Review
von Leimbacher-Mario
Muttertage und andere Katastrophen
Der neueste Streich von Spaniens Regiemaestro Pedro Almodovar heißt „Parallele Mütter“ und handelt von zwei hochschwangeren Frauen, die sich im Krankenhaus kurz vor der Entbindung kennenlernen und deren Leben, Kinder und Schicksale von diesem Zeitpunkt an verbunden sein werden…
Ohne wirkliche Schmunzler und mit ungewohnt wenigen Farbtupfern, mit sehr unflashy Zeitsprüngen und nur angedeuteter hitchcockesker Spannung. „Parallel Mothers“ will viel und spielt im Grunde/auf den ersten Blick wenig wirklich aus. Was bleibt dann noch übrig? Thematisch eine Menge - von Müttern, Kriegen und Stammbäumen, von Aufopferung, Selbstbestimmung und Busen, die die Welt bedeuten. Wenn auch manchmal etwas unfokussiert, konfus bis nur angeschnitten. Schauspielerisch bleibt sogar richtig viel, da alle Ladies hier groß auftrumpfen. Das kann Almodovar wie kaum ein anderer. Man spürt seine Verehrung und Leidenschaft für Frauen. Vor allem Penélope Cruz spielt unter ihm immer auf einem ganz anderen Level als sonst meist. Aber auch die junge Milena Smit ist eine echte Entdeckung, spielt enorm aufopferungsvoll, passend verwirrt und verletzlich, letztendlich auch authentisch. Die Abwesenheit der Männer ist schmerzhaft, aber fast schon Selbstverständlichkeit. Der Score tapst clever arrangiert auf Zehenspitzen zwischen Glück, Schmerz, Trauer und Hoffnung. Letzteres, wenn man der Stimmung glauben mag, zumindest so lange, wie es Frauen gibt. Es schimmern surreale Züge durch, aber nur ganz unterschwellig. Es gibt historische Bewandtnis und Tragweite, Tragik und Kraft. Es bleibt eine Ode an die Mutterschaft, die weibliche Stärke und die unerbittliche Liebe zum eigenen Fleisch, Blut - aber auch vielem dazwischen und im Umkreis davon. Next Level Empathie.
Fazit: vielschichtig, verspielt, feministisch - Almodovar ganz in seinem Element, wenn auch nicht komplett in Bestform.