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Schon seit 25 Jahren im Ruhestand sieht sich der ehemalige Top-Agent Richard "der Nebel" Brumère (Jean-Claude Van Damme) genötigt, doch wieder auf der Bildfläche zu erscheinen - Grund ist eine auslaufende Vereinbarung mit der Republik Frankreich über die Immunität seines Sohnes Archibald (Samir Decazza), eines mittlerweile zum jungen Mann herangewachsenen Twens, der seinen Vater geschweige denn dessen Aktivitäten nie wirklich kennengelernt hatte. Da Archibald zeitgleich auch noch mit einem Waffenhändler verwechselt wird und somit ins Fadenkreuz von Auftragskillern gerät, steht Brumère nicht nur vor der Aufgabe, seinen Filius vor brutalen Gangstern zu beschützen, sondern diesem auch gleich noch seine Vaterschaft zu erklären. Den temperamentlosen wenngleich nicht unsympathischen Loser Archibald, der lieber Gras raucht statt sich mit Geheimdienstgeschichten zu beschäftigen, trifft das alles natürlich völlig unvorbereitet und er muß erst einmal Hals über Kopf fliehen, doch mit Hilfe seiner afroamerikanischen Freunde Dalila (Assa Sylla) und Paul (Eric Judor) aus der Vorstadt und dem Eingreifen seines sich ihm noch nicht offenbarenden Vaters gelingt es ihm immer wieder, aus brenzligen Situationen gerade noch zu entkommen...

Nachdem sich Altstar Jean-Claude Van Damme schon 2008 mit JCVD erfrischend ungewohnt mit seiner Rolle als Actionheld auseinandergesetzt und kürzlich auch eine entsprechende Webserie (Jean-Claude van Johnson) lanciert hatte, folgt nun also eine als Komödie betitelte Story um einen gealterten ehemaligen Spitzenagenten. Daß er immer noch wirkungsvoll draufhauen kann, zeigt The Muscles from Brussels dabei gleich in der Eingangsszene, macht mit linkischem Verhalten inklusive bewußt blöder Verkleidung aber auch gleich die Richtung klar, in der es in The Last Mercenary geht: Ich nehm mich selber nicht mehr ganz für voll, und ihr müßt es auch nicht.

Dementsprechend turbulent gestaltet sich auch Flucht vor den Häschern, bei der kaum ein abgedroschenes Klischee ausgelassen und oftmals hart an der Grenze zur Vorhersehbarkeit gekalauert wird. Da flieht ein Diplomat im Mercedes Flügeltürer vor einer ganzen Meute Polizeifahrzeuge, wohlwissend, daß ihm ohnehin nichts passiert (später ballert er kreischend in einer Sauna herum), da muß ein kleinwüchsig-
feister Bürohengst des Ministeriums allerlei dumme Späße über sich ergehen lassen, während sein korrupter Chef genüßlich den Rollentausch (Chef - Mitarbeiter) zelebriert und im Hintergrund laufen währenddessen finstere Intrigen höchster Funktionäre und Minister, um eine jahrelang sorgsam vertuschte Operation namens Bilboquet nicht an die Öffenlichkeit gelangen zu lassen. Van Damme immerhin läßt zu keiner Zeit den großen Macker raushängen, sondern fügt sich zweckdienlich brav ins Team ein,  trägt zur Tarnung u.a. diverse auffallend scheußliche Perücken und bestreitet seine Rolle mit einer Mischung aus Selbstironie und Schicksalsergebenheit. Im Grande Finale in einer Villa fliegen dann inklusive eines Frontwechsels noch einmal die Fetzen, bevor der Sohn den Vater mit der ungewöhnlichen Vita zu akzeptieren lernt. Ach ja...

All dies ist jedoch weder neu noch besonders einprägsam abgefilmt, die meisten Gags kennt man ohnehin bereits, wie überhaupt dem ganzen Film, der sich thematisch natürlich bei Vorbildern aus den 80er- und 90er Jahren bedient, ein wenig der Geruch eines auf modern getrimmten Altherrenhumors anhaftet. Trotz gelegentlicher Rap-Einlagen und politisch korrekt gewählter Darsteller können die extrem überzeichneten Figuren, von denen keine jemals in die Nähe eines interessanten Film-Charakters gelangt, nur selten ein Lächeln hervorrufen: zu einfallslos verläuft diese Aneinanderreihung von Mißverständnissen, One-Linern und abgestandenem Klamauk.
Für Fans des Belgiers ist The Last Mercenary sicher ein Muß, für alle anderen Zuseher bleibt die Netflix-Produktion ein bestenfalls durchschnittlicher Zeitvertreib: 4 Punkte.

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