Die Regisseurin Ana Lily Amirpour hatte ja 2014 mit ihrem ersten Langfilm A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT einiges an Aufsehen erregt. Warum auch immer, ich fand den Film nicht mehr als nett. Ihr neuester Streich MONA LISA AND THE BLOOD MOON entfachte ebenso einiges an Hype. Ist da etwas dran?
Eine junge Koreanerin, im Laufe des Films zuerst kurz Mona Lee (Jeon Jong-Seo), dann nur noch Mona Lisa genannt, erwacht in einer psychiatrischen Anstalt während einer Blutmondnacht aus einer langen Lethargie. Sie entflieht mit Hilfe besonderer psychokinetischer Fähigkeiten und schlägt sich nach New Orleans durch. Dort stolpert sie orientierungs- und ziellos durch die Nacht, wird konfrontiert mit der Polizei, einigen Herumtreibern um den flippigen Fuzz (Ed Skrein) und schließlich mit den Besuchern und Darstellerinnen in einem Stripclub, wo sie mittels ihrer besonderen Gabe dafür sorgt, dass die Stripperin Bonnie (Kate Hudson) mehr Geld von einigen notgeilen Jungs zugesteckt bekommt als üblich. Die Stripperin wittert im Erkennen von Monas geistigen Kapazitäten das große Geld und nimmt die Obdachlose bei sich auf. Mona freundet sich mit Charlie, dem Sohn von Bonnie an und dient der bei einigen erfolgreichen Raubzügen. Das fällt selbst der Polizei auf, die nun nicht nur die entflohene Patientin, sondern auch die Diebin Bonnie im Visier hat. Auch die Burschen, die ihr Geld an Bonnie verloren haben, sinnen auf Rache. Das Ganze spitzt sich zu. Letztlich entflieht Mona mit Hilfe von Fuzz und Charlie per Flugzeug in die nächste Großstadt.
Was wollte uns die Regisseurin mit diesem ziemlich konfusen Werk sagen? Keine Ahnung. Während das Motiv von Bonnie klar ist, kann man bei Mona nichts entdecken. Ihr Charakter bleibt diffus, oberflächlich, antriebslos. Was will die Frau eigentlich? Davonlaufen? Jeon Jong-Seo hatte mich mit ihrer Performance in dem großartigen BURNING nachhaltig beeindruckt, hier spielt sie mit gelangweiltem Desinteresse. Auch die anderen Charaktere entwickeln kaum Tiefe, sodass man sich als Zuschauer von dem Film niemals angezogen fühlt. Was hätte wohl ein Lorenz Merz (SOUL OF A BEAST) aus diesem Szenario gemacht? Von den Darstellern fand ich eigentlich nur Kate Hudson überzeugend, der Rest agierte ähnlich ungelenk-fahrig wie die Regie.
"Ebenso atmosphärischer wie berührender Superhelden-Horror-Rausch der etwas anderen Art" ist bei Filmstarts zu lesen. Da muss ich widersprechen. Wie ausgeführt, ist der Film keineswegs berührend. Und atmosphärisch möchte er sein, meist nachts in buntem Neon-Pop abgefilmt. Sieht schon gut aus. Dazu ein lässiger Soundtrack. Ich habe leider das Gefühl, dass beide Aspekte nur von der an sich dünnen Story ablenken sollen.
Warum nur wird MONA LISA ... dennoch so wohlwollend besprochen? Kann es daran liegen, dass die Person auf dem Regiestuhl weiblich ist und eine iranische Abstammung vorzuweisen hat? Sonderbare, dem gesellschaftspolitischen Zeitgeist entspringende Kriterien für die Beurteilung eines Films. Dabei ist Frau Amirpour ja in England geboren, lebt in den USA und besitzt die amerikanische Staatsbürgerschaft ... egal.
Das alles spielt für mich keine Rolle, der Film war für mich aus anderen Gründen eine einzige Enttäuschung.