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Die Studentin Jane (Panisara Rikulsurakan) hat einen stets vollen Terminkalender, muß sie sich doch nicht nur um ihr Studium, sondern auch um ihre im gleichen Haushalt lebende jüngere Schwester June sowie um ihre Oma kümmern. Weil das Geld für den Wohnungskredit aber nicht reicht, beschließt die fleißige junge Dame, schweren Herzens das Studium aufzugeben, um Vollzeit arbeiten zu können.
Ihre Lehrerin, Professor Nichcha, rät ihr jedoch davon ab und bietet ihr stattdessen einen Nebenjob bei einem Pharma-Unternehmen, wo sie sich etwas dazuverdienen kann. Und tatsächlich klingt der Vorschlag von Hans Miller, dem Forschungsleiter der deutschen Firma Weimar Pharma, gar nicht so übel: Jane soll sich einen Mikrochip in den Nacken einpflanzen lassen, der die im menschlichen Gehirn gebildete Substanz Qratonin extrahiert. Wenn der Qratonin-Spiegel bei 100% liegt, ist die erste Phase des Experiments erfolgreich beendet. Der Haken an der Sache ist allerdings, daß Jane nicht einschlafen darf, sondern permanent wachbleiben muß - ein Umstand, dem der ohnehin kaum schlafende Twen wenig Bedeutung beimisst. Maximal 60 Sekunden darf sie einnicken, dann kann es zu Komplikationen mit dem Mikrochip kommen und ihr Herz bleibt stehen. Dafür steht Jane, die die paar Tage durchdrücken will, eine exakt alle Funktionen überwachende Armbanduhr zur Verfügung, die mit einem Alarm ausgestattet ist. Last not least erhält sie für diese erste Phase 100.000 Baht (etwa 2.600 Euro), die die junge Studentin gut brauchen kann.
Zunächst läuft auch alles nach Plan, bis Jane, die über das Experiment Stillschweigen bewahren muß, in der Mensa entdeckt, daß sie nicht die Einzige ist, die sich bei Weimar Pharma verdingt hat: drei weitere Kommilitonen sind - aus den unterschiedlichsten Gründen - ebenfalls mit von der Partie: der vergnügungssüchtige Partygänger Win, die höchst erfolgreiche Youtube-Influencerin Cin sowie der Tag und Nacht computerspielende Peach. Trotz vollkommen unterschiedlicher Temperamente und Vorlieben beschließen die 4 jungen Leute, ihre Erfahrungen untereinander auszutauschen. Und nachdem das titelgebend Deep genannte Experiment in Level 1 erfolgreich verlaufen ist, meldet man sich gemeinsam zur zweiten Runde an: diesmal erhält jeder Teilnehmer bereits eine halbe Million Baht. Dann jedoch verlangt die verordnete Schlaflosigkeit ihren Tribut...

Gleich 5 Regisseure (einige davon auch als Drehbuchautoren) waren an der thailändischen Produktion Deep beteiligt, und herausgekommen ist eine Coming of Age-Geschichte der etwas anderen Art. Obgleich das beschriebene Experiment die Probanden in Lebensgefahr bringt und nur von einer einzigen Person überwacht wird, somit also rechtlich und praktisch eine reine Fiktion darstellt, funktioniert die Story ganz leidlich - und dies liegt an den 4 Hauptdarstellern, die ihre Rollen einigermaßen glaubwürdig verkörpern. Da wird seinen Hobbies nachgegangen, das Geld sogleich in Konsumartikel gesteckt, es wird auch mal gestritten und sich gegenseitig gedisst, bis gewisse Nebenwirkungen einsetzen, die die jungen Leute dann zur Zusammenarbeit zwingen.

Zwar ist der Plot mit Logiklöchern nur so gespickt, doch fällt dies bei Deep ausnahmsweise nicht weiter ins Gewicht, geht es doch schließlich nur darum, aus der Perspektive der Probanden das Experiment durchzustehen. Dabei muß man sich vor allem im Mittelteil einiges an Herumgezicke anhören, wobei die Studenten sich eher wie 16-Jährige benehmen statt wie junge Erwachsene, doch gerade wenn es allzu nervtötend wird, passiert wieder etwas Unvorhergesehenes. Im letzten Viertel wartet der Film, den es bei Netflix im thailändischen Original mit deutschen Untertiteln gibt, noch mit einem gehörigen Plot Twist auf. Der ist zwar ebenso reine Sci-Fi wie die ganze Geschichte an sich, läßt die mittlerweile zu fünft agierenden (vermutlich Laien-)Darsteller, die während der einzelnen Level alle eine Charakterentwicklung durchmachen (ein Pluspunkt) aber noch einmal zusammenarbeiten.
Fazit: dank frischem Ensemble ist das neurowissenschaftliche Experiment Deep eine unterhaltsame Sache - 6 Punkte.

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