hat das eben nur B-Qualitäten, was dann auch wieder nicht einer gewissen Ironie entbehrt. 

Details
Ähnliche Filme