Hand aufs Herz, so schlecht, wie er mancherorts gemacht wird, ist Twisted - Der erste Verdacht nun auch wieder nicht. An sich finde ich die Idee der moralischen Abreibung für die vielfickende und mental etwas angeschlagene Erfolgspolizistin sogar sehr gut. Daß man dies auch ohne explizite, graphische Darstellung umsetzen kann liegt für mich eigentlich auf der Hand, selbst hier blutgierige Kommentare anzubringen halte ich für geistig weit weniger entwickelt als diesen Film. (Ich sehe niemanden an.)
Jessica (Ashley Judd) ist gerade zur Mordkommission aufgestiegen, befindet sich in psychologischer Beobachtung, trinkt und treibt sich herum. Ihr Können verdankt sie zum einen ihrem Vater, zum anderen ihrem Mentor John Mills (Samuel Jackson), dessen Ex-Partner, der sie seit dem Tod ihrer Eltern unterstützt. An ihrem ersten Tag wird direkt eine Leiche gefunden, einer ihrer vielen One Night Stands. Als ein weiteres Opfer gefunden wird, das ebenfalls ein Zigarretten Brandmal auf dem Handrücken trägt, verschweigt sie zunächst, daß sie mit diesem ebenfalls intim war.
Twisted - Der erste Verdacht bietet mehrere Motive, der ohnehin angeschlagene Zustand Jessicas, ihre vermutlich durch den Verlust ihrer Eltern geprägte Suche nach Geborgenheit erzeugt eine hungrig ausgelebte Sexualität, welche sie wiederum in Kontakt mit vielen Männern bringt, von denen sie gerade die Vornamen weiß. Konkurrenz auf dem Revier, die Verbindung zwischen ihr und dem Fall, Erfolgsdruck durch John, all dies macht ihre Situation nicht leichter.
Als Konsumthriller, was die meisten Genrefilme aufgrund ihres Einwegcharakters nun mal sind, funktioniert auch Twisted - Der erste Verdacht. Nicht ganz sauber, nicht ganz rund zwar, jedoch immer unterhaltsam.