Review

Qualen nach Zahlen


Selbst wenn Paul Schrader als Drehbuchschreiber bei den meisten Endprodukten gar nicht allzu viel zu kamellen gehabt haben wird - sein Stil, seine Themen und seine Stimmung schimmern bis schillern deutlich durch fast alle Projekte in die er involviert war. Erst recht in seiner frühen Hochphase mit einem Überfilm wie „Taxi Driver“. In „The Card Counter“ kommt er mehr denn je zuvor seinen menschlich-thematischen Wurzeln und seinem Kern nah, indem er einen Ex-Soldaten von der moralisch-zerstörten Front in Abu-Ghuraib bis hin an hochdotierte Pokertische schickt…

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„The Card Counter“ folgt gänzlich Schraders vorangegangener, ebenfalls klasse Charakterstudie „First Reformed“, ist jedoch ein ganzes Stück cooler und neonfarbener. In den knalligsten Momenten kommen sogar Gedanken an Nicolas Winding Refn auf. Oscar Isaac hat man selten on pointer gesehen, selbst Tiffany Haddish nervt hier nicht. Die moralisch-brodelnden Fragen wuchern, die Traumsequenzen aus dem Foltergefängnis sind mehr als eindringlich, das Ende ist niederschmetternd und hoffnungsvoll zugleich. Insgesamt nihilistisch-packendes Charakterkino, bei dem Geduld, Reife, Konzentration und Abgebrühtheit belohnt werden. Manchmal mäandert und brütet das vielleicht sogar ein Tick zu krass. Aber das ist hier Teil des Wegs und Konzepts. Keine leichte Kost - aber starkes Kino!

Fazit: zwischen „Rounders“ und „Drive“ - Schrader ist wieder in Form und macht brettharte, verdammt garstige Filme. Und „The Card Counter“ gefällt mir ehrlich gesagt sogar von fast all seinen Regiearbeiten mit am besten. Bitte mehr solcher stylisch-hartgekochten Spätwerke! 

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