Der polnische Autor Andrzej Sapkowski zeigte sich nie sonderlich interessiert an diversen Adaptionen seiner Romanreihe „The Witcher“, obgleich ihm das erst einen nachhaltigen Popularitätsschub bescherte. Um die eigentliche Hauptfigur Geralt von Riva geht es im vorliegenden Prequel jedoch nicht, welches einige Zeit davor beim Mentor Vesemir einsetzt.
Anders als die meisten Jungen, die von ihren Eltern in ihrer Not an die Hexer verkauft wurden, wollte Vesemir früh die Armut hinter sich lassen, um sich von den Hexern auf Burg Kaer Mohen der harten Schule zu unterwerfen. Nun, als erfahrener Krieger gegen diverse Monster, sieht er sich einem Zwiespalt ausgesetzt, denn er kämpft gegen Mutanten, die ihre Wurzeln im Umfeld der Hexer haben könnten…
Vesemir wird als tollkühner Held eingeführt, dem kein dummer Spruch während der Konfrontation zu schade ist, als er im Winterwald gegen einen Waldschrat antritt, welcher gegenüber bisheriger Erfahrungen sprechen kann. Schon bald vollzieht die Handlung einen Zeitsprung in Vesemirs Jugend, als seine Beziehung zur gleichaltrigen Illyana auf eine harte Probe gestellt wird. Die zwei Zeitebenen fließen gekonnt ineinander über, Beweggründe des jungen Helden werden herausgearbeitet und es wird nachvollziehbar, warum Vesemir oft arrogant auftritt und einen gesteigerten Wert auf gute Bezahlung legt.
Bei alledem ist die Umsetzung als schlichtes Anime keine schlechte Wahl, obgleich die Figuren mit den typischen Merkmalen großer Augen und kleiner Nasen ausgestattet sind und physiognomische Proportionen zuweilen grotesk anmuten. Demgegenüber sind die Fantasyelemente sauber herausgearbeitet, nur bei einigen Actionszenen dominiert zuviel Hektik. Zudem fließt ab und an ordentlich Blut, speziell bei einigen groß angelegten Schlachten, wie etwa zum Finale fliegen einige abgetrennte Körperteile durch die Gegend.
Auch die Synchro um Hauptsprecher Jaron Löwenberg (spricht in der Neuauflage der Hörspielreihe Larry Brent die Titelfigur) ist durchweg gelungen.
Die Geschichte ist so angelegt, dass sie auch ohne Vorkenntnisse der Romanreihe problemlos verstanden werden kann, obgleich Geralt bereits als Randfigur auftaucht. Der Kern der Erzählung verläuft zwar weitgehend überraschungsfrei, doch bleibt immerhin Zeit für emotionale Zwischentöne, die jedoch nie ins Kitschige abdriften. Der Humor kommt bis auf den Einstieg ein wenig zu kurz, während Passagen der harten Hexenschule etwas zu fragmentartig gestreift werden.
Für Fans der Reihe dürfte der Zeichentrickfilm eine nicht uninteressante Zwischenmahlzeit darstellen, er eignet sich allerdings auch für Quereinsteiger. Allzu große Schauwerte sollte man nicht erwarten, doch mithilfe des gelungenen Scores und des beinahe durchweg flotten Tempos ergibt sich ein kurzweiliges Fantasyabenteuer, auf welches sich aufbauen ließe.
Knapp
7 von 10