iHaveCNit: Spencer (2022) – Pablo Larrain – DCM
Deutscher Kinostart: 13.01.2022
gesehen am 31.12.2021 in OmU in der Silvesterpreview
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Lumiere – Reihe 8, Platz 10 – 20:15 Uhr
Der Abschluss meines Kinojahres 2021 ist sowohl auch - bis auf einen Überraschungsfilm, den ich bereits in dieser Woche gesehen habe - der Beginn meines Kinojahres 2022. In einer Silvesterpreview eines meiner Lieblingskinos gab es Pablo Larrains „Spencer“ zu sehen, der zuletzt ja bereits mit „Jackie“ und „Ema“ sehr faszinierende und elektrisierende Filme geliefert hat und dessen genauso faszinierender und elektrisierender „Spencer“ sicherlich in der ein oder anderen Kategorie der aktuellen Award-Saison eine Rolle spielen wird.
Es ist Weihnachten bei den Royals und das Wochenende wird standesgemäß im Anwesen bei Sandringham verbracht. Die Ehe zwischen Diana Spencer und Prince Charles kriselt bereits ein wenig und der Druck sowie der innere Zwiespalt von Diana inmitten des strikten Protokolls und der Zwänge sowie der Druck ihrer öffentlichen Rolle als Prinzessin scheinen die junge Frau förmlich zu zerdrücken, so dass sie einfach nur noch aus dieser Rolle ausbrechen möchte. In dieser Zeit geben ihr ihre beiden Söhne William und Harry zumindest kleine Momente bürgerlicher Normalität und menschlichen Halt.
Pablo Larrains „Spencer“ ist auf der einen Seite ein großartig inszenierter und ausgestatteter Film. Die Kameraaufnahmen und die Kameraführung ist großartig und erzeugt faszinierende Bilder, die mit dem Soundtrack von Jonny Greenwood eine fast elektrisierende Atmosphäre erzeugen. Hinzu kommt das großartige Setdesign und sowohl Make-Up und Hairstyling als auch das Kostümdesign ist eine perfekte Ergänzung für den Film. Der Film ist sowohl Charakterdrama als auch Psychothriller und durch einige filmische Ideen mehr semibiografisch zu sehen. Er bildet sehr extrem die Traditionen des britischen Königshauses ab und in diesem Fall wie strikt getaktet und organisiert das gesamte Weihnachtsfest der Royals ist, bei denen sogar neben üppig durchgeplanten Menüs auch alle Outfits für Diana durchgeplant sind. Sogar das Gewicht jedes Gastes wird aufgezeichnet und zum Zweck des Schutzes vor der Öffentlichkeit in den privaten Gemächern die Vorhänge zugenäht. Inmitten dieses Settings bekommen wir eine großartige Darstellung von Kristen Stewart geboten, die sicherlich dafür den ein oder anderen Preis für ihre Darstellung bekommen könnte. In ihr ist jederzeit dieser Druck und die innere Zerrissenheit zu spüren sich gegen die Zwänge und altbackenen Traditionen aufzulehnen und einfach sie selbst zu sein. Und hier bleibt der Film auch zum Großteil immer sehr nah bei ihr und lässt uns an dieser Tour De Force teilhaben und mitfühlen. Dabei wirkt jedoch der Rest in der Bedrohung und Unterdrückung sehr diffus und sicherlich ist diese relativ klare Rollenverteilung gut und böse nicht so simpel wie sie hier gezeichnet wird und sicherlich wesentlich differenzierter.
„Spencer“ - My First Look – 9/10 Punkte.